Wann ist eine Scheune im Wald illegal?

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Mann neben offener Scheune
Bernhard Mattes vor seinem betroffenen Arbeitsschuppen. (Foto: Paul Martin)
Paul Martin

Der deutsche Wald ist in Gefahr. Er braucht mehr Pflege und Fürsorge denn je. Da sind sich Waldbesitzer, Förster und Politiker einig. Ein Waldbesitzer in Kißlegg fühlt sich vom Landratsamt in seiner Aufgabe, den Wald zu pflegen, allerdings behindert. In seinem Streit um einen Arbeitsschuppen hat er sich sogar schon an den Stuttgarter Landtag gewandt.

„Ich möchte mich mit meinem Traktor, meiner Säge und meinem Anhänger um meinen Wald kümmern“, beteuerte Bernhard Mattes im Frühsommer im SZ-Gespräch vor seiner Hütte zwischen den Weilern Holdenreute und Brunnen. Die 50 Quadratmeter große „forstwirtschaftliche Arbeitsscheune“ – auf diese Bezeichnung legt Mattes wert – unterlag im Mai 2018 einem Baustopp. Wie kam es dazu?

Bereits im Jahr 2014 habe er erstmals mit dem Landratsamt Kontakt aufgenommen, erzählt Mattes. Prinzipiell ist Bauen im Außenbereich verboten. Land- und Forstwirte genießen allerdings gewisse Privilegien. Das privilegierte Bauen „mag“ man beim hiesigen Landratsamt erst ab einer Fläche von 15 Hektar genehmigen, habe man Mattes, dessen Wald keine vier Hektar misst, damals gesagt. Die Formulierung finde er schwammig.

Nachdem Mattes, wie er sagt, noch ein paar Jahre mit der Idee „schwanger gegangen“ sei, habe er Anfang 2018 schließlich einfach mit dem Bauen losgelegt – ohne Genehmigung, daher der Baustopp. Bernhard Mattes sehe sich allerdings sehr wohl als privilegierten Nebenerwerbsforstwirt. Deshalb habe der 64-jährige Logopäde Unterschriften gesammelt und sich damit an den Petitionsausschuss des Landtags von Baden-Württemberg gewandt.

Landtag bezieht eindeutig Stellung

Die Antworten aus Stuttgart sind eindeutig: Die Errichtung des Schuppens stehe im Widerspruch zu öffentlich-rechtlichen Vorschriften und diene keinem privilegierten land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb, heißt es im Bericht des Petitionsausschusses, der der „Schwäbischen Zeitung“ vorliegt. Außerdem sei der Waldabstand von 30 Metern nicht eingehalten worden.

„Das Landratsamt hat sein pflichtgemäßes Ermessen ausgeübt, Ermessensfehler sind nicht ersichtlich“, so die Bewertung über die bislang vor Ort getroffenen Maßnahmen. Auch die Voraussetzungen zur Anordnung eines Rückbaus sieht man in Stuttgart erfüllt. Dies werde nun erfolgen, sagte ein Sprecher des Landratsamts diese Woche. Denn: „Dieser Schwarzbau wird keinesfalls geduldet.“

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