„Es ist auch ein Stück Ortsgeschichte“

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Das Redaktionsteam mit Paul Martin, Markus Veser und Andrea Martin (von links) ist stolz auf die Festschrift zum 50-jährigen Bes
Das Redaktionsteam mit Paul Martin, Markus Veser und Andrea Martin (von links) ist stolz auf die Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Kißlegger Hudelmale. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
Redaktionssekretariat

Sie ist 156 Seiten stark, druckfrisch und inhaltsschwer. Die Rede ist vom gerade fertiggestellten Schnarragagges-Blättle 2017. Das „Blättle“, das als Festschrift für das Narrenzunft-Jubiläum und dem Landschaftstreffen dient, ist allerdings mehr Buch als Heft oder Broschüre. Geschaffen wurde es von den Narrenzunft-Mitgliedern Andrea Martin, Paul Martin und Markus Veser, die ein sechsköpfiges Redaktionsteam um sich scharten und weit mehr als 50 Jahre Kißlegger Fasnet umfassend und vielschichtig aufarbeiteten.

Der Stolz spricht aus Hajö Schuwerks Worten: „Das ist die bislang größte Abhandlung über die Kißlegger Fasnet. Hier wurde alles zum Narrenflecken dokumentiert. Wir haben damit nicht nur uns selbst, sondern auch der Kißlegger Bevölkerung ein Geschenk gemacht“, sagt der Kißlegger Zunftmeister. Vom „Allgäuer Original“ Fridolin Sontag bis zum Hudelg’schwätz und den Bauraregla Lothar Müllers reichen die Geschichten, von den Fasnetsspielen bis zur Narrenlinde.

Chronologie reicht bis ins Jahr 1694 zurück

Und natürlich darf auch eine umfassende Chronologie der Kißlegger Fasnet nicht fehlen. Eine Chronologie, die bis ins Jahr 1694 zurückreicht, jenem Jahr, in dem erstmals dokumentiert wurde, dass bei der Fasnacht „alles freydig und fridlich abgelofen“ ist. An eine Narrenzunft hatte damals noch niemand gedacht. Auch nicht 1689, als bereits vom „Hudelmannsgesindel in der Herrschaft Kißlegg“ die Rede war.

Gegründet wurde die Zunft erst 1966 von 72 Personen – mit dem Ziel die historische Kißlegger Fasnet im Stil der schwäbisch-alemannischen Fasnacht wiederzubeleben.

Bereits im Mai hat sich die Festschrift-Redaktion zusammengesetzt. Ein so ganz anders als sonst übliches Narrenblättle sollte es werden. „Wir haben einen Mix zwischen Geschichte, Jubiläum und den klassischen Geschichten gefunden“, sagt Andrea Martin. Und weiter: „Es ist auch ein Stück Ortsgeschichte.“ Ganz nebenbei haben sie und ihr 16-jähriger Neffe Paul auch eigene Familiengeschichte kennengelernt: Großvater beziehungsweise Urgroßvater Paul Martin gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Zunft. „Interessant war aber auch zu erfahren, welchen Stellenwert Zunft und Fasnet früher hatten“, erläutert Andrea Martin. Alte Bilder belegen: Umzugszuschauer standen mit Anzug und Krawatte am Straßenrand. Die Begeisterung von einst war Jahrzehnte danach auch bei den für die Festschrift notwendigen Interviews noch spürbar: Viele in Vergessenheit geratene Erinnerungen wurden hervorgekramt, das Archiv durchstöbert. „Wir wurden überall herzlich empfangen und haben viel erfahren“, erzählt Paul Martin.

Auch Realschüler haben Comics und Texte beigetragen

Auch Schüler haben sich beim von Narrenzunftmitglied Matthias Hoch initiierten Projekt der Realschule Kißlegg mit der Kißlegger Fasnet auseinandergesetzt, Comics gezeichnet, Texte und Gedichte verfasst. Und natürlich darf auch der närrische Seitenhieb nicht fehlen, wie beispielsweise jenen auf die Wangemer Nachbarschaft oder „die neue Reality-Soap auf Kißlegg-TV – BauWatch Becherhalde II“. Der Zeitaufwand war enorm. Andrea Martin: „Hätte Markus Veser uns nicht so viel Material – auch online – zur Verfügung gestellt und das Layout übernommen, wäre es noch erheblich aufwendiger geworden.“ Als „Gutsle“ bezeichnet Zunftmeister Hajö Schuwerk das Werk zum Jubiläum. 1000 Festschriften sind inzwischen gedruckt und warten darauf, gelesen zu werden.

Die Jubiläumsschrift wird nicht die einzige „närrische Süßigkeit“ zum 50-jährigen Bestehen bleiben, verspricht Schuwerk. Und nennt auch die Fasnetsspiele als Beispiel.

Das närrische Programm steht

„Klappe die fünfzigste – Närrische Festspiele“ lautet das Motto der Jubiläumsfasnet 2017. Schon jetzt sollten sich alle Narren und jene, die mit ihnen feiern wollen, die Termine des Landschaftstreffens notieren: Freitag, 10. Februar, 18 Uhr Hemadglonker-Umzug für und mit der Kißlegger Bevölkerung, anschließend Narrenbaumstellen und Hudelfeschd; Samstag, 11. Februar,

16 Uhr Brauchtumsvorführungen verschiedener VSAN-Zünfte, anschließend Fasnetsspiele der Narrenzünfte Staufen und Wolfach, 19 Uhr Narrenmesse, anschließend Fasnetsspiel der NZ Kißlegg und Narrennacht; Sonntag, 12. Februar, 10.30 Uhr Frühschoppen, 13 Uhr Großer Narrensprung mit anschließendem Hudelfeschd. Mehr Informationen gibt es im Internet unter

www.landschaftstreffen2017.de

Die Festschrift der Kißlegger Hudelmale ist ab sofort für fünf Euro an folgenden Verkaufsstellen zu erwerben: Esso und Shell-Tankstelle Kißlegg, Bäckerei Stampfer Waltershofen, Die Blumenbinderin Sissi Dunst, Kur-Apotheke, Gasthaus Ochsen, Schlosskeller, Sontag’s Schlossparkrestaurant, Elektro Schneider, Bäckerei Strang-Einhauser Herrenstraße, Bahnhof Kißlegg „Gleis neun“, Baywa Lagerhaus, Vollmers Getränkeladen, Finkbeiner Getränke, Getränke Kiechle, Bücherstube.

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