„Wir helfen sehen“ gegen Armut und Tod

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Zum zweiten Mal nach 2018 haben Rüdiger Walzer, seine Frau Sabine und Sohn Daniel ihren Urlaub im Frühsommer dieses Jahres ihrem Hilfsprojekt in Afrika gewidmet: Der Isnyer Optikermeister nahm bei nahezu 600 Kindern und einigen Erwachsenen in Uganda Sehtests vor, verteilte Brillen und Lesehilfen oder sorgte dafür, dass ernsthafte Augenschäden medizinisch behandelt werden konnten.

„Wir helfen sehen“ heißt der gemeinnützige Verein, den die Walzers gemeinsam mit Freunden und Verwandten vor fast genau einem Jahr, am 6. Dezember 2018, ins Leben gerufen haben. „Helfen bringt Freude“, die Weihnachtsspendenaktion der „Schwäbischen Zeitung“, unterstützt die Initiative zum ersten Mal.

Buchstaben erkennen, an der Tafel, in Büchern

Ziel des Vereins ist, Kindern mit Sehschwächen, die in Slums oder bedürftigen Familien auf dem Land leben, mittels Brillen oder Lesehilfen eine erfolgreiche Teilnahme am Schulunterricht zu ermöglichen. „Bildung durch das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen ist elementar für einen Ausweg aus Armut“, sagt Walzer. Das alles bleibe Kindern verwehrt, die an Schultafeln, in Büchern oder Heften keine Zahlen und Buchstaben erkennen. Sie können dem Unterricht nicht folgen, brechen den Schulbesuch oft ab, sind in Dorfgemeinschaften oder selbst den eigenen Familien stigmatisiert. Als Absteiger und Verlierer werden sie in den sozialen Hierarchien vernachlässigt, was bis zum Tod führen könne, weiß Walzer.

Bei seinen Sehtests erkennt er auch gravierendere Augenerkrankungen, sein Verein ermöglicht eine ärztliche Behandlung. Außerdem hat er dieses Jahr Kinder und Erwachsene besucht, die als Tagelöhner in Steinbrüchen einen kärglichen Lohn verdienen, indem sie sitzend mit Hämmern Kiesel klein klopfen, die im Bau verwendet werden. „Dabei kommt es ständig vor, dass Splitter ins Auge spritzen“, berichtet Walzer.

Schwere Augenverletzungen in Steinbrüchen

Er und Augenoptik-Studentin Lucy Müller, die von September bis Dezember 2019 für „Wir helfen sehen e.V.“ ihr Praxissemester in Uganda absolviert hat, berichten von teils sogar lebensbedrohlichen Augenverletzungen, die Menschen in den Steinbrüchen davontragen (siehe Bericht unten). Der Verein der Optikerfamilie aus Isny finanziert eine ärztliche Versorgung für Patienten, die eine dringend nötige Behandlung selbst nicht bezahlen können.

Rüdiger Walzer kooperiert in Uganda mit der niederländischen Hilfsorganisation „22 Stars Foundation“, die dort über Kinderpatenschaften Schulbesuche und warme Mahlzeiten finanziert. Sohn Daniel unterstützt „22 Stars“ schon länger, wodurch auch der Kontakt zustande kam zum Projekt „OneDollarGlasses“, einer weltweiten Aktion, die in Entwicklungsländern Bedürftigen Brillen und Sehhilfen zum Preis von einem Dollar verschafft.

Kleiner, aber wichtiger Auftrag: Schutzbrillen verteilen

Ein Programm von „22 Stars“ heißt: „Raus aus dem Steinbruch“. Das brachte Rüdiger Walzer auch 2019 in einen Steinbruch in einem Slum, in dem Erwachsene und Kinder in der oben beschriebenen Weise arbeiten: „Wir übernahmen einen kleinen, aber wichtigen Auftrag für die Augengesundheit – wenigstens Schutzbrillen verteilen...“

Darüber hinaus testete Walzer an acht Tagen seines 14-tägigen Aufenthalts in Schulen in Kampala und der Stadt Jinja rund 600 Kinder auf ihre Sehfähigkeit. „Bei circa zehn Prozent der Kinder ab elf, zwölf Jahren war das Sehvermögen nicht optimal, bei denen haben wir genauer nachgemessen. Jüngere haben wir zu einem Augenarzt geschickt, die Untersuchung und eine nötige, anschließende Behandlung wird über unseren Verein bezahlt und sichergestellt“, schildert Walzer.

Für die Untersuchungen stellte „22 Stars“ Räume zur Verfügung, rund 50 Menschen hätten eine Lesebrille gebraucht, die der Isnyer im Gepäck hatte. „Wo größere Auffälligkeiten waren, haben wir die Menschen direkt zum Arzt geschickt“.

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