Eine Familie, ein Haus, 300 Jahre

Lesedauer: 4 Min
Paul Martin

Derzeit wird die Geschwister-Walser-Stiftung als unselbstständige Stiftung von der Gemeinde verwaltet. Scheitenberger regte an, dass man die Stiftung in eine selbstständige Stiftung umwandeln könne, um für potentielle Stifter bessere Bedingungen für Zustiftungen zu schaffen. Aktuell handle es sich im Kern nur um einen zweckbestimmten Sonderhaushalt der Gemeinde. Die Sanierung des Gebäudes unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten ist für den Denkmalpfleger Scheitenberger die notwendige Basis für eine mögliche museale Nutzung des Hauses.

Letztere könnte dann nach einer nötigen Sanierung „unter überschaubarem Kosteneinsatz“ und über einen längeren Zeitraum hinweg schrittweise erfolgen. Im Moment steht eine Sanierung allerdings nicht auf der Agenda der Gemeinde. Im Prinzip steht man laut Scheitenberger hinter dem Erhalt des Hauses. Es stehen aber viele andere Dinge auf der örtlichen Agenda. Trotz dieses Umstandes bräuchte man möglichst bald eine starke bürgerschaftliche Initiative für die Sanierung, den Erhalt und die Umnutzung des Gebäudes. Scheitenberger wählte klare Worte: „Da müssen sich Leute dafür starkmachen, nicht einer allein, wie bisher. Sonst vergammelt das Haus und verfällt immer weiter.“ Eine mögliche Plattform hierfür könnte die im Kißlegger Heimatverein D’Schellenberger e.V. kürzlich gegründete Fördergruppe Haus Walser sein. Sie steht Bürgern zum Mitmachen offen. (pama)

Es ist etwas Besonderes, in Kißlegg und darüber hinaus: Das im Kißlegger Kirchmoos gelegene Haus Walser. Philipp Scheitenberger hat das Gebäude zum Thema seiner Masterarbeit gemacht. Die Ergebnisse trug er am vergangenen Freitag im Neuen Schloss vor. Wie es mit dem historischen Gebäude weitergeht ist jedoch unklar.

1500 historische Objekte aus dem Haus Walser hat Philipp Scheitenberger inventarisiert und dokumentiert. Eine Zusammenfassung seiner Masterarbeit über das Färber- und Fassmaler Haus, die er am Lehrstuhl für Europäische Ethnologie der Universität Bamberg dieses Jahr verfasst hat, stellte er während des Vortragsabends am vergangenen Freitag vor. Im Publikum saß unter anderem Klara Walser, die das Haus bis 2015 bewohnte. Inzwischen lebt sie im Seniorenheim Ulrichspark.

Seit 1661 war das Haus im Besitz der Familie Walser. 2011 wurde es dann von den Geschwistern Alois und Klara Walser in die gleichnamige Stiftung übertragen. Vom großen Kißlegger Ortsbrand 1704 wurde das Gebäude als einziges Wohn- und Handwerkerhaus verschont. Elf Jahre später 1715 erhielt es als Neubau die heutige Form. Der über Jahrhunderte wohlstandsbringenden Färberei setzte die Industrialisierung des allgäu-oberschwäbischen Textilgewerbes im 19. Jahrhunderte ein Ende. Ab Ende der 1870er Jahre betrieb Felix Walser, der Großvater von Klara Walser, eine Spenglerei und ein Haushaltswarengeschäft im Gebäude. Beides wurde von seinen Nachkommen lange Zeit weiterbetrieben, sodass sich ältere Kißlegger noch daran erinnern können, dort als Kind eingekauft zu haben.

Prachtvoller Garten vom Ende des 19. Jahrhunderts

Die vielen Fotos, die Philipp Scheitenberger aus dem Haus Walser zeigte, führten vor Augen, wie viele bedeutende Objekte aus unterschiedlichen Epochen in dem Handwerkerhaus erhalten blieben. Das sind beispielsweise klassizistische Wandmalereien, ein spätbarocker Kachelofen oder die Ausstattung des Haushaltswarengeschäfts aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.

Doch die meisten Spaziergänger bleiben wohl stehen, um den prachtvollen Garten, der Ende des 19. Jahrhunderts angelegt wurde, zu begutachten. „Die Buchshecken und Pfingstrosen sind bis heute ein Hingucker“, stellte der Referent fest. Der Garten ist – wie das Gebäude auch – denkmalgeschützt. „Das heißt der Gartenentwurf ist geschützt“, erklärte Scheitenberger. Sollte der Garten durch Schädlinge oder anderes zerstört werden, muss er in überlieferter Form auf Grundlage vorhandener Bestandspläne wieder angelegt werden. „Man kann also nicht einfach Parkplätze daraus machen“, unterstrich der Hausforscher, der zu Beginn klarstellte, dass er nicht im Namen der Kommune, sondern aus rein wissenschaftlicher Sicht, privaten Überzeugungen und „im Namen der Freunde des Haus Walser“ spreche.

Scheitenberger stellt sich als zukünftige Nutzung eine „bürgerschaftlich getragene, schrittweise Inbetriebnahme“ des Hauses als Museum vor. Zuvor müsse das Gebäude allerdings saniert werden (siehe Kasten).

Derzeit wird die Geschwister-Walser-Stiftung als unselbstständige Stiftung von der Gemeinde verwaltet. Scheitenberger regte an, dass man die Stiftung in eine selbstständige Stiftung umwandeln könne, um für potentielle Stifter bessere Bedingungen für Zustiftungen zu schaffen. Aktuell handle es sich im Kern nur um einen zweckbestimmten Sonderhaushalt der Gemeinde. Die Sanierung des Gebäudes unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten ist für den Denkmalpfleger Scheitenberger die notwendige Basis für eine mögliche museale Nutzung des Hauses.

Letztere könnte dann nach einer nötigen Sanierung „unter überschaubarem Kosteneinsatz“ und über einen längeren Zeitraum hinweg schrittweise erfolgen. Im Moment steht eine Sanierung allerdings nicht auf der Agenda der Gemeinde. Im Prinzip steht man laut Scheitenberger hinter dem Erhalt des Hauses. Es stehen aber viele andere Dinge auf der örtlichen Agenda. Trotz dieses Umstandes bräuchte man möglichst bald eine starke bürgerschaftliche Initiative für die Sanierung, den Erhalt und die Umnutzung des Gebäudes. Scheitenberger wählte klare Worte: „Da müssen sich Leute dafür starkmachen, nicht einer allein, wie bisher. Sonst vergammelt das Haus und verfällt immer weiter.“ Eine mögliche Plattform hierfür könnte die im Kißlegger Heimatverein D’Schellenberger e.V. kürzlich gegründete Fördergruppe Haus Walser sein. Sie steht Bürgern zum Mitmachen offen. (pama)

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen