Schweizer bauen alte Arla-Käserei um

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Die Züger-Produkte bekannt machen: Markus Züger (rechts) ist einer der Geschäftsführer der Züger Frischkäse AG. Adolf Birker ist
Die Züger-Produkte bekannt machen: Markus Züger (rechts) ist einer der Geschäftsführer der Züger Frischkäse AG. Adolf Birker ist dort Verwaltungsrat. Beide haben über die Pläne für Zaisenhofen gesprochen. (Foto: KRäUTER)
Schwäbische Zeitung

Seit Anfang Mai ist der ehemalige Arla-Standort in Zaisenhofen in den Händen der Käsefreunde Kißlegg. Hinter der GmbH stecken die beiden Schweizer Käsehersteller Züger Frischkäse AG aus Oberbüren, die Imlig Käserei aus Oberriet sowie der zukünftige Geschäftsführer in Kißlegg und Hawangen, Karl-Heinz Kratzer.

Markus Züger, der mit seinem Bruder Christoph das Familienunternehmen, die Züger Frischkäse AG, führt, ist nun öfter in Zaisenhofen, um die Umbaumaßnahmen voranzutreiben. Gemeinsam mit Adolf Birker aus Altusried, der Verwaltungsrat bei der Züger Frischkäse AG ist, berichtet Markus Züger nun von den Plänen für den ehemaligen Arla-Standort.

„Es hat ein bisschen Mut gebraucht, um diesen Schritt zu gehen“, gibt der Molkereitechniker und Käsermeister zu. Dennoch gibt es für ihn auch viele gute Gründe, sich neben dem Standort in der Ostschweiz auch im Allgäu ein Standbein aufzubauen. Immer wieder fallen in dem Gespräch die Worte „Qualität“, „Regionalität“ und „Nachhaltigkeit“.

„Wir, die Käsefreunde Kißlegg, wollen Wertschöpfung in die Region bringen und Arbeitsplätze schaffen“, erklärt Markus Züger. In Oberbüren stößt die Firma schon an ihre Kapazitätsgrenzen. Deswegen ist die Züger Frischkäse AG Anfang des Jahres mit der AMK, der Allgäu Milch Käse eG, eine Kooperation eingegangen.

Die bäuerliche Genossenschaft hat derzeit zwei Standorte in Kimratshofen und in Hawangen (Landkreis Unterallgäu), dort wird vor allem Hartkäse wie Emmentaler und Cheddar produziert. Zusammen wurde nun die Hawangen Käsegenuss GmbH gegründet. Am Standort Hawangen soll in Zukunft auch Frischkäse produziert werden, sagt Züger.

40 bis 50 neue Arbeitsplätze

In den nächsten zwölf bis 18 Monaten stehen dann in Zaisenhofen umfangreiche Umbaumaßnahmen an, die zum Teil schon begonnen haben. An dem früheren Arla-Standort war zuletzt „Parmesan made im Allgäu“ hergestellt worden. Jetzt sollen unter anderem die Salzbäder demontiert werden. „Die Anlagen hier haben ihre Dienste getan“, sagt Züger. In Zukunft soll in Kißlegg der Käse, der in Hawangen produziert wird, „veredelt“ werden. Sprich: Gerieben, zerkleinert und abgepackt. Dafür müssten unter anderem Reiben, Zerkleinerungs- und Abpackmaschinen sowie ein Tiefkühlzwischenlager aufgebaut werden. Auch die Betriebsleiterwohnung am Standort soll wieder bewohnbar gemacht werden.

„Wir werden an dem Standort zwei bis fünf Millionen Euro investieren“, meint Züger. „Es wird erhebliche Aufbauarbeit zu leisten sein“, ergänzt Adolf Birker.

40 bis 50 neue Arbeitsplätze sollen laut Züger in Zaisenhofen in Zukunft geschaffen werden. Bei Arla waren früher 36 Mitarbeiter beschäftigt. Mehrere von ihnen sind nun an anderen Arla-Standorten in Sonthofen und Bad Wörishofen beschäftigt.

Birker glaubt, dass sich mit der Übernahme durch die Käsefreunde Kißlegg auch die Mentalität ändern wird. Schließlich stecke kein Großkonzern wie Arla dahinter, sondern zwei Familienunternehmen. Man wolle ein verlässlicher Partner für die Landwirte sein. Auch wenn die Rohstoffbeschaffung, sprich die Milchlieferung, Sache der AMK sein wird. Was den Schweizern auch wichtig ist: Das Allgäu habe ein ähnlich gutes Image für die Vermarktung von Käse wie die Schweiz.

Die Nachfrage nach Bio-Frischkäseprodukten sei so hoch, dass die Firma mit der Produktion kaum nachkomme. Für ein wenig Aufruhr bei Schweizer Milchbauern hatte die Nachricht gesorgt, dass die AG nach Süddeutschland expandiert. Züger erklärt, dass es zwischen Mai und September nicht genug Bio-Milch in der Schweiz gebe, weil die Kühe auf der Alp seien. Doch es gibt noch andere Gründe.

Jede Woche produziere die Firma 250 verschiedene Produkte, die in alle Welt exportiert werden. Für die Schweizer haben die Standorte im Allgäu und damit in der EU große Vorteile. So sei Kißlegg logistisch gesehen sehr gut gelegen. Zudem könne man innerhalb der Europäischen Union einfacher handeln. Auch die Lieferungen etwa nach Südkorea gingen nur aus der EU heraus. Doch auch die Schweiz, die kein Mitglied der EU ist, hat Vorteile. So kann Züger aus der Schweiz weiterhin ihre Produkte nach Russland exportieren, während für EU-Mitglieder ein Exportverbot nach Russland gilt.

„Wir wollen Kundenwünsche erfüllen“, sagt Markus Züger. „Die Leute wollen wissen, wo etwas herkommt und wer dahinter steht.“ Den Konsumenten spricht er durch ihr Einkaufsverhalten eine große Macht zu und kritisiert zugleich die „Geiz-ist-geil“-Mentalität. „Man kann nicht das Billigste kaufen und dann erwarten, dass damit in der Region Arbeitsplätze geschaffen werden.“

Konstruktive Lösungen finden

Seit Mai ist der Käseladen in Zaisenhofen wieder eröffnet, er wurde von der Bio-Käserei Wiggensbach (Landkreis Oberallgäu) gemietet. Im „s’Käslädle“ wird aber auch der Bio-Mozzarella der Firma Züger verkauft. „Wir sind daran interessiert, dass der Name Züger hier eingeführt wird“, erklärt Adolf Birker. Die Züger-Brüder sind froh darüber, so gut in Kißlegg aufgenommen worden zu sein. „Wir produzieren ja auch Lärm und Verkehr“, räumt Markus Züger ein. „Wir sind aber bemüht, konstruktive Lösungen zu finden.“

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