Abstiegsendspiel mit reichlich Drama

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 Die Leutkircher Handballer und ihr Trainer Manfred Folter (im Vordergrund) halten auch nach dem Abstieg zusammen.
Die Leutkircher Handballer und ihr Trainer Manfred Folter (im Vordergrund) halten auch nach dem Abstieg zusammen. (Foto: Paul Gantner)
Sportredakteur

Die Leutkircher Handballer wollten am Samstagabend eine große Klassenerhaltsparty feiern. Es brauchte nur noch ein Unentschieden gegen den HV RW Laupheim II, um für ein weiteres Jahr in der Bezirksliga Bodensee-Donau planen zu können. Doch am Ende eines wahren Krimis stand eine 26:28-Niederlage, die bedeutete, dass die Leutkircher nun doch wieder in der Bezirksklasse antreten müssen. Bis zur letzten Sekunde war es eine emotionale Achterbahnfahrt, wie sie typisch für den Handballsport ist.

Vor dem entscheidenden Spiel gegen Laupheim hatte Leutkirchs Trainer Manfred Folter darum gebeten, ihm nach der Schlusssirene ein paar Minuten zu geben, um das Erlebte einzuordnen, bevor er sich dazu äußert – unabhängig vom Ausgang der Partie. Leutkirchs Trainer hatte sich also darauf eingestellt, emotionale Momente verarbeiten zu müssen. Weil Folter natürlich weiß, dass ein Handballspiel selten einfach nur so vor sich hin plätschert. Und irgendwann aus ist. Was Handball an Unterhaltung bieten kann, unabhängig von der Spielklasse, war am Samstagabend über 60 Minuten lang in der Seelhaushalle mal wieder zu bewundern. Hin und her ging’s sowieso, denn im Mittelfeld hält sich nun wirklich kein Handballer auf, rauf und runter aber auch, denn zuerst war Leutkirch klar vorn, dann führte Laupheim.

Zwei unterschiedliche Gefühlswelten nach der Schlusssirene

Abgesehen von einem 10:4-Zwischenstand für die TSG-Handballer nach etwas mehr als einer Viertelstunde war es immer eng. Und auch die Schlussphase hielt sämtliche erdenklichen Dramen bereit: Zeitstrafen, Siebenmeter, Pfostenschüsse, Torhüter mit Riesenparaden, harte Fouls, maximal aktivierte Zuschauer, die ihre Teams nach vorne schreien. Herrlich!

Und nach der Schlusssirene gab’s natürlich zwei völlig unterschiedliche Gefühlswelten: jubelnde Laupheimer, trauernde Leutkircher. Die Ausgangslage wollte es so, dass es im direkten Duell darum ging, wer in der Bezirksliga bleibt und wer in die Bezirksklasse absteigen muss. Leutkirch würde ein Punkt reichen, Laupheim brauchte einen Sieg, um den direkten Vergleich zu gewinnen. Dieser Spannungsbogen lag am Samstagabend ständig über dem Spiel vor etwa 300 Zuschauern. Dieser Spannungsbogen machte dieses Handballspiel noch eine Spur emotionaler, packender, mitreißender, als es Handballspiele eh schon sind.

Als die Spannung abfiel von Manfred Folter, nachdem er ein paar Minuten durchgeschnauft und die Niederlage eingeordnet hatte, da war es, als ginge ein Ruck durch ihn, der so gerne ein zweites Jahr mit seiner Mannschaft in der Bezirksliga hätte. „In fünf Wochen geht die Vorbereitung auf eine neue Runde los. Und wir steigen sofort wieder auf“, sagte er da. Nicht trotzig, sondern selbstbewusst. Wohl wissend, dass es noch ein bisschen schmerzen wird, als Aufsteiger gleich wieder runter gemusst zu haben, obwohl der Klassenerhalt greifbar nahe war. Wohl wissend aber auch, dass er eine Truppe hat, die gutes Potenzial besitzt, die ein gutes Bild abgibt, die Handball lebt und leidet, die sicher wieder zurück will in diese Bezirksliga, in der sich die TSG Leutkirch so tapfer geschlagen hat. Und in der wahrscheinlich bei der Rückkehr wieder der HV RW Laupheim II warten würde, mit dem seit Samstagabend eine Rechnung offen ist.

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