Neue Dorfmitte für Waltershofen

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Melanie Kräuter

Wie soll Waltershofen bis zum Jahr 2025 aussehen? Welche Bedürfnisse müssen erfüllt werden? Dies haben in den vergangenen sechs Monaten Unternehmensberater Wolfgang Frühschütz und Architektin Sylvia Elison-Keib in einer sogenannten Machbarkeitsstudie erarbeitet. Die Ergebnisse stellten sie am Mittwochabend in der Sitzung den Gemeinderäten und den zahlreichen Waltershofener Bürgern vor, die am Ende mehrfach applaudierten.

Bereits 2011 hatte der Gemeinderat entschieden, Ortsentwicklungskonzepte für Waltershofen und Immenried erstellen zu lassen. Eine Betrachtung der öffentlichen Gebäude brachte in Waltershofen das Ergebnis, dass es zu viele öffentliche Gebäude gibt, sie zum Teil unwirtschaftlich sind und die Bedürfnisse der Ortschaft nicht richtig abdecken.

So ist etwa die 1964 erbaute Grundschule noch für 100 Schüler ausgerichtet. Es wird aber im Moment und in der Zukunft nur Platz für rund 50 Schüler benötigt, ergaben Prognosen. Der Kindergarten ist dringend sanierungsbedürftig. Hier sei nur ein Neubau rentabel, der dann drei Gruppen haben sollte. Schon jetzt gibt es eine provisorische dritte Gruppe. Die Alte Schule ist nicht barrierefrei und deshalb nicht multifunktional nutzbar, heißt es in der Studie. Deswegen soll ein Dorfsaal gebaut werden.

Sylvia Elison-Keib und Wolfgang Frühschütz stellten in der Sitzung zwei leicht unterschiedliche Varianten der neuen Ortsmitte vor. In beiden Fällen ist vorgesehen, dass neben der Grundschule ein rund 170 Quadratmeter großer Dorfsaal entsteht. Dort können in Zukunft Konzerte, Theateraufführungen, aber auch Hochzeiten und Ortschaftsratssitzungen abgehalten werden.

Mit in die Grundschule soll dann die Ortsverwaltung ziehen. So könnten auch die Sekretariate von Schule und Ortsverwaltung zusammengelegt werden. Die kleine Turnhalle soll in beiden Varianten so bestehen bleiben.

Dorfsaal mit 170 Quadratmetern

Der Kindergarten ist in Variante A als zweigeschossiger Neubau vorgesehen, in Variante B als eingeschossiges Gebäude. In Variante A steht das Gebäude etwas abseits, in Variante B wird das Haus an den Komplex von Grundschule und Dorfplatz angedockt.

An der Oskar-Farny-Halle soll sich baulich nichts ändern, außer dass sie energetisch saniert wird. Bei der Halle entstehen vor allem in der Variante B deutlich mehr Parkplätze. Dadurch, dass der Kindergarten in Variante B Richtung Grundschule rückt, die Buswendeschleife aber vor der Farny-Halle bleibt, sei auch das jetzige Gefährdungspotenzial für Kinder deutlich geringer, erläuterte Frühschütz.

„In der zweiten Variante ist die Platzsituation konzentrierter“, erklärte die Architektin. Alle Gebäude würden über den Dorfplatz erschlossen. Dieser könnte sich auch noch auf die andere Seite der Merazhofer Straße erstrecken.

Sowohl der Ortschaftsrat wie auch der Gemeinderat stimmten für die kompaktere Variante B. Hier soll die Planung weiter verfolgt werden.

Insgesamt soll durch die Neuplanung rund 46 Quadratmeter an Fläche eingespart werden. So haben alle Gebäude – Schule, kleine Turnhalle, Kindergarten, Ortsverwaltung und das Multifunktionsgebäude (Dorfsaal) – eine Gesamtfläche von 2000 Quadratmetern. „Weniger Fläche, mehr Qualität“, so brachte es Wolfgang Frühschütz auf den Punkt.

Die beiden nicht mehr genutzten Gebäude Rathaus und Alte Schule sollen verkauft werden, um deren Erlöse mit in die Finanzierung einfließen zu lassen. Auf dem alten Dorfplatz könnte dann beispielsweise ein dreigeschossiger Wohnungsbau entstehen, schlug die Architektin vor. Der Kostenrahmen für die Variante B inklusive einer neuen Heizungszentrale wird auf insgesamt rund vier Millionen Euro geschätzt, sagte Frühschütz.

Nach Zuschüssen fragen

Nächste Woche fahren Ortsvorsteher Werner Bachmann und Bürgermeister Dieter Krattenmacher nach Tübingen, um abzuklären, welche Zuschüsse es für das Projekt geben könnte. Krattenmacher erinnerte auch an die Gleichbehandlung von Kißlegg und den Ortsteilen. „Ich glaube, der Dorfsaal wird zu einem wichtigen Veranstaltungssaal der ganzen Gemeinde werden“, sagte er. Auch ginge das Konzept nur auf, wenn die nicht mehr genutzten Gebäude wirklich verkauft würden.

Die Fraktionsvorsitzenden lobten die Entwürfe. Vor allem der Waltershofener Gemeinderat Bernhard Emmerich (FWV) bat seine Ratskollegen, das Projekt zu unterstützen. Der Verkehr werde entzerrt, Gefahren würden verringert und ein neues Ortsbild könne entstehen. „Es ist eine Investition für die Zukunft“, erklärte er.

Als Investition im Haushalt stehen werde das Projekt wohl erst ab dem Jahr 2021, hatte zuvor Kämmerer Roland Kant erläutert.

Bei einer Bürgerversammlung am Donnerstag, 30 März, um 19 Uhr im Probenlokal des Musikvereins Waltershofen wird das Konzept „Waltershofen 2025“ den Bürgern vorgestellt.

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