Hospizgruppe leistete 4741 Stunden ehrenamtliche Begleitung

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 Matthias und Doris Dörrer (links) liegt die Zukunft der Hospizgruppe Kißlegg am Herzen. Sabine Kempter (Zweite von rechts) läss
Matthias und Doris Dörrer (links) liegt die Zukunft der Hospizgruppe Kißlegg am Herzen. Sabine Kempter (Zweite von rechts) lässt sich derzeit als Koordinatorin ausbilden. Birgit Bolkart wurde einstimmig zur Beisitzerin gewählt. (Foto: Susi Weber)
Redaktionssekretariat

Auch, wenn es bei der Mitgliederversammlung der Hospizgruppe Kißlegg am Mittwochabend im evangelischen Gemeindehaus um die Geschehnisse des vergangenen Jahres gegangen ist, so stand doch auch die Zukunft des 222 Mitglieder großen Vereins im Blickpunkt. Mit Sabine Kempter lässt sich derzeit eine schon im ehrenamtlichen Einsatz der Gruppe Tätigen zur (neuen) Koordinatorin ausbilden. Und mit Birgit Bolkart rückt eine 37-Jährige Kißleggerin als Beisitzerin in den Vorstand nach – als Nachfolgerin der ausgeschiedenen Jeanette Krimmer.

Es sind beeindruckende Zahlen, die Matthias Dörrer, Vorsitzender der Hospizgruppe Kißlegg, den rund 60 Mitglieder präsentieren konnte: „4741 Stunden Begleitung, ohne Einsatz der Hauptamtlichen, ohne Trauerarbeit, Fahrten zu den Einsätzen, Fortbildung, Unterstützung bei Patientenverfügung und Vollmacht sowie Schulungen.“ Hinzu kamen, jeweils elf Mal, das Trauercafé und die „Und wir leben weiter“-Gruppe, andere Gruppentreffen, Austausch und Supervision, ein Abschiedsgottesdienst für alle 2018 Verstorbenen, Vorstandssitzungen, Treffen auf überregionaler Ebene, Pfarreifest, Weihnachtsmarkt und und und. „Sie sehen, wie abwechslungsreich das vergangene Jahr wieder war“, sagte Dörrer. Er erinnerte auch an den gemeinsamen Wunsch, schwerkranken und sterbenden Menschen bis zum letzten Tag ein würdevolles Leben zu ermöglichen: „Es ist wichtig zu wissen, dass am Lebensende es Menschen und Orte gibt, die dem Leben verbunden sind.“

Altersdurchschnitt der Betreuten lag bei 86 Jahren

Die Statistik bediente auch Koordinatorin Doris Dörrer: 63 Menschen (46 Frauen, 17 Männer) wurden 2018 begleitet, 15 davon ambulant, 48 stationär. 37 Menschen verstarben oder zogen weg. Der Altersdurchschnitt der Betreuten lag bei 86 Jahren. Im Einsatz waren und sind 51 Frauen und Männer. Hinzu kommen vier Fahrer. Ihren Schwerpunkt legte Doris Dörrer auf die in Bälde kommende Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland, die in fünf Leitsätzen Aufgaben, Ziele und Handlungsbedarfe festschreibt: „In Kißlegg wird sie am 25. Oktober unterzeichnet.“ Gleichzeitig kritisierte Doris Dörrer Punkte, bei denen es „nur scheinbar um das Wohl der Menschen“ gehe: „Die Deckelung der Kosten im Krankenhaus, die Versorgung mit Hilfsmitteln für Pflegebedürftige – nur Billigprodukte und: Es sollen mehr Pflegekräfte eingestellt werden, aber die Ausbildungszahlen dürfen nicht erhöht werden. Provokativ gesagt: Ein verkürztes Leben ist für die Krankenkasse günstiger.“

Als aktuelles und brisantes Thema nannte Dörrer auch die Klage am Bundesgerichtshof in Karlsruhe, bei der zu klären gilt, ob Ärzte für sinnloses Leiden am Lebensende haften. „Ziel ist ganz klar die Einführung der Euthanasie“, meint Dörrer. Sie nannte auch Zahlen aus Belgien und den Niederlanden, in denen Tötung auf Verlangen seit 2002 erlaubt ist: „Waren es 2003 noch 235 Fälle, so waren es 2017 bereits 2309. Ganz klar möchte ich sagen: Hospizliche Versorgung heißt nicht Lebensverlängerung, sie heißt klar palliative Versorgung, nicht allein, liebevoll begleitet und in Würde zu sterben.“

Gleichzeitig blickte Doris Dörrer, auch mit Blick auf ihren Mann, nach vorne: „Wir bereiten ehrenamtliche Hospizbegleiter langsam darauf vor, in unsere Fußstapfen zu treten. Wir möchten, dass der Übergang langsam und über mehrere Jahre geht, sodass unsere vor neun Jahren aufgebaute Gruppe nahtlos weitergeführt wird.“ Für 2019 stehen noch einige Arbeiten offen. Unter anderem ein Kooperationsvertrag mit dem Haus Severin in Opfenbach, die Vorbereitung des zehnjährigen Bestehens der Gruppe 2020 oder der Deutsche Hospiztag am 25. Oktober, zu dem – in Kißlegg – Pfarrer Frank Witzel über das Thema Abschied und Trauer referieren wird.

Finanziell konnte die Hospizgruppe ein gutes Jahr für sich verbuchen. Den Einnahmen in Höhe von 63 000 Euro, darunter rund 48 000 Euro als Zuschuss des Landesverbandes, standen Ausgaben in Höhe von 48 000 Euro gegenüber. Das Vereinsvermögen der größten Hospizgruppe des Landkreis Ravensburg beläuft sich damit auf rund 102 000 Euro.

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