Der Weg zum Dorfgemeinschaftshaus Waltershofen ist schwieriger als gedacht

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Paul Martin

Die Hau-Ruck-Euphorie hat nachgelassen, die Hartnäckigkeit nicht: So lässt sich der Auftritt von Wolfgang Frühschütz am Donnerstagabend vor etwa 130 Bürgern in der Oskar-Farny-Halle zusammenfassen. Der Vorsitzende des Fördervereins Dorfgemeinschaftshaus Waltershofen erklärte bei der Infoveranstaltung mit dem Titel „Packen wir’s an“ unter anderem, warum so schnell nichts „angepackt“ werden kann.

Die Ausgangssituation und ein Konzept

Vor Jahren wurde das Dorfentwicklungskonzept „Waltershofen 2025“ erstellt. Damals war klar, dass es in Waltershofen zu viele, aber nicht die richtigen öffentlichen Gebäude gibt. Es wurde ein Gesamtkonzept erstellt, wie Kindergarten, Schule, Ortschaftsverwaltung, Landjugend und ein Dorfsaal in einem Komplex zusammengeführt werden können.

Dieses Konzept habe man im Februar 2017 im Gemeinderat vorgestellt und dafür viel Lob erhalten, erinnerte sich Frühschütz. „Darauf basiert alles, was wir bisher gemacht haben.“ Im Jahr 2018 seien die Planungen vertieft worden.

„Wir sind das natürlich immer als Gesamtes angegangen, haben nie nur den Kindergarten oder nur den Dorfsaal in den Blick genommen“, so Frühschütz. Der Kindergarten als Pflichtaufgabe der Gemeinde ist inzwischen beschlossene Sache. Die Pläne sind so angelegt, dass zwischen Kindergarten und Schule das Dorfgemeinschaftshaus als verbindendes Element gebaut werden könnte.

Die Vorteile eines Dorfgemeinschaftshauses

Frühschütz und Ortsvorsteher Wener Bachmann könnten lange über die Notwendigkeit eines Dorfgemeinschaftshauses referieren: Von der nicht gegebenen Barrierefreiheit im Bestand, über Räume für das „hohe ehrenamtliche Engagement in der Ortschaft“ und die „stark zurückgegangene Gastronomie“ bis zu Synergieeffekten beim Energiesparen.

Der Saal biete Möglichkeiten für Mutter-Kind-Treffen ebenso wie für Senioren, für Ortschaftsratssitzungen, sowie Schul- und Kindergartenveranstaltungen. Eine vergleichbare Räumlichkeit gebe es in der Gemeinde Kißlegg nicht, sagte Frühschütz. „Das ist das schönste Dorfgemeinschaftshaus im Allgäu mit direktem Blick zur Nagelfluhkette.“ Bei Festen oder privaten Feiern könnten die Waltershofener Vereine die Bewirtung übernehmen und so Einnahmen für die Vereinskassen generieren.

Was der Förderverein bisher gemacht hat

Im Waltershofener Ortschaftsrat wurde die Initiativgruppe Dorfgemeinschaftshaus (DGH) ins Leben gerufen. Aus dieser entstand der Förderverein DGH. „Der ist da, um dem Anliegen Nachdruck zu verschaffen“, sagte Frühschütz. Im April diesen Jahres gründete sich der Förderverein und legte mit Planungsarbeiten los. Zunächst wurde ermittelt, zu welchem Preis man die Alte Schule und das Rathaus verkaufen könnte.

Die Veräußerung dieser Gebäude zur Finanzierung von Neuem war bereits im Dorfentwicklungskonzept vorgesehen. Es folgte ein Gespräch über Förderanträge beim Regierungspräsidium in Tübingen mit Ortsvorsteher Werner Bachmann, Bürgermeister Dieter Krattenmacher und Wolfgang Frühschütz. „Das hat uns sehr, sehr große Hoffnung gemacht“, berichtete Frühschütz. Daraufhin hat die Waltershofener Architektin und Fördervereinsmitglied Sylvia Elison-Keib – bislang unentgeltlich – Pläne ausgearbeitet. Der Förderverein stellte einen Finanzierungsplan auf und bereitete Anträge vor. Der Ortschaftsrat Waltershofen gab mehrheitlich grünes Licht für das Projekt und dem Kißlegger Gemeinderat legte Bachmann einen Sachstandsbericht vor.

Warum es vorerst nicht weitergeht

Das alles führte dazu, dass Bachmann in seiner Funktion als Rathaus-Mitarbeiter am 9. September von seinem Chef, Bürgermeister Krattenmacher, den Auftrag bekommen hat, die Förderanträge an das Regierungspräsidium zu stellen. Dazu ist das Gemeindeoberhaupt ohne vorausgegangene Diskussion oder Abstimmung im Gemeinderat befugt.

Am darauffolgenden Tag, so schilderte es Frühschütz der „Schwäbischen Zeitung“ weiter, habe sich das Blatt gewendet: Die Fraktionssprecher der Ratsfraktionen trafen sich zur Sitzung und Bachmann hätte von Krattenmacher die Anweisung bekommen, doch keinen Förderantrag zu stellen. Die Antragsfrist für die beabsichtigten ELR-Förderungen ist am 30. September ausgelaufen.

Was für die Gemeinde auf dem Spiel steht

Wolfgang Frühschütz begründete die „Kißlegger Skepsis“ gegenüber dem Waltershofener Projekt mit dem vom Förderverein aufgestellten Finanzierungsplan. „Wenn der Plan aufgeht, kostet das Dorfgemeinschaftshaus die Gemeinde kein Geld“, ist sich Frühschütz sicher.

Über den Verkauf von Rathaus und Alte Schule, die erhoffte ELR-Förderung von 500 000 Euro, sowie Spenden und Sponsoren seien alle Kosten für den Dorfsaal gedeckt. „Die Ortschaft will ja nicht einfach nur etwas haben, sie ist auch bereit etwas herzugeben“, betonte Frühschütz. Nun müsse man alles daran setzen, diese Finanzierung den Räten plausibel zu machen. Frühschütz: „Klar ist, dass für die Gemeinde kein Risiko besteht. Bricht eine eingeplante Förderung weg, dann wird nicht losgebaut.“

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