„Wir wollen keinen Tag vermissen“

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 Johanna und Hans Maushart wurde an ihrem diamantenen Hochzeitstag von Sibylle Lenz besucht.
Johanna und Hans Maushart wurde an ihrem diamantenen Hochzeitstag von Sibylle Lenz besucht. (Foto: Lenz)

„Frau Sibylle Lenz von der Stadt war bei uns zum Weißwurstfrühstück. Der Besuch war uns eine Ehre – ein sehr angenehmer Gast. Wir sind nicht vergessen und das freut uns sehr“: Mit diesen Worten haben die beiden betagten Eheleute Hans und Johanna Maushart den Gratulationsbesuch von Sibylle Lenz in Vertretung des Bürgermeisters zu ihrer diamantenen Hochzeit kommentiert. Lenz überbrachte die Glückwünsche der Stadt mit Blumen und Ehrenurkunden des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann aus Stuttgart und des Bischofs aus Rottenburg, Gebhard Fürst. Und sie fügen an: „Wenn der Pfarrer irgendwann ebenfalls kommt, dann kriegt der auch noch eine Weißwurst.“

Hans Maushart nennt sich selbst ein Isnyer Urgestein. Im Wilhelmstift geboren, in Isny aufgewachsen und zur Schule gegangen, hat er hier lebenslang gearbeitet. Wegen Lehrstellenmangel ging‘s gleich nach der Schule, zunächst für ein Jahr in die Quadtsche Ziegelei nach Ratzenhofen, dann für zehn Jahre zu Gardinia und dann noch 30 Jahre zu Dethleffs. Gesundheitlich leicht angeschlagen durfte er bis heute doch noch mehr als 20 Jahre lang das Rentnerleben genießen.

Geschätzte Neubürger

Johanna Maushart gehörte 1945 zu den damals „ungeliebten Vertriebenen“, die doch im Laufe der Jahre zu den geschätzten Neubürgern wurden. Johanna war gerade mal zwölf Jahre alt, als die Mutter mit ihren fünf Kindern, der Vater im Krieg, losziehen musste. Das Meiste scheint verdrängt oder vergessen, nur die brennende Stadt Dresden, dieser Anblick sitzt ihr noch in den Knochen. Johannas Familie landete im Armenhaus in Riedholz bei Maierhöfen, denn um die große Zahl der Menschen unterzubringen, musste jeder Raum als Wohnraum genutzt werden. Johanna ging in Riedholz noch zur Schule und fand danach gleich Arbeit fürs Leben bei der Firma Springer in Isny. Der Vater kam aus dem Krieg zurück, fand ebenfalls Arbeit bei Springer und schon Ende der 50er-Jahre wurde an einem Reihenhaus mitgebaut.

Spätestens ab der Heirat 1959 mit Hans Maushart wurde Johanna richtige Isnyerin. Das Ehepaar Maushart zog ihre drei Kinder groß und durfte sich im Älterwerden an drei Enkelkindern und vier Urenkeln mitfreuen. Von den Kindern und Enkeln täglich besucht und mit dem Notwendigsten betreut, erlebt das Jubelpaar noch gute Jahre. Rückblickend würden sie nichts anders machen: „Wir wollen in unserem Leben keinen Tag vermissen.“

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