Adel: Fürstinnen wunschlos glücklich

Lesedauer: 6 Min
Adel:
                  Fürstinnen wunschlos glücklich
Adel: Fürstinnen wunschlos glücklich
Schwäbische Zeitung
Ralf Geisenhanslüke

„Wunschlos glücklich!“ Wer das an seinem 80. Geburtstag von sich sagen kann, dem geht es wahrlich gut und der hat auch im Leben zuvor allesWichtige richtig gemacht.

Fürstin Marie Gabrielle von Waldburg-Zeil und Fürstin Marie Charlotte von Quadt zu Wykradt und Isny, die Zwillingsschwestern von Schloß Zeil und aus Isny sowie Urenkelinnen des letzten bayerischen Königs Ludwig III., feiern am heutigen Montag zusammen ihren 80. Geburtstag.

Ein gemeinsames Fest kann man bei Zwillingen erwarten, selbstverständlich ist es nicht. „Wir sind auf der einen Seite sehr eng, auf der anderen Seite doch nichts eins“, sagt Fürstin Marie Charlotte. „Aber das Gummiband ist immer da“, fügt Fürstin Marie Gabrielle von Waldburg-Zeil schnell hinzu.

Auch wenn die beiden keine eineiigen Zwillinge sind, so hatten ihre Eltern, Herzog Albrecht von Bayern und Herzogin Marita, die kleinen Mädchen immer gleich angezogen, was den Prinzessinnen gar nicht behagte. Sie fühlten sich verschieden und waren doch in vielem gleich: „Wir haben nicht immer das getan, was wir sollten“, erzählt Fürstin Marie Charlotte von zunächst ganz normalen Kindertagen in der Abgeschiedenheit im bayerischen Bad Kreuth.

Danach verlief die Kindheit der adeligen Damen aus dem bayerischen Königshaus alles andere als prinzessinnenhaft, ihr Erwachsenwerden war wahrlich kein Traum aus 1001 Nacht. Ihre Familie aus dem Geschlecht der Wittelsbacher verweigerte sich rigoros dem Naziregime und stand deswegen unter besonderer Beobachtung der Gestapo.

Sippenhaft in Sachsenhausen

1939 floh die Familie, inzwischen waren auch die beiden jüngeren Brüder geboren, nach Ungarn. Nach dem Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 erfasste die Verhaftungswelle auch die politischen Flüchtlinge in Ungarn, und die adelige Familie wurde als „Sippenhäftlinge“ ins Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin deportiert, Monate später in das Konzentrationslager Flossenbürg in der Oberpfalz. Erst französische Kriegsgefangene befreiten die Wittelsbacher in Reutte (Tirol).

So bitter und schmerzhaft die dunkle Seite ihrer Kindheit für die Zwillingsschwestern war, so sehr haben diese schrecklichen Erlebnisse die Prinzessinnen auch geprägt – und sie haben die Abenteuer weggesteckt. „Hunger tut weh. Ich lasse mich nicht mehr einsperren und schätze die Freiheit über alles“, zieht Fürstin Marie Charlotte ihr persönliches Resümee.

Auch Fürstin Marie Gabrielle zu Waldburg-Zeil sieht rückblickend auf die 80 Jahre das letztendlich Positive. Die liebevolle wie gelassene Großmutter von 21 Enkeln und Mutter von sechs Kindern hat die prägenden Erfahrungen einer behüteten Kindheit in Bad Kreuth sowie der Zeit mit Todesängsten in den Konzentrationslagern in positive Energie für ihre große Familie umgewandelt. Das gilt, wie sollte es bei Zwillingen anders sein, auch für ihre Schwester und deren vier Kinder und acht Enkel.

Das Allgäu um Leutkirch und Isny ist seit 1955 beziehungsweise 1957 die Heimat der Prinzessinnen aus Bayern, als zunächst Marie Charlotte den Fürsten Paul von Quadt-Wykradt und dann Marie Gabrielle den Fürsten Georg zu Waldburg-Zeil heiratete. Kennengelernt hatten sich die Adeligen rein zufällig wie völlig normal. „Ein Fest, auf dem die Bayern-Zwillinge nicht waren, war kein gelungenes Fest“, blickt Fürst Georg mit Glanz in den Augen auf diese Zeit zurück, in der ihre Liebe begann.

In den Jahren danach bis zum heutigen Tag ist Schloß Zeil oftmals weniger fürstliche Residenz denn mehr ein großer Kinderhort. „40 Kinder kamen schnell zusammen, wenn unsere Familien sich trafen“, erzählt Fürstin Marie Gabrielle, Mittelpunkt einer großen Familie, von tollen Spielenachmittagen und Festen. Bei allen Arbeiten legt sie selbst mit Hand an, scheut sich dabei nicht vor Staub und Schmutz. Die passionierte Jägerin liebt die Natur von den Haustieren bis zu den exotischen Wildtieren. Mit ihrem Kunstsachverstand ordnete sie den ererbten Kunstbesitz in den Jahren neu, restaurierte und erweiterte ihn um weitere Kunstschätze. Alles zusammen hat die Zwillingsschwestern wunschlos glücklich gemacht.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen