Nach Besuch des Petitionsausschusses zum Lärmschutz in Waltershofen: Chance für Tempolimit auf A 96 ist gering

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Roland Merk (Zweiter von rechts) berichtet beim Vor-Ort-Termin des Petitionsausschusses aus Stuttgart über die hohe Lärmbelästig (Foto: stiller)
Schwäbische Zeitung
Vera Stiller
Redakteurin

Sie fordern Lärmschutzmaßnahmen entlang der A96 auf Höhe von Sigrazhofen, Waltershofen und Riehlings und haben gute Gründe dafür. „Mein Schlafzimmerfenster liegt genau in Richtung Autobahn. Wenn da in der Nacht einer mit 200 entlang braust, dann wirft es mich fast aus dem Bett raus“, sagt Yvonne Wassermann, die zusammen mit drei Gleichgesinnten den Petitionsausschuss des Landtags angerufen hatte. Bei der Ortsbesichtigung am Freitag verdeutlichte sie: „Man hat uns damals zugesichert, dass es mit dem Lärm besser würde, aber genau das Gegenteil ist eingetreten!“

Ähnlich geht es Roland Merk, der in Riehlings wohnt und es vor allem am Sonntagabend, „wenn die LKWs wieder starten dürfen“, kaum im und noch weniger außerhalb des Hauses aushält. „Ich schlafe nur mit Ohrstöpseln“, sagte Merk und hielt vor Augen: „Man hat uns zwar eine Lüftungsanlage eingebaut, aber die ist so ohrenbetäubend, dass ich lieber den Autolärm ertrage.“ Außerdem trage das Stück Wald vor seinem Anwesen nur wenig zur Lärmberuhigung bei, was ihm zu allem auch noch Sorge um den Wert seiner Immobilie bereite.

Mit „Es ist die Stunde der Petenten“ ermunterte der Landtagsabgeordnete Manfred Lucha (Bündnis90/Die Grünen) die Kißlegger, auch bei der Anhörung im Waltershofener Dorfgemeinschaftshaus von ihrem Rederecht Gebrauch zu machen. Das tat dann Armin Kohler anhand einer Powerpoint-Präsentation. Verkehrszahlen und die Ergebnisse von Schallpegelmessungen eines Ingenieurbüros wie eigene vorgenommene Messungen sollten belegen, dass die von der Bundesbehörde in dieser Frage aufgezeigten Prognosen und Hochrechnungen Schwachstellen aufweisen oder nicht haltbar sind.

Dem musste Michael Dätsch, Baudirektor im Ministerium für Verkehr und Infrastruktur in Stuttgart, trotz „allerhöchstem Verständnis für die Petenten“ widersprechen. „Der Bund muss als Baulastträger Maßnahmen zur Lärmvorsorge treffen. Legt man nun die Ermittlungen zugrunde, dann muss für Waltershofen und Umgebung gesagt werden, dass das Gesetz erfüllt wurde.“

Dätsch belegte seine Aussage mit Zahlen. So habe zwar der tägliche Verkehr eine andere Entwicklung genommen und sei bereits 2010 um rund 1000 Fahrzeuge über der Annahme gelegen, jedoch sei für die Lärmemission das LKW-Aufkommen maßgeblich. Das liege sowohl bei Tag als auch bei Nacht unter den Auslösewerten – und wird es laut Dätsch auch noch im Jahr 2020 tun. Erst wenn eine Steigerung des Pegels über 2,1 Dezibel pro Jahr erreicht werde, könne ein Anspruch auf zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen geltend gemacht werden.

„Wir haben Spitzen, die nicht berücksichtigt werden“, ereiferte sich Roland Merk. Und er gab bekannt, dass er sich, sofern die Forderung nach einem Tempolimit nicht erfüllt werde, an die Europäische Lärmschutzkommission wenden werde. Im Hinblick auf die verlangten Geschwindigkeitsbegrenzungen für Tag und Nacht (PKWs: 120/100 km/h, LKWs: 80/60 km/h) ließ Michael Dätsch wissen: „Das geht nur, wenn beispielsweise eine Gesundheitsgefährdung vorliegt. Da müssen Werte von 70 beziehungsweise 60 Dezibel erreicht werden. Wir liegen hier aber deutlich darunter.“

Nachdem Bürgermeister Dieter Krattenmacher seiner Enttäuschung über das nicht eingehaltene Versprechen nach einem Mehr an Lebensqualität für die Bürger Luft gemacht und den Appell an die Verantwortlichen mit den Worten „Jetzt wollen wir nicht allein gelassen werden“ gerichtet hatte, fasste Manfred Lucha zusammen: „Wir haben den Leidensdruck der betroffenen Menschen erkannt und werden schauen, was das Land hier tun kann. Der Termin hat gezeigt, dass weder die Richtlinien für den Verbraucher noch für den Gesundheitsschutz zeitgemäß sind.“

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