„Am Kreuz kommen Gott und Mensch zusammen und begegnen sich“

Pfarrer Stefan Maier
Pfarrer Stefan Maier (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Welches innere Bild scheint auf, wenn sie ans Kreuz denken? (…) Das Kreuz ist allgegenwärtig. Fast so präsent, dass wir es übersehen und gar nicht mehr wahrnehmen. „Allgegenwärtig“ aber auch in einem übertragenen Sinn. Auf der einen Seite: das Kreuz als Erkennungszeichen des christlichen Glaubens. Und in der Tat ist es so markant und einzigartig, dass es den tiefsten Wesenszug unseres Glaubens und unseres Gottesbildes ganz dicht zum Ausdruck bringt.

Wer sich zum Kreuz bekennt, wer es trägt oder zuhause an der Wand hat, bekennt sich damit zu Jesus Christus. Das Kreuz steht aber auf der anderen Seite zugleich für weiteres: Es steht für Not und Leid der Menschen. Es steht für Krankheit und Sterben. Es steht für die Schmerzen und die Verletzungen, die wir Menschen uns gegenseitig zufügen. Auch darin ist es allgegenwärtig! Überall dort, wo Menschen leiden und trauern, wo Menschen verhöhnt, gequält und verspottet werden, wo Menschen Krankheit ertragen und Einsamkeit und den Tod, überall dort ragt das Kreuz auf. Das ist so, weil dieses Kreuz (das Kreuz Jesu Christi) weit über sich hinausweist.

Weil hier eben nicht nur die Bosheit der Menschen zum Ausdruck kommt, die sich gegenseitig ans Kreuz schlagen, sondern die Liebe Gottes aufscheint, der hineingestiegen ist in das Leid und in die Not dieser Welt – und zwar eines jeden einzelnen von uns! Christen glauben, dass das Kreuz sowohl das unbedingte Zeichen der Nähe Gottes zu uns ist, als auch das Zeichen unserer Nähe zu ihm. Gerade am Kreuz kommen Gott und Mensch zusammen und begegnen sich. In der Person Jesu Christi selbst und in dem, was wir Menschen erleiden und erdulden müssen. Hier kommen wir dem Herrn ganz nahe.

Alois Albrecht hat dazu einmal folgende Sätze geschrieben: „Was wir von Jesus Christus und durch seine Nähe vom Erbarmen Gottes erwarten können, das ist: Nicht, dass er das Leid nimmt, sondern dass wir (durch sein Vorbild geleitet) teilen lernen und verzichten und brüderlich helfen. Nicht, dass er das Kreuz abschafft, sondern dass wir (durch seinen Kreuzweg ermutigt) unsere unausweichlichen Kreuze tragen können. Nicht, dass er uns den Tod erspart, sondern dass wir (an seinem Tod hellsichtig geworden) in unserem Tod das Ziel unseres Lebens erfahren dürfen.“ Wer solches glaubt, der erkennt, dass am Kreuz die unendliche Liebe Gottes zu uns Menschen aufscheint und versteht, dass Karfreitag und Ostern zusammengehören.

Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest!

Pfarrer Stefan Maier

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