Ein Hauch von „Vom Winde verweht“

Lesedauer: 5 Min
Ein Hauch von „Vom Winde verweht“ verströmten Anton Straub und Tochter Martina aus Opfenbach mit ihrem eleganten Buggy aus der Z
Ein Hauch von „Vom Winde verweht“ verströmten Anton Straub und Tochter Martina aus Opfenbach mit ihrem eleganten Buggy aus der Zeit um 1870. (Foto: Vera Stiller)

Das Pferd war über Jahrhunderte hinweg nicht nur eine Arbeitskraft für die Landwirtschaft, den Handel und das Militär – wie es zur Personenbeförderung diente –, es war auch ein willkommenes Mittel, um seinen Besitzer darzustellen. Adel und Bürgertum spannten ihre Pferde vor Kutschen zu Repräsentationszwecken oder vor Jagdwagen, um beim „Großen Halali“ mit dabei sein zu können.

Die Zeit ist darüber hinweggegangen. In seinem Grußwort zur vierten Kutschenparade in Kißlegg erinnerte Andreas Veser, Vorstand des veranstaltenden Reit- und Fahrvereins, daran, dass der Ursprung der Traditionsfahrerei in Frankreich liegt. Hierbei würden weder Schnelligkeit noch Hightech der Kutsche im Vordergrund stehen, sondern es ginge um „altbewährtes Kulturgut“, das es zu erhalten, zu pflegen und im sportlichen Rahmen einzusetzen gelte.

Mit persönlicher Note kommentiert

Anette Mezger aus Ludwigsburg war es, die am Sonntag erneut die Kutschenparade in Kißlegg moderierte und kommentierte. Und sie tat das mit so viel Sachverstand und persönlicher Note, dass die Zuschauer nicht nur begeistert davon waren, sondern eine große Portion Wissen rund um das Reglement einer solchen Veranstaltung mitnehmen konnten.

Zunächst wurde die Gespann-Kontrolle unter der Leitung von Günter Ortner und zwei weiteren Preisrichtern durchgezogen. Bei dieser Sichtung steht der harmonische Gesamteindruck im Mittelpunkt, der die folgenden Punkte beinhalten muss: eine mit viel Liebe und Verständnis zum Detail restaurierte Kutsche, die passende Kleidung der Mitfahrenden und nicht zuletzt der gute Zustand von Pferd und Geschirr.

Es war ein imposantes Bild inmitten des herrlichen Kißlegger Schlossparks, das sich den Zuschauern bot, als die 27 Gespanne aus Deutschland, Österreich. Liechtenstein und der Schweiz nach und nach vorfuhren. Wobei sie von passender Musik begleitet wurden. Vom Ein- und Zwei- bis hin zum Vierspänner, darunter Friesen, Moritzburger, Württemberger, Holsteiner, Freiberger und Haflinger, war alles dabei. Man konnte sich an der gebotenen Vielfalt und Eleganz nicht satt sehen.

Immer wieder wies Anette Mezger auf Besonderheiten hin. Da war der Tweed-Anzug des Fahrers, der die sportliche Note vom englischen Dog-Cart aus dem Jahr 1899 „nur noch unterstreicht“. Dort die Krone an der Victoria-Kutsche, „die die fürstliche Herkunft bezeugt“, an anderer Stelle die Tatsache, dass sich auch die Hersteller gerne an den Radnaben mit ihrem Emblem verewigten.

Die „erste Dame an den Leinen“ animierte zu der Aussage: „Die Wagenbauer haben schon auf uns Frauen Rücksicht genommen und darauf geachtet, dass wir sicher aufs Fahrzeug kamen.“ Was darunter zu verstehen war, erklärte die Moderatorin so: „Es war damals nicht schicklich, Bein zu zeigen. Allenfalls durfte man den Knöchel sehen. Und auch der war meist durch die Stiefelette verdeckt.“

Auch bei Hitze korrekt gekleidet

Mit dem vom Opfenbacher Anton Straub aus Amerika importierten eleganten Buggy aus der Zeit um 1870 und insbesondere durch Kleid und Hut von Tochter Martina lag ein Hauch von „Vom Winde verweht“ in der Luft. Klaus Rombach aus Walds-hut-Tiengen, der mit einer einspännigen Phaeton vorfuhr und mit einem Signal grüßte, war mit einer Weste bekleidet. „Bei Wärme ist man damit trotzdem korrekt gekleidet“, ließ Anette Mezger hören und wies auf den Sommerzylinder aus Stroh hin, der in Biberach hergestellt wurde und „eine Seltenheit darstellt“.

Nach einer Streckenfahrt ins Allgäu stand der Geschicklichkeitsparcours im Schlosspark auf dem Programm. Höhepunkt war schließlich die große Schlussaufstellung aller Teilnehmer mit der Siegerehrung der Gespanne. Hier kam zum Ausdruck, dass alle Fahrer Beifahrer und Pferde Gewinner waren. Jeder und jedes hatte sich von der besten Seite gezeigt. Wie auch die vielen Helfer, die für den reibungslosen Ablauf der vierten historischen Kutschenparade und für die Bewirtung der Gäste gesorgt hatten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen