Zu Besuch beim Aktmal-Kurs in Kißlegg

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Eine Studie, ein klassischer Akt und eine abstrakter Akt. Zu sehen sein werden unter anderem diese Kunstwerke bei der zweiten Fi
Eine Studie, ein klassischer Akt und eine abstrakter Akt. Zu sehen sein werden unter anderem diese Kunstwerke bei der zweiten Finissage der Kunstwochen am Freitag ab 18 Uhr im Neuen Schloss. (Foto: Paul Martin)
Paul Martin

Die Wände sind mit Folie abgedeckt. Türen und Böden ebenfalls. Stafetten stehen herum. Frauen gemischten Alters sitzen im Halbkreis. Bleistift und Papier in der Hand. Das Podest in der Mitte des Caesarsaals ist noch leer. Da wird das Aktmodell seinen Platz einnehmen.

Ein Besuch im Neuen Schloss während der Kißlegger Kunstwochen beim Kurs „Akt, Figur und Abstraktion“. Elisabeth Sauterleute, die Kursleiterin, definiert die erste Übung. „Zum Warmmachen nehmt ihr jetzt mal in mehreren Studien den Bewegungsablauf zeichnerisch auf.“ Der Bewegungsablauf, von dem sie redet, ist das Ausziehen. Dafür steht das Modell inzwischen auf dem Podest und rotiert zeitlupenartig um die eigene Achse. Immer textilfreier.

„Wenn man die Chance hat, muss man zuschlagen“, so begründet Christine Vidic ihre Teilnahme am Aktmal-Kurs. Vidic hat sich in Kißlegg als Kunstschaffende schon lang einen Namen gemacht und sieht den Aktmalkurs bei den Kunstwochen als einmalige Gelegenheit: „Sonst kann man das ja schlecht machen. Ich setz mich ja nicht an den Strand und fang an die Leute zu malen.“

Doris Krebs aus Ratzenried hat dazu eine andere Meinung. „Man hätte ja schon auch Frauen und Männer in der Familie und im Freundeskreis, die man malen könnte“, findet sie. Aber: „Hier im Kurs bekommt man halt auch noch so viel handwerkliches dazu.“ Dieses Rüstzeug ist es auch, was die Kursleiterin ihren Schülerinnen mitgeben will. „Bei den Übungen zur Methodik korrigiere ich auch gern mal strenger“ sagt Elisabeth Sauterleute, die in Leutkirch eine Kunstschule betreibt. Seit den Neunzigern beteiligt sie sich als Dozentin bei den Kunstwochen im Schloss. Den Teilnehmerinnen will sie „so viel wie möglich beibringen“ um sich künstlerisch Ausdrücken zu können. Die Lektionen reichen von malerischer und zeichnerischer Bildtechnik und Bildgesetzen über Kontrastlehre und Bildkomposition bis zur völligen Abstraktion.

Die Referentin redet gerne von der Königsdisziplin der Bildenen Kunst, wenn es um das Aktmalen geht. Schließlich sei der menschliche Körper in all seiner Organik ein hochkomplexes und individuelles Formgebilde. Natürlich gibt es auch hier Unterschiede bei den Motiven: „Ich mal am liebsten einen älteren Herren mit langen Haaren, Bauchansatz und einer ganz bestimmten Haltung – das ist viel spannender als so eine jungen Schönling zu malen“, verrät eine Kursteilnehmerin über ihre Lieblingsmuse. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

Als fertige Werke werden im Laufe der Woche drei große Leinwände von jeder der Künstlerinnen im Aktmalkurs erarbeitet. Eine Studie, ein klassischer Akt und eine abstrakter Akt. Zu sehen sein werden unter anderem diese Kunstwerke bei der zweiten Finissage der Kunstwochen am Freitag ab 18 Uhr im Neuen Schloss.

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