Heimatmuseum in Kisslegg zeigt Sonderausstellung mit Sammeltassen

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Maria-Rosa Kahle sammelt Gedecke und Kannen. Ihre Sammeltassen sind im Heimatmuseum in Kisslegg zu sehen.
Maria-Rosa Kahle sammelt Gedecke und Kannen. Ihre Sammeltassen sind im Heimatmuseum in Kisslegg zu sehen. (Foto: Tine Steinhauser)
Tine Steinhauser

„Die erste Sammeltasse habe ich vor über 20 Jahren auf dem Flohmarkt gekauft“, erzählt die leidenschaftliche Sammlerin Maria-Rosa Kahle, „es war eine Tasse, die zur Kommunion verschenkt wurde“. Und sie dachte, so etwas verkaufe man doch nicht, eine solche Tasse behalte man doch für das ganze Leben. Dann kam die zweite Sammeltasse „irgendwie“ dazu. Ihre Umgebung erkannte sie offensichtlich gleich als Sammlerin, bei der das kostbare kleine Porzellan in guten Händen ist. Sie bekam viele Sammeltassen geschenkt. Sage und schreibe 1600 Gedecke und einige Kannen haben sich nun angesammelt.

„Kulturelles Erbe bewahren“

Am Sonntagnachmittag eröffnete das Heimatmuseum nach der Winterpause wieder seine Tore. Abteilungsleiter Siegfried Genal vom Heimatverein, zuständig für das Museum, begrüßte das interessierte Publikum, die treuen ehrenamtlichen Helfer und Bürgermeister Dieter Krattenmacher: „Wir wollen mit unserem kleinen Museum das kulturelle Erbe bewahren und unsere Besucher begeistern.“ Seit 18 Jahren gehöre dazu, dass Sonderausstellungen gezeigt würden. „Ich freue mich, dass wir so eine schöne Sammlung hierher bekommen konnten“, fügte er hinzu. Jedes der Exponate erzähle eine eigene Geschichte.

„Sammeltassen wurden seit der Zeit des Biedermeiers zu besonderen Anlässen verschenkt, zur Kommunion, zur Silberhochzeit, zum Muttertag, zum Beginn der Sonntagsschule. Hinzu kommen Mokkatässchen, die man sich als Erinnerung an bestimmte Orte schenkte oder als Souvenir mitbrachte“, so Kahle. Sie seien aufwendig bemalt, mit Ranken, Blumen, Vögeln oder auch sakralen Bildern verziert und häufig mit Widmungen versehen.

Kahles älteste Stücke stammen aus den 1880er Jahren, dem Beginn der Sammeltassen. „Bis in die 1970er Jahre wurden die Schmuckstücke verschenkt“, erklärt Kahle, „danach musste ja alles spülmaschinenfest und genormt sein“. Auch Bürgermeister Krattenmacher pflichtete in seinem Grußwort bei, dass die Tassen von einem Handwerk zeugten, in dem noch Engagement für die Individualität eine große Rolle spielte und sich die Massenproduktion noch nicht durchgesetzt hatte.

Er dankte den Mitgliedern des Heimatvereins für ihren Einsatz und die Organisation der Ausstellung. Natürlich konnten nicht alle 1600 Tassen in den doch kleinen Ausstellungsort gebracht werden. Zu sehen ist eine feine Auswahl. Wer alle 1600 Gedecke sehen möchte, kann Kahle im Landgasthaus ‚Silberdistel‘ in Christazhofen besuchen, das Restaurant, dass die gebürtige Italienerin dort seit über 20 Jahren mit ihrem Mann Karl Kahle betreibt. Manchmal decke sie dort auch eine Kaffeetafel mit dem Porzellan ein. „Die Gäste sind dann ausnahmslos begeistert“. In jedem Falle hat Maria-Rosa Kahle „All(t)e Tassen im Schrank“, so der liebevolle Untertitel der Ausstellung.

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