Wild nähert sich urbanem Lebensraum

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 Jäger Uwe Deißler aus Isny hat die Ausbildung zum Stadtjäger erfolgreich abgeschlossen und steht bereit, sobald der Gesetzgeber
Jäger Uwe Deißler aus Isny hat die Ausbildung zum Stadtjäger erfolgreich abgeschlossen und steht bereit, sobald der Gesetzgeber den Handlungsrahmen für dieses Amt in Kraft gesetzt hat. (Foto: Walter Schmid)
Walter Schmid

Auf der Grundlage der Ausbildungsverordnung des Jagd-Natur-Wildtierschützenverbandes Baden-Württemberg, darf Jäger Uwe Deißler den Titel „Geprüfter Stadtjäger“ führen, heißt es in der Ernennungsurkunde. Im Begleitschreiben wird aufgeführt, dass der künftige Isnyer Stadtjäger über die eigentliche Jägerprüfung hinaus, an allen Fortbildungsmodulen teilgenommen und die Prüfung zum Stadtjäger erfolgreich abgelegt hat: Einführung, Öffentlichkeitsarbeit, Vergrämen und Fangen, praktische Übungen, Wildtiere im urbanen Siedlungsraum, Wildkrankheiten, Schießen, Jagdrecht, Prüfung.

Im Landkreis Ravensburg gibt es bislang nur drei ausgebildete Stadtjäger, die prädestiniert und bereit sind dieses Amt zu übernehmen, einer davon ist der Isnyer Uwe Deißler.

Im Gespräch über die Notwendigkeit eines Stadtjägers ist es Deißler wichtig, auf die „Ehrenhymne“ aller Waidmänner und -frauen hinzuweisen. Sie definiert das Berufsethos des Jägers: „Das ist des Jägers Ehrenschild, das er beschützt und hegt sein Wild, waidmännisch jagt, wie sich’s gebührt, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt. Das Kriegsgeschoss der Hass regiert, die Lieb zum Wild den Stutzen führt…“

Das eine sei das Jagdrevier in Wald und Flur. Dort sei es die ureigene und gesetzlich vorgeschriebene Aufgabe des Jägers: „Tu alles, um eine gesunde Population des einheimischen Wildes zu erhalten“, so formuliert es Deißler. Das Schießen – oder das „Strecken“ wie der Jäger sagt – sei dabei die allerkleinste Arbeit. Die Anzahl von Rehwild und Rotwild, die in einem Revier geschossen werden muss, lege die Jagdgenossenschaft und Waldbesitzer in Kooperation mit dem Forstamt fest und richte sich vor allem nach dem Verbiss, also nach der Schädigung des nachwachsenden Jungwaldes durch das Wild. Denn wenn der Terminaltrieb der Weißtanne als der Leckerbissen eines Rehs abgebissen ist, ist der Wuchs erheblich verzögert. „Wenn ein gestrecktes Wild vor dem Jäger liegt“, erzählt Deißler zum Berufsethos des Jägers weiter, „bekommt es ein gutes Kräutlein als letzten Bissen in den Äser (sein Maul) gesteckt, er nimmt den Hut ab und blickt zum Dank nach oben zum Schöpfer.“ Es gehe als oberstes Gebot immer um den Tierschutz in Relation zur nachhaltigen Pflege des Waldes. Dabei sei der Jäger der Anwalt des Tieres in seinem Revier.

Uneinsichtige Waldnutzer

Wer aber ist zuständig für das Wild, das sich immer mehr dem Siedlungsraum des Menschen nähert? Es gebe Regionen, in denen Wildschweine Parks, Gärten, Grünstreifen, gar Friedhöfe durchwühlen oder Mülleimer umkippen und Krankheiten einschleppen, hungrige Füchse Haustiere jagen und in Hühnerställe eindringen. In wieder anderen Regionen seien es Waschbär, Marderhund und Mink die einheimische Tiere verdrängen. In unserer Region sei es der Fuchs der Krankheiten einschleppt, Marder die Isolierungen zerstören und in ihrem Kot Krankheitskeime hinterlassen, erklärt Deißler. Nicht zuletzt tragen uneinsichtige Jogger, Mountainbiker und Schneeschuhläufer, die bei Tag und Nacht die Tiere aus ihren angestammten Revieren vertreiben, dazu bei. Ein anderer Fall ist der wild gewordene Stier, der nicht mehr zu bändigen war und sich bedenklich einem Stadtrandgebiet genähert hat. Wenn Gefahr im Verzug ist für die öffentliche Sicherheit, Ordnung und Gesundheit, müsse von politischer Seite eingegriffen werden, so erklärt Deißle.

Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz hätte erkannt, dass vorsorglich etwas getan werden muss. Es sei beabsichtigt, dass die Funktion des Stadtjägers ab 2019 gesetzlich verankert und mit dem notwendigen rechtlich abgesicherten Handlungsspielraum ausstattet wird. Jeder Eigentümer von Grund und Boden hätte zwar das „Jagdrecht“ eine Falle zu stellen, wenn er Ausbildung und Erlaubnis der Unteren Jagdbehörde vorweisen kann. Weil vermutlich niemand daran Interesse hat auf eine schriftliche Genehmigung zu warten, dass er eine Falle stellen oder einen Jäger zu Hilfe rufen darf, um ein Fremdwild an Ort und Stelle artgerecht unschädlich zumachen, hat der Gesetzgeber mit den Ausbildungsgängen zum Stadtjäger vorgesorgt.

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