„Mehr als ein klingender Resonanzkasten“

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Nach elf Jahren Pause hat der Musikverein nun wieder ein Kirchenkonzert gegeben – und sein Publikum begeistert.
Nach elf Jahren Pause hat der Musikverein nun wieder ein Kirchenkonzert gegeben – und sein Publikum begeistert. (Foto: Paul Martin)
Paul Martin

In Festbeleuchtung ist am Sonntagabend die Pfarrkirche Sankt Gallus und Ulrich in Kißlegg erstrahlt. Ein besonderer Gottesdienst stand aber nicht an, vielmehr ein „Hochfest der Blasmusik“. Beim ersten Kirchenkonzert seit elf Jahren begeisterte der Musikverein sein Publikum und erntete mächtig Applaus.

„Locus iste a Deo factus est“ („Dieser Ort ist von Gott geschaffen“) von Anton Bruckner eröffnete das Konzert machte auf den sakralen Raum aufmerksam, in dem es gespielt wurde. Den Gedanken des Stücks griff auch Pfarrer Robert Härtel in seiner kurzen Ansprache auf und verwies darauf, dass eine Kirche mehr sei als ein „klingender Resonanzkasten“.

Zum zweiten Stück, der kleinen Fuge in g-Moll von Johann Sebastian Bach, bemerkte Dirigent Thomas Räth: „Eine Fuge ist das gemeinste, was es in der Musik gibt, dennoch ist diese kleine Fuge für uns eine großartige Fuge.“ Gekonnt hat der Musikverein mit der „kleinen“ Fuge den großen Kirchenraum gefüllt. Nach „Hebe deine Augen auf“, entnommen aus Felix Mendelssohn-Bartholdys Oratorium „Elias“ und Anton Bruckners „Inveni David“, präsentierte die Kapelle ein Stück, dessen Aktualität in der Konzertvorbereitung wohl noch nicht abzuschätzen war: „Et in Terra Pax“ (Und Frieden auf Erden) von Jan van der Roost.

„In einer Zeit, in der die Kriegsgefahr zu wachsen scheint, kann dieses Stück ein dringlicher Aufruf zum Weltfrieden sein“, kommentierte Pfarrer Härtel. In der Musik hörte man das Elend von Krieg und Gewalt deutlich heraus. „Am Ende macht jedoch die anfängliche Spannung der Hoffnung Plantz“, so Dirigent Räth. Seine ganze Wirkung entfaltete das Stück immer dann, wenn von einem Teil der Musiker die lateinische Friedensbitte „Et in Terra Pax“ über die Musik gesprochen beziehungsweise gesungen wurde. Dass man sich als Zuhörer eben nicht in einem Konzerthaus, sondern in einem Gotteshaus befindet, wurde an diesen Stellen besonders deutlich. Weniger sakral aber nicht minder eindrucksvoll trug der Musikverein „The Seal Lullaby“ vor. Jenes Wiegenlied, das einst Eric Whitacre für einen Disney-Film geschrieben wurde und dort nie zum Einsatz kam.

Für das Finale hatte sich Dirigent Thomas Räth ein Stück ausgesucht, das wie gemacht für die barocke Kißlegger Pfarrkirche schien: In Crossbeed spielt der Komponist Thiemo Kraas in mannigfacher Weise mit dem Motiv „Segne du Maria“ und überrascht zwischendurch unter anderem mit einem geradezu fetzigen Part, der beinahe zum Mitschnipsen anregt. Das Stück schließt mit einem derart raumfüllenden Klang, dass das Kißlegger Publikum nicht nur zum Applaudieren animiert, sondern von den Kirchenbänken gerissen wurde und dem Musikverein so die verdienten stehenden Ovationen bescherte.

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