Telekom plant an der A 96 bei Waltershofen einen 50-Meter-Mobilfunkmast

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Der rote Punkt im Waldstück (oben) an der A 96 markiert den Standort des von der Telekom geplanten Mobilfunkmasts. Unten ist der (Foto: Gemeinde Kißlegg)
Schwäbische Zeitung

Ein von der Telekom geplanter Mobilfunkmast an der A 96, Höhe Waltershofen, könnte zu Ärger zwischen dem Kommunikations-Unternehmen und dem Kißlegger Teilort führen. Eigens zu diesem Thema kommen am Donnerstag, 19. September, die Ortschaftsräte zusammen. „Ich glaube, das wird eine emotionale Sitzung“, sagt Ortsvorsteher Werner Bachmann. „Ich rechne mit einer Stimmung contra Mobilfunk.“

Jeder, der schon mal auf der A 96 zwischen den Ausfahrten Wangen-Nord und Leukirch-Süd unterwegs war, kennt die Situation: Kurz vor der Anschlussstelle Kißlegg bis zur Höhe Gebrazhofen sucht das Handy mehrere Kilometer lang verzweifelt nach dem Netz. Das Autobahn-Funkloch ist längst auch der Telekom bekannt, und die will nun Abhilfe schaffen. Im südlichen Teil des Waldstücks am Wuhrmühleweiher hat der Telekommunikations-Riese ein Grundstück erworben und will dort einen knapp 50 Meter hohen Mobilfunkmast hinstellen. Der geplante Standort liegt schräg gegenüber, auf der anderen Autobahnseite von Waltershofen, und dürfte rund 200 Meter von den ersten Gebäuden entfernt sein.

„Ein Teil des Masts dürfte oben aus den Baumwipfeln herausragen“, schätzt Manfred Rommel. Der Kißlegger Bauamtsleiter sitzt dem hiesigen Arbeitskreis Mobilfunk vor, der zuletzt die Gespräche mit der Telekom führte. Schon länger war öffentlich bekannt, dass das Unternehmen auf der Suche nach einem Standort für einen Mobilfunkmasten ist. „Die letzte Aussage von damals lautete, dass 2012 nichts mehr geplant ist, und seitdem haben wir von der Telekom auch nichts mehr gehört“, so Rommel. „Vor ein paar Wochen kam jedoch für uns alle überraschend ein Bauantrag.“

Der liegt seit dem 12. August im Landratsamt Ravensburg. Offizieller Bauherr ist die Deutsche Funkturm GmbH. Der Bauantrag sei, so Landratsamtssprecherin Anita Schmid, aber noch nicht vollständig, es würde die Standortprüfung fehlen. Heißt: Der Bauherr muss Standortalternativen angeben und dabei erklären, warum er den Mobilfunkmast an dem geplanten Standort bauen will. Weil solche Vorhaben im Außenbereich privilegiert sind, kann das Landratsamt als zuständige Baurechtsbehörde nach der vorgeschrieben Angrenzeranhörung gegebenenfalls selbst dann einen Bauantrag genehmigen, wenn die Kommune ihr Einvernehmen nicht erteilen sollte. „Das ist traurig: Das Baurecht schafft vollendete Tatsachen, und wir dürfen drüber abstimmen“, sagt Werner Bachmann.

Bereits vor etwa sieben Jahren hatte die Gemeinde Kißlegg eine Resolution erarbeitet, die sich gegen einen Ausbau von Mobilfunk aussprach und Grundstückseigentümer aufforderte, keine Flächen für diese Zwecke zur Verfügung zu stellen. „Die Resolution ist natürlich ein zahnloser Tiger, wenn ein Privatmann schwach wird und sein Grundstück trotzdem verkauft“, so Kißleggs Bürgermeister Dieter Krattenmacher in der vergangenen Gemeinderatssitzung. Und Bachmann fügt hinzu: „Der Druck, der damals aufgebaut werden sollte, greift nicht.“

In der Ortschaftsratssitzung am Donnerstag wird es deshalb auch darum gehen, ob und, wenn ja, welche Standortalternativen möglich sind. Für alle technischen Fragen wird ein Vertreter der Telekom anwesend sein. Er dürfte den Räten und Zuhörern auch erläutern, wie stark und in welche Richtung der geplante Mast abstrahlen soll.

Denn: Auch Waltershofen selbst ist in Sachen Mobilfunk unterversorgt. „Das ist eben ein sensibles Thema“, sagt Werner Bachmann. „Die einen wollen gut versorgt sein, die anderen wollen den größtmöglichten Schutz vor der Strahlung haben. Ich kann das auch nachvollziehen.“

Die öffentliche Ortschaftsratssitzung in der Waltershofener Ortsverwaltung beginnt am Donnerstag um 19 Uhr.

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