Neuer Kuhstall in Kißlegg: Familienbetrieb oder bereits Massentierhaltung?

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 Ist ein neuer Kuhstall in Kißlegg ein Familienbetrieb oder bereits Massentierhaltung? Darüber hat der Rat diskutiert.
Ist ein neuer Kuhstall in Kißlegg ein Familienbetrieb oder bereits Massentierhaltung? Darüber hat der Rat diskutiert. (Foto: Symbol: imago)
Paul Martin

Zwei Baugesuche hat der Kißlegger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung behandelt. In den beiden Fälle von privilegiertem Bauen im Außenbereich ging es um einen neuen Kuhstall. Im einen Fall nahmen sich die Räte etwa eineinhalb Minuten Zeit – im anderen mehr als eine halbe Stunde.

In Unterriedgarten möchte ein Landwirt einen neuen Milchviehstall bauen. Die Ausmaße haben es in sich: 76 Meter lang, knapp 40 Meter breit wird allein der Milchviehstall. Hinzu kommt ein neuer Kälberstall und ein neues Gärrestelager. „Das ist im Verhältnis zum Gebäudebestand beachtlich. Die Fläche geht knapp an einem Fußballfeld vorbei“, hält Bauamtsleiter Manfred Rommel vor Augen.

„Nur zum Nachteil der Anlieger“ ist dieses Vorhaben aus Sicht von Monika Dobler (SPD). Diese seien laut Dobler dem Gestank der bestehenden Biogasanlage und dem immer mehr werdenden Verkehr mit immer größer werdenden Gerätschaften hilflos ausgesetzt. Hubert Braun (GOL/ELK) sagte, diese Größenordnungen seien Industrie und nicht Landwirtschaft.

„Das ist ein konventioneller, aber kein industrieller Betrieb“, hielt Friedrich Rockhoff (CDU) dagegen. Es handele sich um einen erweiterten Familienbetrieb. „Wir haben Betriebe in ähnlicher Größe, die hervorragend von Familien betrieben werden“, so der Veterinär. Und: „Ich weigere mich, diese Höfe als Massentierhaltung zu bezeichnen.“ Die Größe des neuen Stalls biete schätzungsweise Platz für etwa 130 Kühe, sagte Bauamtsleiter Rommel. Allerdings wisse man nie, wie intensiv ein Landwirt seine Gebäude nutzt. Ställe können auch unterbelegt sein.

Rat kann nicht mitentscheiden

Nüchtern betrachtete Detlef Radke (FW) die Diskussion: „Einvernehmen können wir erteilen oder auch nicht. Das tut nichts zur Sache, ist eigentlich Zeitvergeudung.“ Tatsächlich stellte auch Rommel klar: „Im Außenbereich hat der Landwirt das Privileg, seine Tätigkeit auszuüben gegenüber denen, die nur wohnen ohne Landwirtschaft.“ Auch Ausgleichsmaßnahmen seien nicht nötig. „Die Frage, ob uns das gefällt oder nicht, stellt uns der Gesetzgeber nicht“, befand auch Bürgermeister Dieter Krattenmacher. Rommel warnte allerdings davor, das Einvernehmen nicht zu erteilen: „Wenn es dann vom Landratsamt nicht ersetzt wird und unsere Sorgen nicht als öffentliche Belange anerkannt werden, kann der Landwirt das Einvernehmen einklagen.“

Da die Mehrheit der Räte allerdings Bedenken hatte, wie sich das Anfahren des Hofs künftig auf die Gemeindestraße und die Bewohner von Unterriedgarten auswirkt, beschlossen die Räte, die Erteilung des Einvernehmens zurückzustellen. Sie wollen erst wieder darüber beraten, wenn eine Lösung für die Zufahrt des Hofes mit Schonung des Dorfs Unterriedgarten vorliegt.

Beim zweiten Stall, diesmal im Weiler Herrot, ging alles ganz schnell: Rommel erklärte, dass es baulich fast dasselbe sei, wie in Unterriedgarten, nur „eine ordentliche Nummer kleiner“. Die Breite des Kuhstalls beträgt hier 21 Meter und die Länge 57 Meter. Bei drei Enthaltungen wurde das gemeindliche Einvernehmen erteilt.

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