Digitalredakteurin

Eva-Maria Scheyer und Adis Mataruga haben ihr eigenes Studio. Ein Atelier, in dem sie Taschen und Accessoires produzieren und designen  - nicht in einer Großstadt zwischen Hipstern und Streetart, sondern in Waltershofen, einem kleinen Ort im Allgäu.

Eva-Maria Scheyer (33) und Adis Mataruga (36) betreiben das Designerlabel "Eve + Adis" mit Produkten aus Bio-Leder, Kork und einer Art pflanzlichem Leder aus den Fasern der Ananaspflanze. 

„Viele glauben uns nicht, dass wir davon leben können", sagt Adis amüsiert. „Ja, viele glauben einfach nicht, dass man so viele Taschen verkauft", ergänzt Eva-Maria.  Sie könnten auch nicht davon leben, wenn sie ihre Produkte nur in der Region anböten. Denn ihre Kunden sind woanders.

Die Technik macht es möglich, dass ein Label auf dem Land bestehen kann.

Adis Mataruga

"Eve + Adis" verkaufen ihre handgenähten Taschen, Rucksäcke, Kosmetiktäschchen, Schlüsseletuis und Handyhüllen vor allem nach München, Berlin, Innsbruck und Wien. Sogar in Los Angeles, New York und Japan tragen Menschen ihre Taschen und Accessoires. „Vor 40 Jahren musste man in der Stadt sein, um Laufkundschaft zu haben. Die Technik macht es möglich, dass ein Label auf dem Land bestehen kann", sagt Adis.

Ein Bereich des Geschäfts in Waltershofen dient als Showroom. (Foto: Andrea Pauly)

Trotzdem: Ganz ohne die Großstadt wäre es schwer. Jeden Monat sind beide für mindestens eine Woche in Berlin, wo Adis noch als Jurastudent eingeschrieben ist. Sie brauchen die Zeit in der Hauptstadt, um als Designer voran zu kommen: „Wir finden dort mehr Inspiration, wir sehen, was andere tragen", sagt Adis. „Hier" sagt er und meint das Allgäu, „sieht man oft das Gleiche. Und nicht so viele junge Leute." 

Entscheidung gegen die Hauptstadt 

In Berlin fotografieren die beiden für ihre Social-Media-Auftritte, dort haben sie Händler, dort gibt es Designmärkte, dort kommt ihre Werbung direkt bei ihren Kunden an.

Lange haben die beiden deshalb überlegt, ob sie in die Hauptstadt ziehen und ihr kleines  Unternehmen dort weiterführen sollen.  „Für manche Kunden wäre es vielleicht cooler, wenn unter dem Label noch das Wort 'Berlin' stehen würde", sagt Eva. „Aber für uns macht es keinen Unterschied."

Der Schriftzug wird von Hand ins Leder geprägt. Für die Designer funktioniert er auch ohne den Zusatz "Berlin". (Foto: Andrea Pauly)

So entschieden sie sich gegen die Hauptstadt. „Alles in Berlin ist eng, dort sind so viele Menschen." In Waltershofen bei Kißlegg haben sie mehr mehr Platz. Mehr Harmonie. Mehr Entspannung. „Klar, Berlin ist auch schön, aber der Bodensee ist schon was anderes als der Wannsee."

Konzerte und Bars versus Natur und Ruhe

Jetzt nutzen sie das Beste beider Welten. Konzerte, Kultur, Bars, Clubs, die Geschichte der Hauptstadt - das alles genießen sie, wenn sie in Berlin sind. Ihr Sozialleben ist dort vielfältiger als in Kißlegg. Sie kennen viele, die vom Bodensee dorthin gezogen sind - während von Eva-Marias Schulfreunden niemand mehr in der Heimat lebt. Ihre Freundeskreise sind vor allem in Konstanz und Stuttgart.  Allerdings sind ihre Familien, denen beide sehr verbunden sind, vor Ort. 

Für unsere kreativen Phasen müssen wir uns zurückziehen können.

Eva-Maria Scheyer

Das Land brauchen sie zur Entspannung. „Wenn ich länger in Berlin bin, bin ich erschöpft und muss da auch mal raus", sagt Adis. "Man ist in Berlin zu keiner Tages- und Nachtzeit allein", ergänzt Eva. „Aber für unsere kreativen Phasen müssen wir uns zurückziehen können. Das brauchen wir."

Drei Immobilien zum Preis von einer 

Das ausschlaggebende Argument war am Ende das Geld. Denn in Berlin bräuchten sie eine Wohnung und ein Studio. Die Trennung von Wohnen und Arbeiten ist ihnen wichtig. Anfangs entwarfen und nähten sie in ihrer Wohnung in Kißlegg - doch das war keine Dauerlösung.

In Waltershofen fanden sie das perfekte Atelier: Büro, Werkstatt und Showroom in einem großen Raum. „Hier zahlen wir einen Bruchteil von dem, was wir für die gleiche Fläche in Berlin zahlen würden", sagt Eva. Sie können sich drei Mieten leisten: für das Studio in Waltershofen, die Wohnung in Kißlegg und die kleine Einzimmerwohnung in Berlin. In der Großstadt müssten sie mindestens dasselbe ausgeben, allerdings für eine einzige Immobilie.

