In Kißlegg soll neues Bauland entstehen

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 Kißleggs nächste Erweiterung: Gibt der Gemeinderat grünes Licht, soll hier das Wohngebiet Tannenstock entstehen.
Kißleggs nächste Erweiterung: Gibt der Gemeinderat grünes Licht, soll hier das Wohngebiet Tannenstock entstehen. (Foto: Paul Martin)
Paul Martin

An der Ostumfahrung von Kißlegg soll Wohnraum entstehen. Die Umgehungsstraße gibt es zwar (noch) nicht, die Pläne für den Lückenschluss zwischen der Siedlung „Blumenäcker“ und der geplanten Trasse liegen nun aber auf dem Tisch. Grundlage dafür ist ein Deal mit einer Immobilienfirma. Tannenstock heißt das neue Baugebiet. Der historische Flurname bezieht sich auf Flächen, die sich – wenn man Kißlegg über die Emmelhoferstraße verlässt – rechts der Kreisstraße befinden. Der Gemeinderat wird über die Aufstellung eines Bebauungsplans in seiner nächsten Sitzung beraten.

Gibt der Gemeinderat grünes Licht für die private Erschließung der 2,7 Hektar Bauland, erhält die Gemeinde im Gegenzug Flächen für die geplante Ortsumfahrung, die Sanierung einer Wasserleitung und eines stillgelegten Spielplatzes, sowie zwei Grundstücke. „Wir bekommen Land, ein bisschen Vermögen und ein bisschen Infrastruktur“, fasst Kißleggs Bürgermeister Dieter Krattenmacher die Vorteile zusammen, die er in einer Erschließung des Tannenstocks sieht.

Hintergrund: Die Fläche auf denen Baugebiet und Umgehungsstraße entstehen sollen, gehören der Firma Gaschler aus Wohmbrechts. Die Gemeindeverwaltung schlägt dem Rat vor, die Wiesen zwischen der geplanten Ostumfahrung und der Blumenäcker-Siedlung als Neubaugebiet auszuweisen und dieses privat – sprich von der Firma Gaschler – erschließen zulassen. Diese würde der Gemeinde im Gegenzug unter anderem Flächen von über 31 000 Quadratmetern zum Bau der Umfahrung übertragen. Das entspricht etwa einem Drittel der insgesamt für die Ostumfahrung benötigten Flächen – ein Viertel sei laut Krattenmacher bereits im Gemeindebesitz. Geht es nach der Verwaltung, so muss der Eigentümer Gaschler einige Verpflichtungen für die Erschließung in Kauf nehmen. Beispielsweise sollen die Bauplatz-Vergabekriterien der Gemeinde bei, wie es in der Vorlage heißt, „einem Großteil der Flächen“ angewandt werden. Wie „ein Großteil“ genau definiert wird, ist noch nicht klar, erklärt Krattenmacher. Die Nachfrage nach Bauland sei in der Kißlegger Bevölkerung wie überall in der Region hoch. Es hänge davon ab, wie gebaut werde. Er wünscht sich nicht nur Einfamilienhäuser, so Krattenmacher. Aber: „Bei Geschosswohnungsbau sind unsere Kriterien schwer anwendbar.“ Die Anzahl der Bauplätze steht noch nicht fest. Der „ruhende“ Spielplatz am Fliederweg soll auf Kosten Gaschlers reaktiviert werden. Zwei sich direkt an den Spielplatz anschließende Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 1300 Quadratmetern sollen zudem ins Gemeindeeigentum übergehen. Was aus diesen wird, ist noch offen, erklärt Krattenmacher. „Schließlich sind wir noch ganz am Anfang der Planungen.“

Auflage für Klimaschutz

Eine weitere Auflage: Gaschler soll ein Konzept für ein „klimafreundliches oder -neutrales Neubaugebiet“ entwickeln. Außerdem soll die in der Vorlage als „sanierungsbedürftig“ beschriebene Hauptwasserleitung vom Hochbehälter Spitzbühl im entsprechenden Bereich neu verlegt werden.

Nicht nur der Investor, auch die Gemeinde geht, wenn die Räte der Vorlage zustimmen, gewisse Verpflichtungen ein: Auf den Verkauf der letzten kommunalen Baulandreserven, den Bauplätzen im Bereich Becherhalde III, soll für zwei Jahre ab der Erschließung des Tannenstocks verzichtet werden. Mit den restlichen Plätzen in der Becherhalde „schonend umzugehen“, habe sich laut Krattenmacher schon länger als Anliegen vieler Gemeinderäte abgezeichnet.

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