Zwei Männer über 100 Jahre

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Das „Team TV Isny“ beim Transalpine Run 2018: Hansjörg Hübner (l.) und Sven Zaminer.
Das „Team TV Isny“ beim Transalpine Run 2018: Hansjörg Hübner (l.) und Sven Zaminer. (Foto: Tobias Schumacher)

Sieben Tagesetappen, 255,4 Kilometer Wegstrecke mit 16 398 Höhenmetern im Aufstieg und 16 523 Höhenmeter im Abstieg, der höchste Gipfel misst 2992 Meter: Hinter diesen Zahlen versteckt sich das „Wochenprogramm“ von Hansjörg Hübner (65) und Sven Zaminer (36) vom Sonntag, 2. September, bis zum 8. September. Als eines von mehr als 30 Zweier-Teams aus aller Welt – das zusammengerechnet ein Lebensalter von mehr als 100 Jahren aufweist – nehmen die beiden Isnyer Extrem-Läufer am „GoreTex Transalpine Run“ von Garmisch-Partenkirchen nach Brixen in Südtirol teil. SZ-Redakteur Tobias Schumacher haben sie vorab ihr ehrgeiziges Vorhaben geschildert, zu dem sie als „Team TV Isny“ aufbrechen.

Hansjörg Hübner, Sven Zaminer, in acht Tagen einmal quer durch die Alpen – wie kamen Sie beide auf solch eine Idee?

Hübner: Geplant haben wir das ab Herbst 2017, im Dezember haben wir uns angemeldet, insgesamt dürfen nur 300 Zweier-Teams laufen, am 8. August 2018 war die Liste fast voll.

Zaminer: Die Teilnehmer kommen aus den USA, China, Korea, Großbritannien – wobei wir uns bei letzteren scherzhaft gefragt haben: Können die überhaupt über Berge laufen (lacht).

Wie bereitet man sich auf solch eine Herausforderung vor?

Zaminer: Das Aufbautraining hat jeder von uns beiden unterschiedlich gemacht. Hansjörg ist eher im Triathlon zuhause, ich bin eher Trail-Läufer, wobei wir im Winter und Frühjahr schon viel zusammen unternommen haben.

Was kann sich ein Laie unter dem Transalpine Run vorstellen?

Hübner: Es gibt drei Kategorien, wir starten in der Klasse „Männer über 100 Jahre“ (lacht) – zusammen liegen wir ja bei 101 Jahren. Uns hat überrascht, dass über 30 Teams mit uns in der Altersklasse gemeldet haben.

Zaminer: Besonders am Transalpine Run ist der Start als Zweier-Team, vor allem auch dieser Team-Gedanke hat uns gereizt. Während der sieben Etappen läuft man teilweise mehr als die Marathonstrecke von 42 Kilometern am Tag, und dabei darf das Team nicht mehr als zwei Minuten auseinander bleiben. Es gibt Checkpoints...

...und ein Tages-Zeitlimit?

Zaminer: Genau, wie beispielsweise bei der Tour de France. Schwächen, Stärken, Durchhänger – all das wird uns begleiten, konzentriert eine Woche hindurch; ganz zu schweigen von der Reaktion des Körpers überhaupt, vom Bänder-Sehnenapparat und so weiter.

Hübner: Ich habe zum Beispiel vor der dritten Etappe ein bisschen Bammel, bei der allein beim Aufstieg über 3000 Höhenmeter zu bewältigen sind. Generell geht man morgens mit schweren Beinen los und hofft, dass man schnell seinen Rhythmus findet.

Gibt es besondere Startvorgaben?

Zaminer: Unsere Pflichtausrüstung, die täglich kontrolliert wird, beinhaltet einen Trail-Rucksack, für jeden 1,5 Liter Flüssigkeit, Notfallverpflegung, eine Rettungsdecke und ein Erste-Hilfe-Set, profilierte Schuhsohlen, Wärmebekleidung...

Hübner: ...auch als Reaktion auf die Vorkommnisse mit dem überraschenden Wintereinbruch beim Zugspitzlauf vor ein paar Jahren...

Zaminer: ...haben wir außerdem Handschuhe, Mütze, Pullover mit langen Ärmeln, eine warme Hose, Regenjacke und -hose dabei.

Was Sie alles über die Berge schleppen...

Hübner: Wir haben sogar Stöcke dabei, mit denen ich persönlich aber noch wenig Erfahrung habe. In der Vorbereitung liest man viel, es heißt, Stöcke helfen bei langen Bergab-Passagen, das ist eine Empfehlung des Veranstalters – immerhin streifen wir den Gletscher Rettenbachferner, dort wird es schlammig, außerdem rechnen wir mit vielen nassen Wiesen.

Zaminer: Den Berg hoch empfand ich Stöcke in steilen Passagen als Erleichterung.

Die Rucksäcke sind vermutlich nicht das einzige Gepäck?

Hübner: Natürlich nicht. Wir haben ein Begleit-Team, Monika Mandl vom TV-Isny fährt mit einem Wohnmobil mit, das uns der Isnyer Verleiher McRent mit einem Rabatt sponsert, und auch das Argenbühler Bauunternehmen Deiss unterstützt uns.

In dem Sie auch schlafen?

Hübner: Das werden wir versuchen, aber man kann vor Ort auch Unterkünfte buchen. In jedem Fall wird uns Monika morgens immer ermuntern.

Was kostet das „Vergnügen“?

Zaminer: Zu den Kosten fürs Wohnmobil kommen 1500 Euro Startgeld. Das beinhaltet unsere Versorgung unterwegs, die Streckenposten, die Bergwacht, Ärzte und ein Physio-Team werden davon bezahlt, auch die reichhaltige Verpflegung. So gibt es abends eine Pasta-Party, aber ob das unserer Form zuträglich ist...

Hübner: Wir wollen durchkommen, weil man den Transalpine Run einmal im Leben gemacht haben sollte. Die Quote liegt bei 60 bis 75 Prozent – das heißt, jedes vierte Team schafft’s nicht ins Ziel. Am härtesten stelle ich mir die Zwei-Minuten-Vorgabe vor. Das weiß man auf der gesamten Strecke genau. Auch dafür haben wir viel trainiert. Wenn Sven und ich nach dem Lauf zerstritten sind, dann hat das andere Gründe... (lacht).

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