Heimatmuseum Kißlegg feiert 25-jähriges Bestehen

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Bekamen von Siegfried Genal für ihre (Mit-) Arbeit in der Heimatstube Blumen überreicht : Anneliese Maier, Cilly Huber, Elfried
Bekamen von Siegfried Genal für ihre (Mit-) Arbeit in der Heimatstube Blumen überreicht : Anneliese Maier, Cilly Huber, Elfriede Lakus, Erika Sigrüner und Monika Dobler. (Foto: Martin)
Paul Martin

Der Heimat eine Plattform geben, darum drehte sich am Freitag der Festabend zum 25-jährigen Jubiläum des Heimatmuseums. Rund 70 Bürger waren dazu der Einladung des Heimatvereins „D’Schellenberger“ und der Gemeinde ins Neue Schloss gefolgt. Musikalisch umrahmt wurde die Festlichkeit von dem Quartett „Allgäuer Duranand“.

Die Festrede des ehrenamtlichen Museumsmitarbeiters Siegfried Genal beinhaltete viel Dank und Anerkennung an seine Mitstreiter. Besonders würdigte er das Wirken von Max Scharpf (1912 – 2011), von dem derzeit 25 Gemälde als Sonderausstellung in den Sälen im ersten Obergeschoss des Schlosses zu sehen sind: „Für uns jüngere Mitarbeiter war er ein väterlicher Freund.“ Mit Blumen wurden die „Damen der ersten Stunde“, also aus dem Kreis um Max Scharpf, und fleißige Helferinnen ausgezeichnet.

Die Heimatstube zählt heute über 1500 inventarisierte Ausstellungsstücke. „Sie birgt eine Fülle an Erinnerungen und ist eine kleine Schatztruhe Kißlegger Geschichte“, hieß es in der Schwäbischen Zeitung, nachdem das Museum am 6. April 1993 eröffnet wurde. Zu sehen sind bis heute profanes und sakrales aus dem bäuerlichen Leben, ein Käserei-Museum und ein Wagnerei-Museum. Durchschnittlich besuchen die Heimatstube 2000 Besucher pro Jahr. „Ein Besuch unseres heutigen Museums gleicht einem Spaziergang durch die Geschichte der Marktgemeinde.“, findet Siegfried Genal.

„Seit einigen Wochen gibt es ja in Deutschland das, auf das wir immer gewartet haben. Ein Heimatministerium.“, sagte Kißleggs Bürgermeister Dieter Krattenmacher schmunzelnd zu Beginn seines Festvortrags über Heimat. Er referierte über den Begriff im Wandel der Zeit von der industriellen Revolution bis hin zu den Heimatfilmen der 50er Jahre und heimatschützenden Kult-Kommissaren á la Kluftinger in der Literatur. „Vorsichtig muss man immer dann sein, wenn Heimat politisch genutzt wird.“, warnte der Schultes. Es sei ein Missbrauch des Heimatbegriffs, wenn er ausgrenzend verwendet wird.

„Heimatlos“ ist – nach der Definition Krattenmachers – „jeder sozial entwurzelte. „Wir Menschen verfügen aber über die Eigenschaft eine neue Heimat zu finden.“, sagte das Gemeindehaupt. So sei Kißlegg für viele eine neue Heimat geworden. Im Ort fände Heimat hauptsächlich in den Vereinen statt, stellte der Schultes fest und hielt ein Beispiel parat: „Schnarragagges und Hudelmale sind unverrückbare Symbole Kißleggs“ und fragte - an den Gastgeber gewandt – „Herr Genal, was wäre Kißlegg denn ohne die Fasnet?“

Ferner stellte Krattenmacher die Frage „Wie wollen wir unsere Kißlegger Künste – vom Augsburger Silberschatz bis zum Haus Walser – künftig vermitteln?“ Und auch für das Heimatmuseum gelte: Aktiv bleiben um attraktiv zu bleibe. Das Geschenk zu dessen 25. Geburtstag konnte der Bürgermeister übrigens nicht persönlich übergeben: Es sind neue Vorhänge für die Heimatstube.

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