Irische Freude und Seehund-Wiegenlied

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 Thomas Räth dirigiert zum Konzertabschluss beide Musikkapellen
Thomas Räth dirigiert zum Konzertabschluss beide Musikkapellen (Foto: Christine Hofer-Runst)
Christine Hofer-Runst

Zu einem rundum perfekten Herbstkonzert hatten der Musikverein Kißlegg und das Jugendblasorchester in die Turn- und Festhalle eingeladen. Albert Schwarz, ein Vertreter des Vorstandsteams, begrüßte neben Bürgermeister Dieter Krattenmacher weitere Ehrengäste und Vertreter umliegender Vereine.

Schon die ersten Töne der Jugendkapelle unter der Leitung von Christoph Dürr ließen aufhorchen. Bei der „Kilkenny Rhapsody“ des irischen Komponisten Kees Vlak vertonten die Musiker den Ausdruck der irischen Lebensfreude. Ganz starke Flöten und Klarinetten schufen den Sound der Insel, die Tonalität wechselte zwischen sanften Balladenpassagen und spannungsreichem Foritissimo. Neben wunderbar melodischen Klängen ergänzten die Schlagwerker das Stück mit anspruchsvollen Akzenten.

Ungewöhnliches Arrangement

Ein ungewöhnliches Arrangement für Klavier und Blasorchester präsentierten die Jugendlichen mit „The Seal Lullaby“, einem Wiegenlied für ein Seehundbaby. Neben vielen Dichtungen und Reibungen, die das Werk von Eric Whitacre zu bieten hatte, blieb der sanfte Grundton für die Zuhörer immer spürbar. Mit einem ganz starken und souveränen Solopart am Piano setzte Melanie Bischofberger einen nachhaltigen Akzent.

Wie gut die Stimmung und der Zusammenhalt im Jugendblasorchester ist, zeigte sich im Jahresrückblick. Mit amüsanten Plaudereien über Ereignisse aus der Probenarbeit und einem Dankeschön an den Dirigenten spielten die Jugendlichen ihr letztes Stück. Ob der Titel „How to Train Your Dragon“ dabei ein Resümee des humorvollen Schlagabtauschs war, blieb offen.

Nach einer kurzen Pause startete der Musikverein Kißlegg unter der Leitung von Thomas Räth in den zweiten Konzertteil. Barocke Klänge von Georg Friedrich Händel kündigten die „Königin von Saba“ an. Der Dirigent wählte für den gesamten Auftritt seiner Musiker Geschichten aus. Der Untergang von „Carthago“ zum Beispiel, oder populäre Passagen aus dem französischen Musical „Les Miserables“.

Wahre Meisterleistung der Musiker

Die absolute Höchstschwierigkeit präsentierte der Musikverein mit der Intonierung der versunkenen Stadt. „The Sunken Village“ von Philip Sparke fordert die einzelnen Register. Während ein Teil muntere Blasmusik spielte, agierte das tiefe Blech mit ermahnenden Tönen in einem völlig differenten Takt-, Rhythmus- und Melodienkomplex. Dank der exzellenten Umsetzung und des herausragenden Dirigats von Thomas Räth trafen die einzelnen Instrumente wieder punktgenau aufeinander – eine wahre Meisterleistung der Musiker und ein absoluter Hörgenuss für das Publikum.

Zum Abschluss wurde es eng auf der Bühne. Insgesamt rund 120 Akteure erfüllten den Zuhörerwunsch nach einer Zugabe. Beide Kapellen spielten gemeinsam den „Militärmarsch“ und beendeten ein hochklassiges Herbstkonzert. Neben den musikalischen Leckerbissen lockerte die charmante und dennoch humorvolle Moderation von Johannes Würzer und Christoph Dürr die Atmosphäre wohltuend auf.

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