Ab jetzt regieren die Narren

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Redakteur Leutkirch

Mit einer weißen Fahne hat sich Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle ergeben, bevor er am Gumpigen Donnerstag über die Rutsche aus dem Rathaus „floh“. Bei der närrischen Abrechnung ging es dann unter anderem auch um die anstehende Gemeinderatswahl.

„So lieber Oberschultes, nun ist es Fakt, bis Aschermittwoch bist Du Deines Amtes von den Narren enthoben und hast nichts mehr zu sagen“ – mit diesen Worten machte Thomas Blum, Präsident der Narrenzunft Nibelgau, die Machtübernahme der Narren offiziell. Davor stürmten die Narren in altbewährter Weise das Rathaus, indem sie mit einer Leiter über den Rathausbalkon einstiegen, sich den Schlüssel holten und die Mitarbeiter und Gemeinderäte über die große Rutsche auf dem Hosenboden hinausbeförderten. Was bei den über hundert Zuschauern für große Begeisterung sorgte.

Der erste Anklagepunkt mit denen die Narren den Oberbürgermeister anschließend konfrontierten, war der von der Stadt erarbeitete Maßnahmenkatalog für die Modernisierung der Vereinsräume der Leutkircher Musikkapellen. Geht es nach der Zunft, dürfte dieser ruhig auch auf sie ausgeweitet werden. Immerhin ist die Fasnet in Leutkirch seit Jahrzehnten ein kultureller Brauchtumsfaktor, mit alljährlich zahlreichen Veranstaltungen für Zigtausende, wie Blum erklärt. Viel Hoffnung machte Henle den Narren bei seiner Verteidigung aber nicht. Sollte man mit den Kapellen fertig sein, sei „vielleicht“ die Zunft dran. „Doch eins nach dem anderen, das ist unser Leutkircher Weg“, sagt Henle. „So verharren wir in der Hoffnung, dass dies mit Tempo ebenfalls Beachtung findet. Aber nicht nur mit Tempo 30, davon haben wir in Leutkirch aktuell genügend beachtete Zonen“, so Blum.

Ob die aktuelle Tempo-30-Regelung bestehen bleibt, entscheidet sich laut dem Nibelgau-Chef im Herbst, wenn das „Pilotmodel“ nochmals auf den Prüfstand komme. Entscheiden müsse dann der neue Gemeinderat, der im Mai gewählt wird. „Da sind wir Leutkircher und eben auch wir Narren schon gespannt. Sowohl auf das Resultat zur Tempo-30-Regelung, als auch auf den neuen Gemeinderat“, sagt Blum. Laut ihm sind die Narren derzeit noch am Überlegen, ob sie nicht eine eigene Liste aufstellen. Außerdem schlägt Blum vor, angesichts der fehlenden Waschmaschinen in den Center Parcs-Ferienhäusern doch einen Waschsalon in der ehemaligen Feneberg-Filiale zu eröffnen, um die Urlauber nach Leutkirch zu locken – und eine Doppelmayr-Seilbahn von der Altstadt über die Wilhelmshöhe zum Freibad zu bauen. „Oje, oje, welch Fasnetsgschwatz“, entgegnet Henle.

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