Zumthor-Bau: 72 Prozent der Isnyer stimmen mit „Nein“

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Schwäbische Zeitung
Michael Loskarn
Redaktionsleiter

4657 Isnyer haben am Sonntag gegen die Fortführung des Projekts „Neues Stadttor Isny“ gestimmt. Somit votierten exakt 72,0 Prozent gegen den Bau des Zumthor-Turmes in der Obertorstraße.

Lediglich 28 Prozent (1814 „Ja“-Stimmen) der insgesamt 6484 Bürger, die zur Wahlurne geschritten waren, hatten sich für das 20-Millionen-Projekt ausgesprochen. Die Wahlbeteiligung – 10306 Bürger waren stimmberechtigt – lag bei 62,9 Prozent. Das gesetzlich geforderte Quorum in Höhe von mindestens 2577 „Nein“-Stimmen wurde somit weit überschritten. Ganze 13 Stimmen waren ungültig.

„Ich bin sehr enttäuscht und hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht“, sagte Bürgermeister Rainer Magenreuter gegen 18.35 Uhr im großen Sitzungssaal des Isnyer Rathauses. Mit knapp 63 Prozent liege die Beteiligung am Bürgerentscheid zwar recht hoch. Dass die Entscheidung jedoch so eindeutig ausfallen würde, damit hatte der Schultes nicht gerechnet. Sich nun auf einen neuen Weg zu machen, Alternativen zur Zukunftsgestaltung von Isny zu suchen, sei nun „sehr, sehr schwer“.

Als Sieger ging die Bürgerinitiative (BI) pro Bürgerentscheid aus dem monatelangen Rennen um den neuen Turm des Schweizer Stararchitekten Peter Zumthor hervor. „Wir freuen uns, dass die Argumente der BI die Bürger überzeugt haben und sie in unserem Sinne abgestimmt haben“, sagte BI-Sprecher Albert Steiner im Interview. Bürgermeister und Gemeinderat hätten aufgrund des Ergebnisses „Gelegenheit darüber nachzudenken, warum ihnen die Bürger das Vertrauen nicht ausgesprochen haben“.

Nicht enttäuscht, sondern entsetzt zeigte sich der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Gebhard Mayer. Trotz einer erfreulich hohen Beteiligung müsse er sich schon fragen, „ob ich noch legitimiert bin, die Bevölkerung dieser Stadt zu vertreten“. Mayer gehöre nicht zu den Menschen, die alles „so lassen wie es ist“. Entsetzt sei er auch drüber, dass die populistischen Argumente der Gegner „mehr ziehen als unsere Arbeit. Dann müsst ihr andere in den Rat schicken.“

„Das ist ja unglaublich, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Karl Immler, als sich die Wahlschlappe der Befürworter abzeichnete. „Ich bin bestürzt, dass so eine große Gruppe gefühlt daneben liegen kann.“ Viele Bürger hätten wohl mit ihrer echten Meinung hinter dem Berg gehalten.

Wenn auch enttäuscht, so wünschte sich SPD-Fraktionschef Edwin Stöckle doch, dass der „Schwung und die Bewegung in der Bürgerschaft jetzt nicht wieder nachlässt“. Positiv müsse diese Energie nun auf die Gestaltung der Südlichen Altstadt sowie auf die weitere Sanierung des Schulzentrums übertragen werden.

„Die Welt hat begeistert und mit Hochachtung auf Isny geschaut, nun wird sie mit maßlosem Entsetzen reagieren, weil sie nicht verstehen wird, warum eine solche Chance zerstört wurde“, formulierte Projektkoordinatorin Sonja Rube. Ihre Kollegin Ruth Küster-Beilharz sprach von der „negativsten Presse für Isny“, die jetzt nach draußen gehe. „Das Zeichen, das wir jetzt in die Welt senden, ist verheerend“, brach sich ihre Traurigkeit Bahn.

In zwölf Abstimmungsbezirken sowie zweien für die Briefwahl, hatten rund 100 Helfer unter der Regie von Anita Gösele gewirkt. Und bei dieser Abstimmung ging’s flugs: Bereits um 18.34 Uhr waren die Ergebnisse im großen Sitzungssaal an der Leinwand zu sehen.

Eine klare Angelegenheit war es in Rohrdorf: 74,7 Prozent der Stimmberechtigten hatten gegen das neue Stadttor votiert. Nicht minder deutlich hatten sich die Beurener für den Zumthor-Bau ausgesprochen – 74,5 Prozent stimmten dagegen. Gar 76,0 Prozent der Großholzleuter sagten „Nein“, immerhin noch 71,3 Prozent waren es in Neutrauchburg und in Kleinhaslach 64,4. In der Kernstadt votierten die Bürger im Wahlbezirk Isny-Süd (68,5), Isny-Nord/Östlicher Teil (77,5), Isny-Nord/Westlicher Teil (75,3) sowie Isny-Ost (75,7) jeweils deutlich gegen den neuen Turm. Isny-Stadtmitte (66,5), Isny-West/Südlicher Teil (63,2), Isny-West/Nördlicher Teil (69,4) erteilten dem Projekt ebenfalls eine Absage. Von den 1143 Briefwählern stimmten 73,8 Prozent gegen das neue Stadttor.

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