Jugendliche „überfallen“ Zeltlager: Jetzt gibt es Streit um den Polizeibericht

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 Die Aufregung um einen inszenierten „Überfall“ auf das Zeltlager hat sich gelegt. Die Kinder spielen und toben im Ministrantenz
Die Aufregung um einen inszenierten „Überfall“ auf das Zeltlager hat sich gelegt. Die Kinder spielen und toben im Ministrantenzeltlager. (Foto: Paul Martin)
Schwäbische Zeitung

„Im Polizeibericht stimmt gar nichts, außer der Ort.“ Mit diesen Worten richtet sich Paul Martin, Mitglied des Arbeitskreises Ministrantenzeltlager der katholischen Kirchengemeinde Kißlegg, an die Polizei. Diese hatte zuvor über einen vermeintlichen „Überfall“ von Betreuern auf ein Zeltlager zwischen Kißlegg und Argenbühl berichtet. Das sei komplett anders verlaufen, hält das Organisationsteam des Zeltlagers nun dagegen.

In der Nacht zu Donnerstag meldete eine Urlauberin einen Überfall einer etwa 20-köpfigen Personengruppe bei der Polizei. Diese rückten mit mehreren Streifenwagen an. Laut erstem Polizeibericht habe das Organisationsteam das Lager überfallen wollen und habe dabei das Zeltlager mit einem Wohnwagenlager in der Nähe verwechselt. Das stimme so nicht, heißt es im Schreiben der Betreuer an die Polizei, das der „Schwäbischen Zeitung“ vorliegt.

 Beim Lagerfeuer machen es sich die Kinder des Zeltlagers zwischen Kißlegg und Argenbühl gemütlich.
Beim Lagerfeuer machen es sich die Kinder des Zeltlagers zwischen Kißlegg und Argenbühl gemütlich. (Foto: Paul Martin)

Ein inszenierter „Überfall“ auf ein Zeltlager sei Tradition im Allgäu, schreibt Paul Martin weiter. Doch würde das Organisationsteam, wie im ersten Polizeibericht fälschlicherweise genannt, niemals an so einer Aktion teilnehmen und die Kinder im Lager alleine lassen. „Uns derart unverantwortlich, inkompetent und obendrein noch dämlich darzustellen, ist nicht hinzunehmen“, schreibt Paul Martin im Namen des Organisationsteams.

Stattdessen würden Jugendliche aus dem Ort, Bekannte der Betreuer oder auch manchmal Eltern einen inszenierten Überfall organisieren. Diese würden stets gleich ablaufen: Mitten auf dem Lagerplatz steht eine Holzstange mit der Jahresfahne. Diese – und nur diese – zu erobern, sei das Ziel der Überfallenden. Wer den Streich plant, meldet sich zuvor beim Orga-Team des jeweiligen Zeltlagers an.

Das sei auch bei ihnen der Fall gewesen, erklärt Paul Martin. Die Jugendlichen, die das Zeltlager „überfallen“ wollten, hätten sich demnach für einen Treffpunkt an einer Straßenkreuzung verabredet, in deren Nähe das Wohnwagenlager war. Das Herumstehen und Warten auf weitere Streiche-Spieler kam den Familien im Camp wohl verdächtig vor. Vielleicht hätten sie an einen bevorstehenden, ernst gemeinten Überfall auf sie selbst geglaubt, vermutet das Betreuer-Team. Am Ende hätten wohl beide Seiten die Polizei gerufen, die daraufhin mit mehreren Streifenwagen gekommen sei und das Missverständnis schließlich habe aufklären können.

Wie es zu einem falschen Bericht der Polizei kommen konnte, sei dem Organisationsteam des Zeltlagers unverständlich

Polizei räumt Missverständnis ein

Die Polizei räumte in einer neuen Pressemitteilung am Freitagmittag ein, dass die Beteiligung des Orga-Teams am geplanten „Überfall“ fälschlicherweise genannt wurde. Trotzdem sei der Notruf in der Nach zurecht ernst genommen worden „Weder die betroffenen Urlauber im benachbarten Wohnwagenlager noch eine Organisationseinheit des Polizeipräsidiums Konstanz waren im Vorfeld über die beabsichtigte ,Überfall’-Aktion unterrichtet worden“, schreibt ein Sprecher der Polizei. Deshalb seien sämtliche im näheren Bereich verfügbaren Streifenwagenbesatzungen eingesetzt worden.

Tradition der Polizei unbekannt

Die Jugendlichen, die diesen „Überfall“ inszenierten, seien offensichtlich nicht über die richtige Adresse ihrer Aktion instruiert worden, wodurch sich Unbeteiligte in der Nachtruhe gestört fühlten und schwere Ausschreitungen befürchteten, schreibt der Polizeisprecher weiter. Der Verfasser der ersten Meldung habe außerdem nichts von der Tradition der Zeltlager-Überfälle gewusst.

„Das Betreuer-Team ist auf jeden Fall entsetzt gewesen über die Darstellung, wir würden uns an einer solchen Aktion beteiligen und die Kinder in der Nacht alleine lassen“, sagt Paul Martin. Die 90 Kinder hätten von dem, auch medialen, Trubel kaum etwas mitbekommen. Sie seien alle wohlauf und hätten eine schöne Zeit im Zeltlager gehabt.

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