Wie wunderbar Harfe und Klavier harmonieren

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 Lukas Maria Kuen und Magdalena Hoffmann, Mitglieder des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, betörten im Isnyer Refekt
Lukas Maria Kuen und Magdalena Hoffmann, Mitglieder des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, betörten im Isnyer Refektorium. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Klavier und Harfe, wie gut sie zusammenpassen, demonstrierten Magdalena Hoffmann und Lukas Maria Kuen im Rahmen der Konzertreihe „Klavier Plus“. Sie bestritten den ausverkauften Abend im Refektorium mit für Harfe komponierten Werken von Maurice Ravel und Claude Debussy. Hinzu kam selten Gehörtes der Franzosen Germaine Tailleferre und François-Joseph Naderman. Für große Spannung sorgten Hoffmanns für Harfe neu arrangierte Klavierwalzer von Frédéric Chopin.

„Es ist ein sehr ungewöhnlicher Abend“, wandte sich die Solo-Harfenistin des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks und Dozentin am Tiroler Landeskonservatorium an die Zuhörer; mit dem „Big Brother“, dem Klavier als Duo-Partner, in dessen Schatten die Harfe normalerweise stehe, obwohl sie mit den vielen Pedalen viel schwieriger zu spielen ist. Doch als die Anfrage vom Kulturforum Isny e. V. kam, sei es für sie vorstellbar gewesen, es mit diesem Pianisten zu wagen, der ebenfalls Mitglied des Symphonieorchesters ist und eine Professur an der Münchner Hochschule für Musik und Theater bekleidet.

Saiten und Tasten aus einem Guss

Recht sollte sie behalten, was gleich der Auftakt mit Debussys „Danse sacrée et danse profane“ bewies. Sofort besticht das überaus harmonische Zusammenspiel, bei dem sich beide Instrumente klanglich so nahe kommen, dass Debussys tänzerische Melodie wie aus einem Guss tönt. Insbesondere in den dramatischen Steigerungen und Verdichtungen, bevor sich beider Welten wieder vereinzeln, um in den charakteristischen, wassergleich fließenden Strömungen aufzugehen.

Sehr locker und selbstverständlich interpretiert das Duo den im Dreivierteltakt gehaltenen „Danse profane“, der sich nahtlos an den geistlichen Tanz anschließt. Bei den „Deux danses“ handelt es sich um Auftragswerke, wie auch Ravels „Introduction et Allegro“ eines war. Zwei konkurrierende Pariser Klavier- und Harfenbaufirmen, Pleyel und Erard, wollten das Spiel auf der Doppelpedalharfe und der chromatischen Harfe technisch verbessern und spannten dafür namhafte Komponisten ein. Durchgesetzt auf dem Markt hat sich die Doppelpedalharfe – bis heute.

Mit Ravels 1905 (ein Jahr nach Debussys „Danses“) entstandener Sonate für Harfe setzte das Duo einen fulminanten Schlusspunkt unter den Konzertabend. Eher lästig sei Ravel dieser Auftrag gewesen, für den eine Woche Arbeit und drei schlaflose Nächte genügen mussten.

Von Routine kann bei dem zehnminütigen Werk aber keine Rede sein. Im Gegenteil – Klavier und Harfe entwickelten nach dem verhaltenen Klavierauftakt, über den sich kristalline Harfenvariationen ausbreiteten, eine betörende Klangfülle. Wenn beide sich eng verwoben zu einem Reigen an- und abschwellender Kapriolen aufmachen, sich plötzlich spanische Rhythmen einflechten, die bereits bei Debussy anklangen, dann betritt man als Zuhörer traumwandlerische Pfade.

Nicht nur imposant und absolut fesselnd bot sich dieses Werk dar, sondern auch ungemein zeitlos in dieser ausgesuchten Besetzung. Diese brillierte durch eine großartige spieltechnische Fertigkeit. Zugleich durch ein Einfühlungsvermögen in die virtuosen Gestimmtheiten der aufgeführten Werke, die bannte.

Wie auch Tailleferres „Concertino für Harfe“ als eine eher selten gespielte Komposition. In den 1920er-Jahren aus Protest und als Abgesang auf die deutsche Romantik entstanden, erläuterte Kuen, handele es sich dennoch um stark impressionistisch gefärbte Collagen von ungeheurer Wucht einerseits, märchenhaft-mysthische Passagen andererseits.

Beeindruckend ist dabei Hoffmanns Grifftechnik in einem flirrenden Saitenspiel, dessen Bandbreite von rauschhaft mit rasend schnellen Tempowechseln und versonnen sphärischen Partien variiert. Nadermans „A Favourite of Mozart“ bescherte ruhigere, lustvolle Momente.

Chopin-Walzer auf der Harfe?

Wovor Hoffmann zu einem Experiment einlud: „Chopin auf der Harfe zu spielen, ist extrem kompliziert“, schwang sie sich auf zu dessen beiden Walzern in a-Moll und e-Moll. Und die haben es in sich, was wechselnde Tempi und Melodik angehen. Als „Salonstücke der vornehmsten Art“ wurden sie einst von Robert Schumann gewürdigt. Hoffmann verlieh ihnen im Refektorium eine neuartige klangliche Dimension. Zum Vergleich: Kuen interpretierte zwei weitere Walzer solo am Klavier, was Kontrast und Gemeinsamkeiten der verschiedenen emotionalen Bewegtheiten nochmals betonte.

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