Kißlegg eröffnet Ausstellung „Malerinnen des Expressiven Realismus“

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 Werke von großartigen Frauen aus der Sammlung von Joseph Hierling (im Bild rechts, neben Kunsthistorikerin Ingrid von der Dolle
Werke von großartigen Frauen aus der Sammlung von Joseph Hierling (im Bild rechts, neben Kunsthistorikerin Ingrid von der Dollen) werden bis September unter dem Titel „Malerinnen des Expressiven Realismus“ im Neuen Schloss Kisslegg gezeigt. (Foto: Tine Steinhauser)
Tine Steinhauser

Weit mehr als 100 Kunstinteressierte sind der Einladung der Gemeinde Kisslegg zur Vernissage der Ausstellung „Malerinnen des Expressiven Realismus“ am Sonntagvormittag im Neuen Schloss in Kisslegg gefolgt.

Unter dem Untertitel „Bildkunst der verschollenen Generation“ sind zahlreiche beeindruckende Exponate von Künstlerinnen, die um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert zur Welt kamen, zu sehen.

Bürgermeister Dieter Krattenmacher begrüßte nicht nur das interessierte Publikum, sondern auch den Tutzinger Kunstsammler Joseph Hierling und die Kunsthistorikerin Ingrid von der Dollen. „Dies ist der Tag der starken Frauen“, sagte Krattenmacher und bezog sich nicht nur auf die ausgestellten Malerinnen, sondern auch auf die drei jungen anwesenden Nachwuchsgitarristinnen Chiara Wetzel, Priska Keller und Larissa Ziegler. Diese umrahmten die Ausstellungseröffnung musikalisch.

„15 Jahre nach dem Auszug des Museums Expressiver Realismus ist diese Ausstellung als ein Wiedersehen mit der Kunstrichtung zu betrachten. Gleichzeitig haben wir den 100-jährigen Geburtstag des Frauenwahlrechts und die bevorstehende Kommunalwahl zum Anlass genommen, um eine Ausstellung mit dieser Thematik zu präsentieren“, sagte der Kisslegger Bürgermeister.

Zugleich lobte er das Engagement Hierlings: „Was wäre die Kunstwelt ohne Menschen, die leidenschaftlich Kunstwerke sammelten und bewahrten, oft wider jegliche Vernunft?“ Joseph Hierling wiederum dankte der Gemeinde Kisslegg für die hervorragende Kooperation und die Unterstützung, die er durch Eva Sauter, Kathrin von Polenz und Erika Sigrüner bei der Organisation der Ausstellung erfahren habe.

Im Jubiläumsjahr der Frauen

Die Kunsthistorikerin Ingrid von der Dollen setzte die Ausstellung im Anschluss in den geschichtlichen Kontext. „Wir befinden uns im Jubiläumsjahr der Frauen. Nachdem im Jahr 1919 in der Weimarer Verfassung nicht nur das Frauenwahlrecht festgesetzt wurde, sondern auch die Kunstakademien für weibliche Künstlerinnen geöffnet wurden, kam endlich die Kreativität der Frauen zur Geltung“.

Die 1920er- und 30er-Jahre seien ein ‚goldenes Zeitalter‘ für die Selbständigkeit der Frau und weibliche Kunstschaffende gewesen. Kunstwerke von Frauen stünden immer eng mit dem Frauenbild einer Gesellschaft in Zusammenhang. Das habe sich in der Periode der vergangenen 120 Jahre mehrmals geändert.

Ein halbes Jahrhundert Schweigen

Der Nationalsozialismus hätte die Kontinuität der Selbstständigkeit der Frau jäh unterbrochen. Und auch im Westen des Nachkriegsdeutschlands wäre bis zu den Emanzipationsbestrebungen in den 1970er-Jahren ein Bild von der brav dienenden Hausfrau gezeichnet worden. „Das bedeutet: Ein halbes Jahrhundert Schweigen der weiblichen Kunstschaffenden“, fügte von der Dollen hinzu.

Umso wertvoller sind die großartigen Werke, die nun im Neuen Schloss in Kisslegg noch bis Ende September zu sehen sind.

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