So sieht das Studio von "Eve + Adis" im Rundumblick aus - mit einem Klick auf die kleinen Fotos in der 360-Grad-Ansicht gibt es zusätzliche Informationen: 

Außerdem gibt es in Waltershofen keine Laufkundschaft. „In Berlin wäre das anders, und dann müssten wir feste Öffnungszeiten haben und jemanden, der die Kunden auch betreuen kann, wenn wir arbeiten", sagt Eva-Maria. 

Versand und Internet müssen reibungslos laufen

Umso wichtiger ist es, dass im Allgäu der Versand mit der Post problemlos funktioniert und das Internet stabil läuft. Denn alle Bestellungen laufen online ein, Kundenkontakte bestehen vor allem über das Netz, der Verkauf läuft über die Homepage und Plattformen wie Etsy und Dawanda. Für die Werbung sind Facebook, Instagram und Pinterest unverzichtbar.  

Ohne Internet würde das Designer-Duo im Allgäu nicht weit kommen: Ihre Internetseite ist Dreh- und Angelpunkt ihres Handels. (Foto: Andrea Pauly)

Dass sie auf dem Land leben und designen, verstecken Eva und Adis nicht - aber sie werben auch nicht damit. „Unsere Taschen sind einfach mehr Stadt als grüne Wiese mit Kuh“, begründet der 36-Jährige. 

Regional und nachhaltig als Verkaufsargumente

Womit sie aber werben, ist die Regionalität ihres Leders, das von Bio-Kühen aus dem Allgäu stammt. „Es gibt nicht so viele Bio-Labels", sagt Eva. „Wir wollten sichergehen, dass Mode nachhaltig und stylish sein kann. Und das geht auf dem Land besser als in der Großstadt." Sie sind stolz darauf, dass sie zu ihrem Händler fahren, das Leder persönlich aussuchen und abholen können - „ auch das ist Nachhaltigkeit, weil lange Transportwege wegfallen", sagt Eva-Maria Scheyer. 

Das Leder für die Taschen stammt von Bio-Rindern, die auf Allgäuer Wiesen lebten. (Foto: Andrea Pauly)

Bis vor Kurzem waren alle Taschen handgenäht. Mittlerweile lassen sie drei Modelle in Spanien herstellen - aber aus Allgäuer Bio-Leder. „Es war einfach von Hand nicht mehr zu schaffen", begründet Eva-Maria. „Und so haben wir ein anderes Sortiment, weil die Taschen aufwändiger genäht werden, als wir es hier könnten."

Zwar machen die Ledertaschen immer noch die wichtigste Einnahmequelle aus, aber auch ihr zweites Label "Oak + Cork" wächst. Mit den alternativen Materalien Kork und Ananasleder bedienen sie unter anderem eine Nische für Menschen, die vegan leben und auf Tierhäute verzichten wollen.

Während die Korkprodukte Adis' Projekt sind, designt und fertigt Eva zusätzlich schlichten Schmuck aus Messing. Zur Bildergalerie geht es hier:  

Das Ziel von Eva-Maria und Adis ist es, irgendwann alle Taschen produzieren zu lassen und sich selbst nur noch um das Design und Vermarktung zu kümmern. Das können sie tun, wo sie wollen. Solange das Internet funktioniert.

Eve and Adis:

Eva-Maria Scheyer (33) hatte bereits ihr eigenes Label namens Eve, als sie 2013 Adis Mataruga (36) über gemeinsame Freunde in Ravensburg kennenlernte. Die Schneiderin und Modedesignerin und der angehende Jurist fanden sowohl menschlich als auch beruflich zusammen: Sie wurden ein Paar. Adis Mataruga begeisterte sich für die Arbeit seiner Freundin - und ließ sich davon inspirieren. Er stieg ein, die beiden erweiterten das Label, nannten es Eve and Adis - "und dann ging es richtig los", erinnert sich der gebürtige Markdorfer. Auch für ihn war die Arbeit mit Stoffen nicht ganz neu: Seine Mutter ist Schneiderin. 

Die beiden fanden einen gemeinsamen Weg, in dem aber jeder noch immer seine Schwerpunkte hat: Eva-Maria Scheyer konzentriert sich auf Leder und Schmuck, Adis auf Kork. 

Eve and Adis:

Eva-Maria Scheyer (33) hatte bereits ihr eigenes Label namens Eve, als sie 2013 Adis Mataruga (36) über gemeinsame Freunde in Ravensburg kennenlernte. Die Schneiderin und Modedesignerin und der angehende Jurist fanden sowohl menschlich als auch beruflich zusammen: Sie wurden ein Paar. Adis Mataruga begeisterte sich für die Arbeit seiner Freundin - und ließ sich davon inspirieren. Er stieg ein, die beiden erweiterten das Label, nannten es Eve and Adis - "und dann ging es richtig los", erinnert sich der gebürtige Markdorfer. Auch für ihn war die Arbeit mit Stoffen nicht ganz neu: Seine Mutter ist Schneiderin. 

Die beiden fanden einen gemeinsamen Weg, in dem aber jeder noch immer seine Schwerpunkte hat: Eva-Maria Scheyer konzentriert sich auf Leder und Schmuck, Adis auf Kork. 

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