Wo alle Wege enden...

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 Der Arbeitskreis Heimatpflege vor dem Albrecht Wachterschen Epitaph an der Friedhofsmauer zur Stadt hin.
Der Arbeitskreis Heimatpflege vor dem Albrecht Wachterschen Epitaph an der Friedhofsmauer zur Stadt hin. (Foto: Walter Schmid)
Walter Schmid

Wer den Friedhof betritt, tritt ein in eine andere Welt – in die Welt der Toten. Hier ist Ruhe, kein Auto, keine Radler, keine eiligen Fußgänger. Nur ganz im Osten beschneiden zwei Bauhofgärtner die Buchenhecke und nehmen den Abraum auch gleich mit auf ihrem Transporter.

Eine ältere Dame trägt eine Gießkanne Wasser zu einer frischen Grabstelle. Zwei Senioren sitzen auf einer Bank und schwätzen miteinander, kaum hörbar. Auf dem Friedhof ist es schön und ruhig wie in einem Park, draußen vor einer Stadt. Und man wird gewahr, wie es Rainer Maria Rilke formuliert: „Ein Abgrund ist der Tod, ein ewig trüber, wie schön mit Blumen ihn der Dichter schmücken mag... kein Schluss der Weisheit schlägt die kühne Brücke – und nur des Glaubens Flügel trägt hinüber.“

Beim Spaziergang mit dem Arbeitskreis Heimatpflege durch den städtischen und den evangelischen Teil des Friedhofs stand ein dreifaches Interesse im Fokus: Die Bestattungsmöglichkeiten heute im Spiegel der gesellschaftlichen Veränderungen sowie die teils imposanten Grabmale bedeutender Isnyer Persönlichkeiten im evangelischen Teil, auch Bufflers Garten genannt. Grabmale, die teils seit Jahrhunderten Wind und Wetter und letztlich dem Verfall ausgesetzt sind. Zur Heimatpflege gehöre auch der Friedhof, auch wenn es unausweichlich die letzte Heimat ist, sei er auch Ort der Erinnerung an Epochen und Persönlichkeiten.

Ein Gang über den städtischen Friedhof zeigt, dass es heutzutage verschiedene Bestattungsmöglichkeiten gibt. Wenn eine Generation zurück noch fast ausschließlich die Erdbestattung im Sarg und mit anschließender, verpflichtender Grabpflege die Regel war, so sind es heute mehrheitlich Feuerbestattungen, bei denen nur eine Urne beigesetzt wird – an der Friedhofsmauer entlang, im Urnengrab um eine Stehle oder Urnen-Reihengräber auf denen eine Steinplatte oder ein Naturstein liegt. Immer aber weist ein kleines Namensschild darauf hin, dass da ein Mensch mit Namen seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Der Wunsch nach pflegefreien Gräbern ist vor allem den gesellschaftlichen Veränderungen geschuldet. Freilich gäbe es immer noch ganz „normale“ Erdbestattungen als Rasen-, Reihen- und Wahlgräber, so ist im Friedhofsamt der Stadt zu erfahren, wo auch die Details genau erklärt werden. Ein anonymes Gräberfeld gäbe es noch nicht, sei jedoch im Gespräch, so ist zu erfahren.

Besonders im evangelischen Friedhof, den Familie Buffler 1522 ihrer evangelischen Kirche vermacht hat, ist durch die eindrucksvollen Grabmale mehr oder weniger bedeutender Persönlichkeiten auch deren Vergänglichkeit zu sehen. Geläufig sind sie den Isnyern durch die Straßennamen im täglichen Gebrauch. Aber auch Epitaphe, Grabmale, Tafeln, Grabplatten, erinnern in Bufflers Garten an sie: Buffler, Lohbauer, Ebertz, Schlegel, Springer, Berg, Baur, Feuerstein, Weißland, Bader. Die Grabstellen von General Moser, Ludwig, Sulzer, Leibfried, Diestel sind von einer Thujahecke umgeben. Auf der evangelischen Kirchenpflege ist von Elke Schottmüller zu erfahren, dass es mindestens 25 erhaltenswerte Grabmale sind. Dass man zwar über deren Zustand durchaus weiß, dass es zur Erhaltung mit ein bisschen Reinigung und Konservierung aber nicht getan ist. An eine fachliche, angemessene Restaurierung, bei der auch das Denkmalamt mitredet, sei aus finanziellen Gründen nicht zu denken. Was auf dem Friedhof finanziell erwirtschaftet wird, werde für Wege, Rasen, Gräberabraum, Wasser, Sicherheit der Bäume und Ähnlichem wieder verbraucht.

Auch im evangelischen Teil spiegelt sich die veränderte Bestattungskultur. An der Friedhofsmauer entlang gibt es pflegefreie Urnengräber oder um drei Stehlen und in der Wegbiegung im südöstlichen Bereich Rasen-Urnengräber auf denen eine Namensplatte liegt. Zumindest der Name des Verstorbenen gehöre jeweils zur Grabstelle. Im evangelischen Teil, der zwar offen ist für alle, gehört verpflichtend eine christliche Beerdigung, in der an die christliche Auferstehungshoffnung erinnert wird. Dass alle Traurigkeit sich einmal in Freude umkehren wird.

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