500 Biergläser: So kam dieser Kißlegger zu seiner Sammelleidenschaft

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Ein Mann im Anzug und Krawatte vor einer Vitrine voller Biergläser
Wolfgang Weiland hat in 15 Jahren 500 sogenannte „Willybecher“ gesammelt. Sein Lieblingsstück ist vom ehemaligen Inselbräu. (Foto: Sontheim)
Milena Sontheim

Hell beleuchtete Glasvitrinen betonen die klaren Biergläser. Durch Spiegelwände scheint es optisch so, als ob die Anzahl der Gläser verdoppelt wird. Die weißen Baumwollhandschuhe hat Wolfgang Weiland heute leider nicht dabei, weshalb die Vitrinen geschlossen bleiben. Vielen Kißleggern ist der Name Wolfgang Weiland bereits ein Begriff. Was alles hinter dem hauptberuflichen Außendienstler steckt, erfährt man aber erst mit einem Blick auf seine Hobbies.

Schon als junger Mann distanzierte sich Wolfgang Weiland von dem Geschmack und den Interessen der Massen. Als alle Anderen in seinem Alter die großen Fußballvereine bewunderten, stand er zum Beispiel umso entschlossener hinter seinem kleineren Lieblingsverein. Dem VfL Bochum stehe er seit 40 Jahren treu zur Seite, sagt Weiland. So kam er auch zu seinem Spitznamen: Weil es den Namen Wolfgang in seiner Generation wie Sand am Meer gebe und Kißlegg die Hochburg der Weilands sei, ist er seitdem als „Bochum“ bekannt, erzählt er.

Biergläser mit Stadtwapen in einer Vitrine
Auch Gläser mit Stadtwappen sammelt er sehr gerne. (Foto: Sontheim)

Die Geschichte seiner Willybecher-Sammlung beginnt vor rund 15 Jahren in Riedlingen. Der sogenannte Willybecher wurde in den 1950er Jahren von Willy Steinmeier im Ruhrgebiet kreiert. Das altmodische Bierglas ohne Henkel feiert seit einigen Jahren ein Comeback. „Als ich zufällig an einer Hausräumung vorbei fuhr, setzte ich spaßeshalber den Blinker,“ erinnert er sich. Dort fand er seine ersten Exemplare. Alle Gläser wurden für einen Euro verkauft, sonst wären sie ins Altglas gekommen. Ihm sprang sofort der erste Willybecher seiner jetzigen Sammlung ins Auge. Das Wappen der ehemaligen Inselbrauerei in Lindau am Bodensee ist darauf abgebildet. Es ist bis heute sein Lieblingsstück.

Ich besuchte Flohmärkte und Brauereien. Mein Hobby konnte ich mit dem Außendienst verbinden.

Wolfgang Weiland

Ab diesem Tag war er den sogenannten Willybechern verfallen. „Ich besuchte Flohmärkte und Brauereien. Mein Hobby konnte ich mit dem Außendienst verbinden.“ Er selbst bezeichnet sich als Biergenießer und schätze vor allem die Biere der Allgäuer Region. Wolfgang Weiland feiert den Willybecher für die millimeterdünnen Wände. „Deshalb gibt es eine wunderschöne Schaumkrone auf dem Bier und man kann es auch besser stauchen als in einem Henkelglas.“

Außerdem leuchten die Wappen, Logos und Motive auf den Willybechern viel deutlicher als auf genoppten oder welligen Biergläsern, sagt der Sammler. Nicht das Bier im Glas erfreut den Sammler, sondern die vielen verschiedenen historischen Wappen und Logos der Brauereien, Städte, Adelsfamilien oder Klöster. Im goldgelben Hintergrund schimmern die großflächigen romantischen Stadtmotive besonders schön, schwärmt er.

Sein Enthusiasmus für Wappen manifestiert sich übrigens ebenfalls in der Verbindung zur Geschichte Kißleggs. Als leidenschaftlicher Hobbyhistoriker kennt er natürlich die Merkmale und Bedeutungen des Wappentieres seiner Heimat. Ein schwarzer Panther mit Ochsenhörner stellt das Wesen auf dem grün-weißen Wappen dar, erzählt er.

Kein Platz mehr: Sammlung muss verschenkt werden

Seit einigen Jahren haben seine gläsernen Schätze ein neues Zuhause. Nachdem er aus seinem alten Haus auszog, fand er nur schwer einen geeigneten Platz für so viel Gläser. Zur selben Zeit feierte das deutsche Reinheitsgebot 500-jähriges Jubiläum und die Brauerei Farny baute einen neuen Gasthof.

Da beschloss er, dass die über 500 Willybecher dort am besten aufgehoben wären. „Die Sammlung hat für mich einen ideellen Wert, den man nicht in Geld messen kann.“ Deshalb habe er die Gläser der Brauerei geschenkt. „Ich habe mich lang genug an ihnen erfreut und will sie nun mit Anderen teilen“, berichtet er.

Ich habe mich lang genug an ihnen erfreut und will sie nun mit Anderen teilen. 

Wolfgang Weiland

Zu seinen allerliebsten Raritäten gehören unter anderem die Juxgläser. Auf ihnen werden humorvolle Szenen des Biergenusses und dessen Auswirkungen gezeigt. „Ein Rothaus-Willybecher steht noch ganz oben auf meiner Wunschliste“, berichtet er. Er interessiert sich überwiegend für die Biergläser von „erloschenen Brauereien“, da sie einen hohen Seltenheitswert besäßen.

Nachdem seine Willybecher-Sammlung so gut wie vollendet ist , ist für ihn aber noch lang nicht Schluss mit den kuriosen Hobbies. Er beschäftigt sich bereits jetzt mit neuen Projekten und Ideen. Das ist aber noch geheim. Man wird wohl noch öfter von Wolfgang „Bochum“ Weiland hören.

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