Klimawandel ist auch im Allgäu schon Realität

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Ministerin Tanja Gönner (links) freute sich über Käsekorb und Blumen, die ihr Käsekönigin Mona Weber und Vorstand Waldemar Weste
Ministerin Tanja Gönner (links) freute sich über Käsekorb und Blumen, die ihr Käsekönigin Mona Weber und Vorstand Waldemar Weste
Redaktionsleiter

Klimawandel, das erneuerbare Energiengesetz und die Laufzeitenverlängerung bei der Kernkraft waren Themen, auf die Ministerin Tanja Gönner bei der Versammlung des Maschinenrings Württembergisches Allgäu einging. Sie musste sich einigen kritischen Fragen der Landwirte stellen.

Nach dem vergangenen Winter würde mancher am Klimawandel zweifeln, sagte Ministerin Gönner. Sie versicherte aber, dass trotz aufgetretener Fehler der Klimawandel gut erforscht sei und keineswegs nur Theorie von Professoren. Ein Temperaturanstieg sei in Baden-Württemberg schon genauso Realität wie neue Tierkrankheiten (Blauzungenkrankheit) und neue Schädlinge. 13 Prozent der in einem Jahr erzeugten Treibhausgase gehen auf die Landwirtschaft zurück, so die Ministerin. Hohe Emissionen verursachen beispielsweise die Entwässerung von Mooren, sie prangerte aber auch lange Transporte bei der Nutzung von Biomasse an: „Regionale Wertschöpfung sollte auch regional sein.“ Das EEG (erneuerbare Energien-Gesetz) sei ein Erfolgsmodell, betonte sie, weil es Landwirten ein zweites Standbein ermögliche und dazu beigetragen habe, dass erneuerbare Energien marktfähig wurden. Die Flächenkonkurrenz, die auch bei der anschließenden Diskussion ein Thema war, sei aber nicht zu leugnen. Es gebe die Gefahr, „dass der Wettbewerb nicht fair ist und das EEG pachttreibend wirkt.“ Beifall erhielt ein Landwirt, der monierte, dass Konzerne sich bei Fotovoltaik und Biogas in die Fläche einkauften, um sich so CO2-Zertifikate zu sichern. Gönner gab zu, der Emissionshandel sei noch nicht optimal verzahnt mit dem EEG, es werde aber gerade daran gearbeitet. Ein Biogasanlagenbetreiber, der Anlieger mit Wärme versorgt, fürchtet, das E-Werk könnte ihm bei Überkapazität im Netz seine Anlage abschalten. Wenn er seine Wärmeabnehmer deswegen nicht beliefern könne, nütze ihm die Erstattung des entgangenen Stromertrags wenig. Gönner beruhigte, dass Biogas eher nicht abgeschaltet werde, das komme vielmehr für Fotovoltaik und Windkraft infrage. Die Zahl der mit Palmöl laufenden Blockheizkraftwerke sei schon reduziert worden, beantwortete Gönner eine andere Frage. „Die Nachhaltigkeit ist ins EEG neu aufgenommen worden“, erklärte sie. Sie teile auch die Einschätzung, dass wegen des Grundwassers und der Landschaft gerade im Allgäu der Maisanbau für Biogasanlagen kritisch gesehen werden müsste. Der Nachwachsende-Rohstoffe-Bonus habe leider dazu geführt, dass verstärkt Mais statt Gülle verwendet wird, „wir müssen die Klimabilanz beim Maisanbau betrachten.“ Ackerflächen würden aus der zukünftigen Förderung bei Photovoltaikanlagen herausgenommen, antwortete sie Westermayer, der dies für sinnvoller hielte. Auch Atomkraft war Thema bei der Versammlung. „Umweltfreundlichkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit“, seien die Aspekte, die bei der Diskussion über eine Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken abgewogen werden müssten. Die abgeschöpften Erträge sollten nach Gönners Ansicht in die Erforschung von Speichermöglichkeiten bei erneuerbaren Energien fließen. „Es gibt aber noch keine Festlegung auf Laufzeitenverlängerung“, erklärte die Ministerin.

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