Ärzte appellieren eindringlich an die Vernunft jedes Einzelnen

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 Die Leutkicher Ärzteschaft wendet sich an die Bevölkerung.
Die Leutkicher Ärzteschaft wendet sich an die Bevölkerung. (Foto: Symbol: dpa / Oliver Berg)
Schwäbische Zeitung

Zur aktuellen Corona-Situation äußern sich die Mediziner Nicole Wissler, Michael Walther und Brigitte Schuler-Kuon in einer Stellungnahme. Sie tun dies laut Mitteilung stellvertretend für die Leutkircher Ärzteschaft.

Die Tests

Nicht jeder, der symptomatisch ist, könne getestet werden, betonen die Mediziner, auch wenn er das selbst zahlen möchte. „Wir haben begrenzte Testkapazitäten und die gilt es zu beachten.“ Nur Patienten, die Kontakt mit Infizierten haben und selbst Krankheitssymptome aufweisen, können nach Absprache mit ihrem Hausarzt getestet werden. Es gibt unterschiedliche Kontaktarten, die es gilt, mit dem jeweiligen Hausarzt zu klären.

Ein Mensch ist grippal erkrankt, was ist zu tun?

Er sollte immer zuerst seinen Hausarzt anrufen und mit ihm klären, was zu tun ist. Der Arzt entscheidet je nach Risiko einer Infektion und je nach Art der chronischen Begleiterkrankungen oder auch bei älteren Menschen, ob die Quarantäne ausreichend ist, ob eine Testung vorgenommen werden muss oder ob eine Untersuchung durch den Arzt erfolgen muss.

„Alle Patienten, die Erkältungssymptome aufweisen, sollten nicht zur Arbeit gehen“, heben die Ärzte hervor. Erkrankte können sich nach telefonischer Rücksprache mit dem Hausarzt auch ohne persönlichen Kontakt bis zu acht Tage krankschreiben lassen. Fühlt sich der Patient danach immer noch nicht gesund, kann er einen weiteren telefonischen Kontakt mit dem Arzt herstellen. Geht es ihm in dieser Zeit schlechter und er muss untersucht werden, ist auch das mit dem Hausarzt zunächst telefonisch zu klären.

Was tun, wenn Arbeitgeber Atteste oder Testung oder Krankmeldung wünschen?

Jeder Arbeitgeber ist ein Stück weit selbst in der Verantwortung, ob er einen Mitarbeiter mit Risiko (kommt aus einem Risikogebiet oder hatte entfernten Kontakt über dritte oder vierte Personen zu einem infizierten Menschen) arbeiten lässt. „Ärztliche Bescheinigungen, Atteste oder gar Krankschreibungen von klinisch gesunden Personen dürfen und können wir nicht ausstellen. Genauso wenig können wir Testwünschen von Arbeitgebern nachkommen, wenn Patienten Kontakt zu Infizierten haben oder sich in Quarantäne befinden, aber selbst klinisch gesund sind. Im Zweifelsfall gibt es für alle Menschen die Hotline des Gesundheitsamtes Ravensburg 0751 / 855050.

Was kann die Bevölkerung noch tun, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern?

Alle planbaren Termine, egal ob Arzt oder andere Dinge, sollten verschoben werden. Sowohl die Haus- als auch die Fachärzte sind zur Notfallbehandlung während der üblichen Sprechzeiten dienstbereit.

Rezepte für Dauermedikation können in den Praxen telefonisch bestellt werden, die Praxen liefern die Rezepte an die angegebenen Apotheken, damit weniger Patienten in den Arztpraxen sind.

„Wir bitten inständig darum, dass unsere Patienten, die ganze Bevölkerung die Anweisungen der Behörden befolgen: zwei Meter Abstand halten, Hände waschen, keine größeren Menschenansammlungen und nur zu den lebensnotwendigen Dingen wie Arztbesuch, Einkauf oder Arbeit das Haus verlassen.“

Nur so könne man dazu beitragen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Wenn die Vorhersagen stimmen und circa 50 bis 70 Prozent der Bevölkerung schrittweise infiziert werden, davon 15 Prozent schwer erkranken und drei bis fünf Prozent intensivpflichtig werden, bräuchten wir etwa eine Million Beatmungseinheiten, rechnen die Leutkircher Mediziner vor die Dringlichkeit vor. „Denen stehen derzeit 28 000 Beatmungsbetten gegenüber.“

Die öffentliche Hand sei dabei, die Intensivkapazitäten auszubauen, „aber wir alle können mit unserem Verhalten dazu beitragen, die Erkrankungsausbreitung zu verlangsamen. Das muss unsere gemeinsame Strategie sein.“

Die Wünsche der Ärzte.

Wir bitten darum, die Fake News nicht weiter zu verbreiten. Das fördert die Verunsicherung der Bevölkerung und macht Angst. Ziehen Sie stattdessen qualitätsgeprüfte Informationen, wie Sie sie auf der Website des Robert-Koch-Instituts finden, zu Rate. Wenn Sie Hilfe beim Einkaufen brauchen, wenden Sie sich an die Aktion „Mutmacher für Leutkirch“ der Kirchengemeinden.

Und wir wünschen uns von all unseren Patienten, dass sie Geduld mit unseren Praxen, mit unserer telefonischen Erreichbarkeit und auch mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben. Das Telefonaufkommen hat sich vervielfacht, wir arbeiten alle mit Hochdruck, wir sind bemüht, alle Fragen zu beantworten und werden versuchen, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um für Sie da zu sein.

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