Alphörner blasen elefantösen Schlusston

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 Die Alphörner waren nur zwei der rund 30 Instrumente, die während des Konzerts munter getauscht wurden.
Die Alphörner waren nur zwei der rund 30 Instrumente, die während des Konzerts munter getauscht wurden. (Foto: Helmut Littschwager)
Helmut Littschwager

Matthias Schriefl und seine fünf Musiker: Diese sechs sind gewissermaßen Komplizen in Sachen Jazz. Mit augenzwinkernd alpinem Vorder-Hinter-Unter-Grund und dem Allgäuer Idiom ihres Anführers mittendrin begeisterte das Sextett das Publikum im Museumshof .

Aus einem zart gesungenen Andachtsjodler, der in seiner meditativen Vortragsart gefangen nahm, schälten sich nach und nach eine Flöte, eine Klarinette und los ging es mit dem Abwerfen der Maskerade: Verwandlung in pfiffig coole Musikanten. Angestachelt wurden Johannes Bär, Alex Morsey, Gregor Bürger, Peter Hedl und Florian Trübsbach von ihrem flapsig launig moderierenden Leader Matthias Schriefl. An die 30 Instrumente wechselten mitunter mitten im Stück oder es wurde gar in zwei gleichzeitig hinein geblasen. Allerlei Saxofone, der Zupf-, zuweilen Streichbass, weitere Holz- und Blechblasinstrumente, darunter die mit einer spitzbübischen Story vorgestellte Ophikleide. Dann, ganz bühnenwirksam, zwei Alphörner, auch mal nur geschwind für einen elefantösen Schlusston angelegt.

Im „Alphornglow“ rumorte es gewaltig, jaulig bellende Soli, genüsslich ausgeweidete Dissonanzen, Schrägheiten, die in der Art ihrer burschikosen Verfremdung für Zwischenapplaus sorgten. Titel, die für sich sprechen waren „Jodlfunkfanfare“, „Vorarlberger Problembär“, „S’isch mer alles oi Ding“. Zum sich Wegwerfen komisch dann ihre „Schädelwehpolka“: Aufgescheuchte Sax-Girlanden, Obertongesang, immer wieder mal Taktwechsel à la Zwiefacher und Co. Durchtrieben, mit Flatterzungen-Gelächter auf mehrerlei Blasinstrumenten Niederbayrisches zu parodieren. Auch der Kölner Dom – in Köln leben ein paar der Musiker – kam im gleichnamigen Titel nicht ungeschoren davon. „Moi Hoimat“ wiederum klang anheimelnd, aber da gäb’s auch Styropor, was mit einem polyphonen Fugato kommentiert wurde.

Und wie nett dann ihre Zugaben: „Wo ma Fehla (von lat. filia: Tochter, Mädle) hat, braucht ma koi Dirn“. Allerliebst zu guter Letzt ihr „Schlofliadle“, das harmonisch einlullend nach allem Überschwang besänftigte.

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