„Löwen“, „Adler“ und Zeller See im Fokus

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 Der Zeller See soll im Konzept für die Ortskernsanierung berücksichtigt werden.
Der Zeller See soll im Konzept für die Ortskernsanierung berücksichtigt werden. (Foto: Rothäusler)

In den vergangenen Jahren hat sich der Ortskern von Kißlegg stark verändert. Aufgabe von Geschäften, Baulücken und Strukturwandel prägen das Bild von Herren- und Schlossstraße. Eine Studie und Bedarfsplanung soll nun „Bausteine einer städtebaulichen und baulichen Entwicklung in Kißlegg“ voranbringen. Der Gemeinderat hat am Mittwochabend beschlossen, eine solche Bedarfs- und Entwicklungsstudie an das Ravensburger Büro Elwert&Stottele zu vergeben. Im Fokus sollen dabei die Entwicklung des „Löwen“, des „Adlers“ und der Baulücke am Zeller See stehen.

Die Firma Allgäu Baupartner hatte Ende März vom Gemeinderat die Genehmigung erhalten, vier Wohnhäuser mit insgesamt 20 Wohnheinheiten und einer Tiefgarage am bisher unbebauten Teil der Kirchmoosstraße Richtung Zeller See zu errichten. Inzwischen habe sich herausgestellt, dass der Bau einer Tiefgarage zu teuer sei, stellte Krattenmacher vor. Der Bauträger habe darum zunächst den Bauantrag für zunächst zwei der geplanten Häuser gestellt, ohne Tiefgarage, dafür mit Stellflächen rund um die Gebäude. Diesen Bauantrag hat der Gemeinderat aus mehreren Gründen einstimmig abgelehnt.

Zum einen verändert der Verzicht der Tiefgarage das Baukonzept grundlegend, wie es in den Sitzungsvorlagen heißt. Die genehmigte Version habe den Vorteil gehabt, dass weniger Fläche am Zeller See hätte versiegelt werden müssen. Ein weiterer Grund sei die nun geplante Verbindung der beiden Häuser mit einem Mittelbau und seitlichen Doppelgaragen. Das entspräche einem 54 Meter langen Gebäude, welches sich laut Sitzungsvorlagen negativ auf die Seeansicht auswirken würde. Außerdem gebe es bisher keine konkrete Planung dafür, wie es mit dem restlichen Grundstück weitergehen soll.

Areal kommt nicht voran

„Das Areal kommt nicht voran“, sagte Bauamtsleiter Manfred Rommel. Noch deutlicher drückte es Bürgermeister Dieter Krattenmacher aus: „Wir sind angefressen. Der Bauträger hat den Weg des Konsenses verlassen. Wir wollen nun ein Signal setzen.“ Denkbar sei nun, die Fläche auch in das Konzept der Ortskernsanierung einzubinden.

Das Grundstück sei so wertvoll, das dürfe man nicht einfach verplanen, sagte Wolff Stottele vom Architekten- und Ingenieursbüro. „Sie haben Verantwortung gezeigt und den Bauantrag abgelehnt“, richtete er sich an die Gemeinderäte. Das Büro hätte dem Bauträger vorgeschlagen, einen gemeinsam Plan für die Fläche zu entwickeln, das sei allerdings abgelehnt worden.

Was passiert mit Löwen und Adler?

Das Sanierungskonzept soll nun vor allem die künftige Nutzung der ehemaligen Gasthöfe Löwen und Adler untersuchen. „Wir wollen den Ort verstehen, historische Spuren suchen und dann eine Alterskartierung vornehmen sowie ein Modell bauen“, erklärte Ulrich Elwert das Vorgehen des beauftragten Büros. Ein skizzenhafter Plan für die Gebäude soll am Ende herauskommen. Beim Löwen sowie beim Adler gehe es darum, zu verstehen, wie sie ins Ortsbild passen und welcher Nutzen am besten funktionieren würde, sowie welcher Bedarf in Kißlegg überhaupt besteht. „In der Herrenstraße fehlt derzeit zum Beispiel die Akzeptanz dort auch zu wohnen“, sagte Stottele. Das habe er auch bemerkt, wandte Bürgermeister Krattenmacher ein. Immer weniger Leute würden gezielt in den Ortskern kommen. „Das muss sich ändern. Das ist eine Aufgabe für uns alle“, so Krattenmacher.

Der Wunsch, den ehemaligen Edeka-Markt in der Schlossstraße ebenfalls ins Sanierungskonzept mit einzubeziehen, kam bei einigen Gemeinderäten auf. Dies sei allerdings auf der Prioritätenliste nicht ganz vorne, antwortete Krattenmacher: „Adler, Löwen und Zeller See brennen momentan. Beim ehemaligen Edeka haben wir noch die zarte Hoffnung, eine Nutzung in das bestehende Gebäude holen zu können.“

Für die Entwicklung des Ortskerns erstellte die Gemeindeverwaltung im Oktober 2013 eine Grobanalyse zur Ausweisung eines Sanierungsgebiets. Als Ergänzung dazu soll nun das Architektenbüro eine Studie und Bedarfsplanung erstellen. Eine, laut Sitzungsvorlage vorsichtige, Kostenschätzung für diese Arbeit liegt zwischen 20 000 und 25 000 Euro.

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