Auf einer Stufe mit Bad Wurzach: Kißlegg entwickelt sich zum „Unterzentrum“

Lesedauer: 5 Min
 Hier sollen im Oktober Bauarbeiten für einen Feneberg beginnen.
Hier sollen im Oktober Bauarbeiten für einen Feneberg beginnen. (Foto: Paul Martin)
Paul Martin

Aulendorf, Isny, Bad Wurzach: Auf einer Stufe mit diesen Städten soll künftig auch Kißlegg stehen. Denn im neuen Regionalplan, dessen Fortschreibung aktuell läuft, ist Kißlegg nicht mehr als Kleinzentrum, sondern als Unterzentrum aufgeführt. Der Gemeinde wurde damit anerkannt, eine qualifizierte Ausstattung in der Grundversorgung aufzuweisen und eine wichtige Versorgungsfunktion im ländlichen Raum zwischen Wangen, Leutkirch und Bad Waldsee zu übernehmen. In folgenden Punkten sieht die Fortschreibung des Regionalplans konkrete Möglichkeiten zur Entwicklung von Kißleggs Infrastruktur:

Straße

Seit 1992 ist die östliche Ortsumfahrung im Flächennutzungsplan der Gemeinde enthalten. Erstmals wird sie nun als „vorrangig regionalbedeutsames Straßenprojekt in der Region“ von der Regionalplanung vorgeschlagen. Letztere wird vom Gemeinderat aufgefordert, auch die Südspange (Kläranlagenstraße) und die Ortsumfahrung Zaisenhofen in die Raumnutzungskarte aufzunehmen.

Einzelhandel

Kleinzentren dürfen keine Ladenflächen über 800 Quadratmeter Verkaufsfläche ausweisen. Unterzentren hingegen können großflächige Einzelhandelsprojekte ansiedeln lassen. Dies ist nun Kißlegg erstmals der Fall und wird beim geplanten Supermarkt Feneberg im Neubaugebiet Becherhalde II bereits angewendet. Laut Bürgermeister Krattenmacher wird spätestens Ende Oktober mit den Bauarbeiten begonnen. Der Gemeinderat fordert die Regionalplanung auf, die Becherhalde als Standort für Einzelhandelsgroßprojekte in die Raumnutzungskarte aufzunehmen.

Gewerbe

Der Schwerpunkt für Gewerbeflächen soll weg von Zaisenhofen/Oberhorgen, hin zum Interkommunalen Gewerbegebiet Waltershofen verlagert werden. Dafür spricht laut der Fortschreibung die sehr gute verkehrliche Anbindung durch die A96, die Gewährleistung der Chancengleichheit gegenüber den bayerischen Nachbarn, dort sind neue Gewerbegebiete an Autobahnen laut Regionalplan keine Seltenheit, und dass es „keine vernünftigen Alternativflächen mit vergleichbarer Eignung“ gibt.

 Der Schwerpunkt für Gewerbeflächen soll weg von Zaisenhofen/Oberhorgen, hin zum Interkommunalen Gewerbegebiet Waltershofen verl
Der Schwerpunkt für Gewerbeflächen soll weg von Zaisenhofen/Oberhorgen, hin zum Interkommunalen Gewerbegebiet Waltershofen verlagert werden. (Foto: Paul Martin)

Schiene

Wenngleich der Regionalverband nicht von einem kompletten zweigleisigen Ausbau der Allgäubahn (Memmingen bis Lindau) ausgeht, hält er doch fest, „unterschiedliche Ausbaumöglichkeiten nicht zu verbauen, sondern diese zu sichern und die dafür benötigten Flächen freizuhalten“. Außerdem wird als regionalbedeutsames Schienenprojekt vorgeschlagen, auch die württembergische Allgäubahn (Kißlegg bis Aulendorf) zu elektrifizieren.

Das sagen die Räte

„Wenn der Landesverkehrsminister das liest, müsste er sich ja sofort auf die Brust schlagen und sagen, liebe Kißlegger, ich ändere sofort meine Meinung“, warf Friedrich Rockhoff (CDU) bei der Aussprache zum Regionalplan mit Blick auf die Formulierungen zur Ortsumgehung ein.

Sein Fraktionskollege Wolfgang Schuwerk fragte, ob man mittel- oder langfristig in Kißlegg wieder an ein Gymnasium denken dürfe. Bürgermeister Dieter Krattenmacher wagte daraufhin keine Prognose und befand, dass man derzeit „sehr nah an Kißlegg sehr gut versorgt“ sei. Ob sich denn auch die Anbindung ans Schussental mit öffentlichen Verkehrsmitteln verbessere, wollte Jakob Frey (SPD) wissen. „Ich kann mir vorstellen, dass wir auf der Verbindung von Aitrach, Aichstetten und Leutkirch Richtung Schussental zusammen mit Wolfegg eine wichtige Rolle spielen werden“, antwortete Krattenmacher.

Er höre die ganze Zeit nur „Verkehr, Verkehr, Verkehr“ ärgerte sich Hubert Braun (GOL/ELK). Monetäre Vorteile für die Gemeinde vermisse er. Der neue Regionalplan sei „ein freundliches Angebot von der Region und ein Auftrag an uns“, entgegnete Krattenmacher. Und: „Malen Sie doch nicht immer irgendetwas Schlechtes an die Wand, wenn Mal etwas gut.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen