Wie sich Reiter im Training entwickeln

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 Dressurreiterin im Springsattel: Die Isnyerin Viktoria Bader macht in jeder Disziplin eine gute Figur. Vereinschef Johannes-Ge
Dressurreiterin im Springsattel: Die Isnyerin Viktoria Bader macht in jeder Disziplin eine gute Figur. Vereinschef Johannes-Georg von Olnhausen gratuliert zum Sieg im E-Springen mit Pippi Lotta. (Foto: Stefanie Böck)
Stefanie Böck

In der Prüfung für die Reiter ab vier Jahre ist den Zuschauern am Wochenende das Herz aufgegangen. „Ist das süß, so haben wir alle mal angefangen“, sagte Carina Wolff am Sonntag auf der Reitanlage in Ratzenhofen. Später machte sie deutlich, was sich aus solchen Anfängen entwickeln kann: Mit Colada wurde die Isnyerin beim Finale im L-Springen hinter Anja Hienzsch aus Reute zweite.

Seit vielen Jahren veranstaltet der Reit- und Fahrverein Isny-Rohrdorf gegen Ende der Saison im Herbst die „Isnyer Pferdetage“ – ein Turnier bis zur Klasse L. Dieses Wochenende konnten rund 800 Zuschauer an zwei Tagen erleben, wie sich Reiter im Training entwickeln: Am Anfang noch geführt am Strick, später seitwärts in der Versammlung im Viereck oder über breite Hindernisse im Parcours.

In zehn Prüfungen mit unterschiedlichem Niveau steigerten sich die Ansprüche in 415 Starts bis zum Zwei-Phasen-L-Springen und einer L-Dressur auf Trense. Der Hintergrund dieses Konzepts: „Im Herbst liegen uns die Nachwuchsreiter und die Reiter aus der Region sehr am Herzen“, erklärte Vereinschef Johannes-Georg von Olnhausen während der Veranstaltung den Unterschied zum großen Springturnier im Mai, das bis zur schweren Klasse geht und fast doppelt so lange dauert.

Professionelle Bedingungen

Auch im Herbst sollen vor allem die Reiter in Isny professionelle Bedingungen vorfinden, die die Vereine mit ihren ehrenamtlichen Einsätzen das ganze Jahr und auch in Zukunft am Leben erhalten und unterstützen werden. „Manchmal liebäugeln wir mit einem zweiten großen Turnier im Herbst – aber wir bleiben dabei: An diesem Termin ist die Basis an der Reihe“, sagt Olnhausen. Eine Idee, die offensichtlich auch dem Publikum gefällt: Volle Ränge an beiden Tagen am großen Springplatz. Egal, wohin der Vereinschef blickte, kam ihm ein Gedanke in den Sinn: „Wir haben eine tolle Mannschaft beieinander.“ Hörbar wurde dieser Gedanke auch am Sonntag vor der letzten Siegerehrung: Sprecherin Micaela Halder verlas die lange Liste der Helfer, die das Turnier erst möglich machen – von den Jugendlichen an den Startertafeln und am Spülmobil bis zur Toiletten-Frau und den Parkplatz-Wächtern, die die vielen Gespanne sinnvoll rund um die Reitanlage parkieren. Auch alle, die im Vorfeld zum Gelingen beitragen, nannte die Schriftführerin des Vereins. Allen voran Alvar Schmidt-Bandelow, der als sportlicher Leiter bis zur letzten Minute am Platz präsent war.

Viele kompetente Helfer für noch mehr gute Reiter: Auf dem Richterturm zeigte sich Alexandra Schmid aus Österreich vom Starterfeld in Isny auffallend begeistert. „Ihr habt hier so tolle Kinder in den Prüfungen“, lobte sie den Nachwuchs der Region. „Viele sehe ich in beiden Disziplinen: Dressur und Springen – das gibts bei uns nicht so häufig“, sagte Schmid über die durchweg solide und vielseitige Reitausbildung, die in Isny zu sehen war. Ein gutes Beispiel dafür ist die Isnyerin Lea Eisleb, die den Reiterwettbewerb gewann und es dieses Jahr in ihrem ersten Springreiterwettbewerb unter die besten Zehn schaffte. Keine leichte Aufgabe, denn es herrschte viel Konkurrenz: Die Meldestelle, die organisatorische Zentrale des Turniers, verzeichnete einen großen Andrang an Teilnehmern vor allem in den mittleren Klassen. „Auf keinem anderen Turnier haben wir so viele Anfragen auf Gastlizenzen aus Nachbarländern und Bundesländern wie in Isny“, sagte Meldestellenchefin Martina Andresen.

Hohe Starterzahlen

Die großen Starterzahlen brachten die Veranstalter am Samstag fast in die Bredouille: Im A-Springen wurde geritten bis es dämmerte. „Wir hatten mit 75 Prozent eine ungewöhnlich hohe Startquote“, erklärt Martina Andresen die Zeitnot. Das Bewirtungsteam um Tina Wolff übernahm bis zum Schluss hinterm Tresen und am Grill im Zeltrestaurant die Extra-Schicht und versorgte die hungrigen Teilnehmer mit warmen und würzigen Mahlzeiten und Salat.

Am großen Familientag am Sonntag färbte die Herbstsonne das Turniergelände in die prächtigsten Farben: „Ich war schon ewig nicht mehr hier – es ist herrlich“, sagte Besucherin Karin Konrad. Beim Rahmenprogramm für die Kleinsten nahmen elf Kinder am Minireitkurs auf den Ponys von Anitas Reiterhof teil. Viele andere hüpften mit Steckenpferden über den Parcours in der alten Reithalle oder tobten sich in der Piraten-Hüpfburg aus. Viel Applaus gab es auch beim Showprogramm der Isnyer Voltigiergruppe mit ihrer Kostüm-Kür zu den Song-Titeln der „Eiskönigin“ während der Umbaupause. „Ich war schon auf sehr vielen Turnieren, aber Isny ist wirklich eine sehr schöne und stimmige Veranstaltung“, sagte Besucherin Uschi Flakowski aus Hessen, die bundesweit Meldestellenservice anbietet.

Über solche Worte freuen sich die Mitglieder des Vereins: „Für mich ist es eine wahre Freude zu sehen, wie sich der Verein über die Jahre entwickelt hat“, brachte es Gründungsmitglied Herrmann Weiß auf den Punkt. Und das muss gefeiert werden: Am 27. April 2019 lädt der RFV Isny-Rohrdorf zum großen Reiterball im Kurhaus am Park zum 95-jährigen Bestehen ein.

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