Ein altes Kißlegger Haus erwacht zu neuem Leben

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Die Kleiderstube im Kißlegger „Löwen“ ist gut gefüllt.
Die Kleiderstube im Kißlegger „Löwen“ ist gut gefüllt. (Foto: gh)

Ein altes Haus erwacht zu neuem Leben. Der Gasthof „Löwen“ in Kißlegg ist stundenweise wieder geöffnet, doch statt Rostbraten und Kässpätzle sind hier jetzt Kleiderstube, Lernwerkstatt und Begegnungsstätte untergebracht. Am Samstag war Tag der offenen Tür.

Der ehemalige Gasthof „Löwen“ in Kißlegg gehört mit zu den ältesten Häusern am Ort und war jahrhundertelang Treffpunkt der Kißlegger - zum Essen Trinken, Schwätzen. Doch die Zeiten haben sich geändert, und seit einigen Jahren stand das alte Haus leer. Lange war nicht klar, was damit geschehen sollte. Leerstand tut keinem Haus gut, und angesichts neuer gesellschaftlicher Herausforderungen griff vor kurzem die Gemeinde zu, kaufte das Haus und stellte bis zur Sanierung des Gebäudes das Erdgeschoss es dem Freundeskreis Asyl kostenlosen zur Nutzung zur Verfügung. Mit einem Tag der offenen Tür wurden am Samstag die Räume offiziell eröffnet.

Die rund 40 Mitglieder im Freundeskreis Asyl haben schier Unglaubliches geleistet und hier eine Kleiderstube, oder Boutique, wie es Bürgermeister Dieter Krattenmacher augenzwinkernd bezeichnete, eingerichtet. Vorausgegangen war ein Aufruf an die Kißlegger, mit der Bitte um Kleiderspenden, und da wurden ganz offensichtlich viele Kleiderschränke leergeräumt. „Wir waren ganz überwältigt von der Spendenbereitschaft“, sagt Heinz Fritsch, der federführend gemeinsam mit seiner Ehefrau Antoinette die Kleiderstube koordiniert.

Im ehemaligen Nebenzimmer des Gasthofs ist die Kleiderstube sauber geordnet und proppenvoll, genau wie das Lager. Im Angebot sind Kleider, Schuhe, Mützen, Schals und Accessoirs, vom Baby bis zu „alterslos“, und das zu unglaublich niedrigen Preisen. Eine Damenjacke oder ein Herrenanorak für fünf Euro, das sind schon Schnäppchen. Hier können sich nicht nur Asylbewerber günstig einkleiden, die Kleiderstube steht auch allen Bürgern offen. „Damit praktizieren wir Nachhaltigkeit statt Wegwerfgesellschaft“, so Bürgermeister Krattenmacher. Der Gastraum solle auch wieder eine Begegnungsstätte werden, wo man sich persönlich treffe und von Angesicht zu Angesicht begegne, statt nur anonym via Internet, bekräftigte der Schultes.

Das Miteinader über Grenzen hinweg sei ein Teil des Kißlegger Selbstverständnisses, ging Krattenmacher auch auf die Flüchtlingsproblematik ein. In den Räumen treffe sich auch die Lernwerkstatt, zum Deutschunterricht für die Asylbewerber. Weitere Helfer seien jederzeit willkommen. Amjad, ein junger Syrer, der schon gut deutsch spricht, versuchte den Gästen einen Satz seiner Sprache beizubringen. Ein Beispiel, wie schwierig es ist zu kommunizieren, wenn man weder die Sprache, noch die Buchstaben versteht. Ehe sich die Gäste an Getränken und Fingerfood gütlich taten, füllten zwei Gambier die Räume mit afrikanischen Trommelklängen.

Donnerstag: 10 bis 12 Uhr und 16 bis 19 Uhr , Samstag: 10 bis 13 Uhr.

offene Lern-, Spiel- und Gesprächsgruppen: Montag: 18 bis 20 Uhr,

Dienstag: 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr und 15 bis 17 Uhr

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