Welcher Beruf ist heute noch zukunftsträchtig?

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Unser SZ-Mitarbeiter Paul Martin hat sich für seine beruflich Zukunft beraten lassen.
Unser SZ-Mitarbeiter Paul Martin hat sich für seine beruflich Zukunft beraten lassen. (Foto: Martin)
Schwäbische Zeitung
Paul Martin

Bei der Berufswahl solle man nicht (nur) auf Arbeitsmarktprognosen schauen, rät Bettina Bruderreck der jungen Generation. Der Frage nach einem Idealweg in der Berufswelt könne man nur nachgehen, wenn man genau definiert, für wen dieser Weg ideal ist. Drei Tipps hält die Berufsberaterin der Agentur für Arbeit hierfür parat:

Versuche herauszufinden wer du bist. Die Schnittmenge aus persönlichen Interessen, Fähigkeiten und Wertevorstellungen, grenze die Berufswahl bei vielen schnell ein, so Bruderreck:

Richte deinen Blick nach außen. Die Schüler sollen sich über Praktika, Ferienjobs oder Ehrenamt einen Einblick in die Berufswelt verschaffen.

Schau dir Studiengänge, die für dich in Frage kommen, an. „Einfach mal hinfahren“, rät Bettina Bruderreck und warnt Schüler davor, sich nur über Online-Definitionen für ein bestimmtes Fachgebiet zu entscheiden, die „Katze im Sack“ zu kaufen.

Unentschlossene will Bruderreck natürlich auch auf die Angebote der Arbeitsagentur für Arbeit Aufmerksam machen. Diese seien neutral und kostenlos. Orientierung schaffen und beim richtigen Recherchieren helfen, sieht die Berufsberaterin als ihre Aufgabe an. (pama)

„Hier will ich alt werden“: So lautet der Titel der aktuellen SZ-Serie. Für unseren Mitarbeiter Paul Martin als jungen Menschen – rund ein Jahr vom (hoffentlich erfolgreichen) Abitur entfernt – stellt sich hingegen viel mehr die Frage: „Kann ich hier alt werden?“ Und wie gestaltet sich überhaupt der Weg bis zum Renteneintritt in der sich wandelnden Arbeitswelt? Er wagt die Berufsberatung.

„Wir sind schon eine Region, die einiges bietet“, sagt Bettina Bruderreck, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit, und bezieht sich dabei auf die Duale Hochschule in Ravensburg und Friedrichshafen und die Pädagogische Hochschule Weingarten. Außerdem verfüge die Region über einen „super Ausbildungsmarkt“. Als besonders zukunftsträchtig hält die Studienberaterin „alles rund um Pflege und Gesundheit“ und verweist auch auf die Kur- und Bäderbetriebe in der Region. Ähnlich schätzt Bruderreck die Lage im Handwerk ein: „Handwerksberufe sind Berufe, die nicht so schnell wegrationiert werden können.“ Hier bestünden interessante Weiterbildungsmöglichkeiten für Leitungsaufgaben.

Komplett isoliert von globalen Entwicklungen sind Oberschwaben und das Allgäu freilich nicht. Was die Digitalisierung angeht, gibt es laut Bettina Bruderreck auch hier Branchen, für die gilt: „Kurze Lunte, großer Knall.“ Will heißen, es sind routinierte Tätigkeiten betroffen, die beispielsweise durch Algorithmen zeitnah ersetzt werden können. Stichwort Online-Banking. Doch auch im Einzelhandel sieht Bruderreck Veränderungen kommen: „In großen Märkten zieht man die Waren jetzt schon selber über die Kasse. Irgendwann braucht man keine Kassiererin mehr.“

Keine 30 Jahre in einem Job

In zwei Punkten sieht die Berufsberaterin die Anforderungen an Arbeitnehmer am meisten steigen: Flexibilität und Mobilität. „30 Jahre am gleichen Arbeitsplatz zu arbeiten, das wird in Zukunft eher selten sein.“, ist sie sich sicher. Im Gegenzug nehme Projektgebundene Arbeit zu. Eine Herausforderung sieht Bruderreck künftig in allen Berufen gegeben: „Man muss bereit sein, lebenslang zu lernen.“

Bruderreck wirft den Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft: Früher seien diejenigen von Wegrationierung betroffen gewesen, die nur ganz gering qualifiziert waren. Das betreffe heute jedoch auch die mittlere Ausbildungsschiene. „In der Fertigung kann es sein, dass ein Roboter eines Tages die Arbeitsstelle ersetzt.“, stellt die Berufsberaterin fest. Dies sei im Handwerk anders: „Wenn ihr Dach kaputt ist, dann brauchen sie nun mal einen Dachdecker, der da hoch geht und es repariert“. Auch im Tourismusbereich gibt es in der Region viele Möglichkeiten. Derzeit sei zum Beispiel die Nachfrage nach Schwimmmeistern hoch – Stichwort: Center Parcs.

Doch Paul werde weder Bademeister noch Krankenpfleger – und schaut auch ohne konkreten Masterplan beruhigt in die Zukunft. Zum einen deshalb, weil er prinzipiell keine Angst vor der Digitalisierung habe und das nicht, weil er sie unterschätze. Sondern weil er glaubt, dass man in dem Moment, in dem man ihr mit Angst begegnet, schon verloren hat. Was seine Berufswahl angeht, hofft er sich durch Praktika Klarheit verschaffen zu können. Was auf jeden Fall hilft, sind klar definierte Interessen und Fähigkeiten. Die Berufsfelder, die für ihn in Frage kommen, sind aber seiner eigenen Einschätzung nach mangels Begabung, beispielsweise im handwerklichen, schon ein wenig eingeschränkt.

Bei der Berufswahl solle man nicht (nur) auf Arbeitsmarktprognosen schauen, rät Bettina Bruderreck der jungen Generation. Der Frage nach einem Idealweg in der Berufswelt könne man nur nachgehen, wenn man genau definiert, für wen dieser Weg ideal ist. Drei Tipps hält die Berufsberaterin der Agentur für Arbeit hierfür parat:

Versuche herauszufinden wer du bist. Die Schnittmenge aus persönlichen Interessen, Fähigkeiten und Wertevorstellungen, grenze die Berufswahl bei vielen schnell ein, so Bruderreck:

Richte deinen Blick nach außen. Die Schüler sollen sich über Praktika, Ferienjobs oder Ehrenamt einen Einblick in die Berufswelt verschaffen.

Schau dir Studiengänge, die für dich in Frage kommen, an. „Einfach mal hinfahren“, rät Bettina Bruderreck und warnt Schüler davor, sich nur über Online-Definitionen für ein bestimmtes Fachgebiet zu entscheiden, die „Katze im Sack“ zu kaufen.

Unentschlossene will Bruderreck natürlich auch auf die Angebote der Arbeitsagentur für Arbeit Aufmerksam machen. Diese seien neutral und kostenlos. Orientierung schaffen und beim richtigen Recherchieren helfen, sieht die Berufsberaterin als ihre Aufgabe an. (pama)

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