Die erste Kißlegger Kunstwoche endet mit einer gut besuchten Finissage

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 Die erste Finissage der Kißlegger Kunstwoche lockte viele Gäste ins Neue Schloss.
Die erste Finissage der Kißlegger Kunstwoche lockte viele Gäste ins Neue Schloss. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

80 Teilnehmer haben die Kurse der ersten Kißlegger Kunstwoche im Neuen Schloss besucht. Das Spektrum reichte von experimenteller Malerei über großformatige Zeichnungen, Aquarell, freie Malerei in Acryl bis zur Steinbildhauerei bei Petra Ehrnsperger, Ute F. Mangold, Dagmar Wassong, Antonio Zecca und Herbert Leichtle. Sie stellten die entstandenen Werke einem breiten Publikum an der Finissage am Donnerstagabend vor.

Sechs Tage intensiver Arbeit liegen hinter den Kunstschaffenden und die Ergebnisse sind immer wieder überraschend. Qualitativ wie quantitativ. Verteilt über zwei Stockwerke verwandeln sich die Schlossräume seit 1990 in Ateliers. Böden und Wände abgedeckt entsteht hier für einen kurzen Zeitraum eine gänzlich andere Atmosphäre in barockem Ambiente. Mit neuem Schwung seien sie diesen Herbst nach einem Jahr Pause ans Werk gegangen, freute sich Katrin von Polenz vom Gäste- und Bürgerbüro. Sie organisiert zusammen mit Jürgen Weing die Kunstwochen. Dieses Terrain sei bundesweit hart umkämpft, weshalb die Freude umso größer ist, dass die Teilnehmerzahl gleich hoch geblieben ist wie 2016.

„Das Niveau ist atemberaubend“

Bernhard Thomas Klein eröffnete diesen Abend mit einem Tuba-Intro zu einer lyrischen Spoken-Word-Performance von Jürgen Weing. „Sagen Sie doch bitte alle Clock Clock Clock“, forderte er die Zuhörer im großen Festsaal auf. Währenddessen skandierte er seinen dada-artig tönenden Text aus „Uhr“ und „Zeit“. Sehr eindrücklich erinnerte das einen an das Vergehen jeder Sekunde. Raimund Haser, CDU- Landtagsabgeordneter und in Vertretung von Bürgermeister Dieter Krattenmacher, sprach in seinem Grußwort vom Stolz auf die Kunst im Schloss. Er ging auf die enge Verflechtung von Kunst und Politik ein, die in Schlössern wie diesen mit ihrem barocken Prunk zum Ausdruck komme. Mit Betonung darauf, die Freiheit von Kunst und Kultur zu verteidigen. „Das Niveau ist atemberaubend. Ihr habt viel gearbeitet“, zeigte er sich beeindruckt.

Den Rundgang durch die Ateliers startete Bernhard Thomas Klein musizierend auf dem Weg zu Dozent Antonio Zecca, der sich in einer Performance aus Geschenkpapier herausschälte. Der in Singen lebende Künstler, der an der Stuttgarter Kunstakademie bei Rudolf Schoofs studiert hat, ist dem Zeichnerischen stark zugetan. Von seinen Kurzsteilnehmern sind großformatige Blätter mit schwarzer Ölkreide entstanden.

„6 Tage – 6 Bilder“ hat die in Trier als Dozentin an der Europäischen Kunstakademie tätige freie Malerin Dagmar Wassong ihrem Kurs als Motto gegeben. Unvollendetes durfte mitgebracht werden, um es hier zu vollenden. „Aus alt mach neu“ lautete die Devise. Alles durfte sein auf der Suche nach neuen Bildstrategien. Herausgekommen sind komplett unterschiedliche malerische Positionen im Bereich stark gestischer Figuration.

Mit einem Abstecher in das Atelier von Kenji Aoki ging es weiter zur „Experimentellen Malerei“ von Petra Ehrnsperger. Sie bewegt sich auf dem Gebiet des Abstrakten zwischen Zufall und Ordnung. Dabei lässt sie ihren Teilnehmern freie Hand, diese mittels Übungen zu lockern und auf der Leinwand mutig loszulegen.

Marokko in Kißlegg

Auch Ute F. Mangold ist schon lange in Kißlegg als bewährte Dozentin dabei. „Warum Marokko in Kißlegg? Weil ich seit 2002 zu regelmäßigen Malreisen dort bin“, erläuterte sie ihr Kursthema. In ihrem Atelier ließ es sich eintauchen in das charakteristische Licht enger Gassen der Medinas, in die Flüchtigkeit des Aquarells.

Den Abschluss dieser Finissage machte Steinbildhauer Herbert Leichtle. Da seine Teilnehmer ihr Atelier im nahegelegenen Rötenbach haben, entschieden sie sich für eine Performance ganz im Sinne antiker Skulptur. Unter weißen Tüchern verborgen, legten sie symbolisch mit Hammer und Meißel das männliche Modell frei. „Bildhauerei ist eine schweißtreibende Kunst“, selbst wenn es sich bei dieser humorvollen Aktion nur um Stoff handelte.

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