Wo die Augenbraue der Venus zu finden ist

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 Auf den Spuren der Heilkraft der Natur: Kräuterwandung mit Expertin Sonja Raiser-Stehr durch das Ulmertal.
Auf den Spuren der Heilkraft der Natur: Kräuterwandung mit Expertin Sonja Raiser-Stehr durch das Ulmertal. (Foto: Kim Romagnoli)
Kim Romagnoli

„Es ist wirklich spannend zu erfahren, welche Wirkung selbst unscheinbare Kräuter haben, denen ich im Alltag vermutlich gar keine Beachtung schenken würde, sagt eine Teilnehmerin der Kräuterwanderung mit Sonja Raiser-Stehr, die regelmäßig solche informativen Exkursionen anbietet. So auch am 18. August im Rahmen deis Isnyer Natursommers. Da ging es mit 15 Teilnehmern vom Wanderparkplatz Blockwiesen zwischen Schmidsfelden und Eisenbach aus durch das Ulmertal.

Erstaunlich sei es, wie viele verschiedene Kräuter auf einer Stecke von zwei bis drei Kilometer zu entdecken sind, sagte eine eine Teilnehmerin. Dabei verliere man schnell den Überblick oder neige zu Verwechselungen. Doch die zertifizierte Wildkräuterführerin Raiser-Stehr teilte bereitwillig ihr Wissen und ihre Erfahrung auf der zweistündigen Tour, auf der sich einige der Teilnehmer ebenfalls als Kräuterexperten erwiesen.

Für jedes Problem das passende Kraut

Zahlreiche Fragen wurden besprochen und Diskussionen geführt, beispielsweise darüber, inwiefern der gute Ruf mancher Heilpflanzen im Moment zurecht von der Pharmaindustrie hinterfragt wird. Während diese Frage zwar größtenteils offen blieb, beeindruckte Raiser-Stehr die Gruppe, indem sie für nahezu jedes Problem das passende Kraut zu nennen wusste: Wer beispielsweise beim Wandern kein Blasenpflaster zu Hand hat, kann auf Breitwegerich zurückgreifen. Gegen Prüfungsangst schlägt die Wildkräuterführerin Eisenkraut vor und empfiehlt Johanneskraut oder Baldrian zur Beruhigung.

Natürlich durfte auch die Brennnessel als „lokal wachsendes Superfood“ nicht fehlen. Sie findet nicht nur als Tee oder im Salat Verwendung, sondern schmeckt auch in Kräuterbutter oder Pesto. Dabei sind nicht nur die Blätter, sondern auch die Samen der Pflanze, sobald bräunlich gefärbt, zum Verzehr geeignet. So ließ es sich die Wandergruppe nicht nehmen, während dem Rückweg gelegentlich Brennnesselsamen zu verspeisen, oder Rezepte für Brennesselpfannkuchen auszutauschen.

Pflanzen mit mehreren Bezeichnungen

Raiser-Stehr hat absolvierte ihre Ausbildung beim Allgäuer Kräuterland und hat zudem eine Heilpflanzenausbildung. Ihr Wissen eignet sie sich, so erzählt sie, durch das Besuchen verschiedener Vorträge und Veranstaltungen an, sie liest Bücher und experimentiert gerne selbst in der Küche mit Wildkräutern. Deshalb weiß sie auch, dass es für manche Pflanzen mehrere Bezeichnungen gibt. So amüsierte beispielsweise die Schafgarbe, die vor allem Verwendung in der Küche findet, die Teilnehmer durch ihren Beinamen „Augenbraue der Venus“, den sie aufgrund ihrer Form erhalten hat.

Nach der Wanderung bot Raiser-Stehr eine Kostprobe ihrer selbst hergestellten Kräuterlimonade an und lieferte damit endgültig den Beweis, dass industriell angefertigte Lebensmittel oftmals natürliche Produkte einfach nicht übertrumpfen können, war sie die Wandergruppe einig.

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