Zwei musikalische Schwergewichte im Wettstreit

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Hans-Christian Hauser, Philine Blachny, Yumin Lee und Christian Zahlten (von links) beschlossen mit Klavierquartetten von Mozar
Hans-Christian Hauser, Philine Blachny, Yumin Lee und Christian Zahlten (von links) beschlossen mit Klavierquartetten von Mozart und Brahms im Kurhaus das 30. Isny Opernfestival. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

„Nach Ihrer Musik könnte man süchtig werden!“, wandte sich eine Zuhörerin nach der „Mittagsmusik am Bösendorferflügel“ im Kurhaus begeistert an Hans-Christian Hauser. Die beiden Klavierquartette von Wolfgang Amadeus Mozart und Johannes Brahms bildeten den Abschluss des 30. Isny-Opernfestivals 2018. Für die kammermusikalische Aufführung gab es von den rund 60 Besuchern minutenlangen Applaus.

Waren es bei der „Abendmusik“ Anfang vergangener Woche Mozarts Es-Dur Quintett und Brahms’ Klavierquintett f-Moll, die zur Aufführung kamen, legte Hauser, Pianist, Dirigent und künstlerischer Leiter des Festivals, vergangenen Samstag nach: Mit Violinist Christian Zahlten, Bratschistin Philine Blachny, Cellistin Yumin Lee und ihm selbst am Flügel.

Mozarts Klavierquartett g-Moll geht sofort ins Ohr, wenn das Allegro mit sprudelnden und quirligen Akkorden anhebt, vordergründig leicht tönend, doch dahinter komplex verschachtelt. Stets etwas verwegen und verschmitzt, wie es Mozarts Art war, nahm Hausers Interpretation die Zuhörer sofort für sich ein.

Durch seine Wendigkeit und Beweglichkeit, durch das lustvolle und zugleich präzise Variieren musikalischer Facetten, mit denen das am Anfang stehende Hauptthema immer wieder aufgenommen wird.

Worum ging es Mozart mit diesem Quartett, das zu Lebzeiten kein Verkaufsschlager wurde? Er wollte Neues schaffen – also weg vom dominanten Klavierpart, den die Streicher lediglich zu begleiten hatten, und hin zum Dialog.

Den weidete das Quartett nach dem fulminanten Schlussakkord des Allegro und einem lyrisch gefärbten langsamen Satz im Rondo aus. Spritzig wechselten sie die Positionen. Mal mehr getragen, dann wieder höher und tiefer gestimmt quillt und quellt der Satz aus sich heraus, bringt jeden Moment Neues hervor, so als führe das Ganze eine unsichtbare Hand.

Längste je komponierten Sätze

Wie nicht anders zu erwarten, bot Brahms’ Klavierquartett A-Dur einen scharfen Kontrast: Mit 50 Minuten Spielzeit gehören die vier Sätze mit zu den längsten, die er je komponiert hat. Im Jahr 1855 während seines Aufenthaltes in Düsseldorf liegen die Anfänge dieses Frühwerks. Es durchlief eine Reihe von Änderungen, bis Brahms es schließlich im Wiener Musikverein der Öffentlichkeit präsentierte.

Dass es – ohne Frage – ein schwerer Brocken ist, daran ließ auch Hausers Quartett keinen Zweifel: Wenn Klavier und Streicher gleich im ersten Satz gegen- und miteinander anzutreten scheinen, messerscharf den Rhythmus in die Höhe schrauben und sich aus Lyrischem Dramatisches formt, was einer Zerreißprobe gleichkommt. Im Poco Adagio, als sie in ruhigere Gewässer gelangten, stachen dunkel-düster gefärbte Phrasierungen seitens des Cellos hervor, abgelöst von einem hell leuchtenden Klavierpart.

Nicht von dieser Welt, mochte man meinen für den Moment – bis im Scherzo Versatzstücke aufeinander folgten, um ruckartig in einen ungarischen Tanz überzuleiten. Kompromisslos brachte Hausers Anschlag die tonale Wucht zum Ausdruck. Den Sturm besänftigten sofort wieder lyrische Episoden. Im finalen Allegro schienen sich die Kreise zu schließen. Eingangs Sperriges und Aufgewühltes formte sich zu einem harmonischen Ganzen, das eine gewisse, aber nicht minder spannungsgeladene Ruhe ausstrahlte. Betörend schön gaben sich die kurzen Streichersätze, die bei aller Verhaltenheit sphärisch getragene Klangräume entwickelten. Zu lang? Nein, so die Meinung der meisten Zuhörer, die den Auftritt mit vielen Bravorufen goutierten.

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