Wie Isnyer Unternehmen auf ihre Lage im Lockdown aufmerksam machen

 Lucas Becher, Vorsitzender von Isny Aktiv
Lucas Becher, Vorsitzender von Isny Aktiv (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Die Coronakrise und der anhaltende Lockdown machen den Isnyer Unternehmern immer stärker zu schaffen. Isny Aktiv macht auf die Lage aufmerksam. Aktuell wurde vom Verein die Plakataktion „Läden dicht, Ofen aus“ gestartet, an der sich viele der Einzelhändler und Gastronomen beteiligen, um ein Zeichen zu setzen und auf die Notlage aufmerksam zu machen. Christiane Brockhoff vom Büro für Stadtmarketing hat mit Lucas Becher, dem Vorsitzenden von Isny Aktiv, über die aktuelle Lage gesprochen.

Herr Becher, Isny Aktiv versteht sich als Sprachrohr des Isnyer Gewerbes. Was können Sie über die derzeitige Stimmung der Unternehmer in Isny sagen?

Es ist fünf Minuten nach zwölf. Die Vorstandsmitglieder, aber auch die Mitarbeiterinnen in der Geschäftsstelle erfahren immer häufiger von zunehmenden Existenzsorgen in vielen Betrieben, Umsätze bleiben aus und einige wissen kaum, wie sie über die nächsten Wochen kommen sollen. Mit der erneuten Verlängerung des Lockdowns gibt es so gut wie keine Perspektive.

Was sind die drängendsten Sorgen der Isnyer Wirtschaft derzeit?

Es gehen einfach die finanziellen Mittel aus. Was fehlt sind die versprochenen staatlichen Hilfen. Die angekündigten Gelder sind meines Wissens nach noch an kein einziges Unternehmen vollständig ausgezahlt worden. Es sind teilweise Abschlagszahlungen geleistet worden, aber da sind mir nur wenige Fälle bekannt. Das ist Wahnsinn und ein Dolchstoß für jeden Unternehmer. Man hat den Lockdown beschlossen und die Unternehmer halten sich daran, im Gegenzug sind ihnen Gelder zugesagt und versprochen worden, dass niemand allein gelassen wird. Aber genau das ist eingetreten.

Was heißt das für die Unternehmen? Wie stellt sich die Situation dar?

Nachdem kaum Gelder gezahlt worden sind, ergeben sich für die betroffenen Unternehmen im Grunde drei Situationen. Erstens, es müssen allerletzte Reserven, wie private Rücklagen oder Rentenvorsorgen aufgebraucht werden. Zweitens, wenn keine Rücklagen mehr verfügbar sind, müssen Kredite aufgenommen werden, das Unternehmen verschuldet sich. Hier ist mir wichtig zu sagen, dass von der Bundesregierung und den Medien Augenwischerei betrieben wird, natürlich stellen und stützten Bund und Länder hier riesige Kreditsummen. Aber die Unternehmen tätigen doch keine Investitionen mit diesen Geldern, wodurch sie wachsen oder effizienter werden. Sondern sie versuchen mit diesen Geldern ihr Unternehmen über Wasser zu halten, müssen dann aber die Kredite auch wieder zurückzahlen, also dauerhaft eine höre Belastung tragen. Drittens: Wenn das Unternehmen bereits einen wirtschaftlichen Totalschaden erlitten hat, erhält es keine Kredite mehr. Faktisch ist das Unternehmen bereits insolvent, aber da bestimmte Verordnungen zur Insolvenzpflicht derzeit ausgesetzt wurden, muss das Unternehmen in diesem Zustand aushaaren.

Ist die Lage in Isny durchweg so angespannt?

Natürlich gibt es auch Unternehmen in Isny, die gut durch die Krise kommen, die die Zeit nutzen und in Personal, Ausstattung, Modernisierung und ähnliches investieren, aber das sind wenige „Glückspilze“. Demgegenüber habe ich von einem Fall erfahren, wo ein Unternehmer bereits vor Wochen seine private Wohnung aufgeben musste und zum Übernachten auf Verwandte, Bekannte oder auf das Unternehmen ausweicht. Belastend für alle ist die fehlende Öffnungsperspektive. Wie sollen Unternehmen weiter durchhalten, wenn das Ende des Lockdowns im Zwei-Wochen-Rhythmus verlängert wird? Dazu kommt der Unmut über die Wettbewerbsverzerrung gegenüber dem heiß laufenden Onlinehandel. Es wird vielfach einfach übersehen, wie wichtig der stationäre Einzelhandel für eine Kleinstadt wie Isny ist und wie stark die großen digitalen Warenhäuser gerade profitieren. Statt Konzepte für Handel und Gastronomie zu erarbeiten, wird der pauschale Lockdown verordnet und der Kampf gegen Corona auf dem Rücken der kleinen Betriebe ausgetragen. Auch Isny Aktiv blickt besorgt auf die Zukunft der Stadt. Die Folgen der Krise könnten für Isny fatal sein. Darauf wollen wir aktuell mit der Plakataktion „Läden dicht, Ofen aus“ aufmerksam machen. Dass Unternehmen ihre Schaufenster abkleben, ist ein deutliches Signal, das zeigt, dass hier unsere Innenstadt auf dem Spiel steht.

Wie engagiert sich Isny Aktiv außerdem für die Unternehmen?

Die Geschäftsstelle und der Vorstand sind seit Beginn der Pandemie Ansprechpartner für die Unternehmen, wir versorgen sie mit wichtigen Informationen zu Verordnungen und Wirtschaftshilfen und machen auf die Lage der Unternehmen aufmerksam. Mit Kampagnen wie Isny steht zusammen und Aktionen unter dem Motto „wer weiter denkt, kauft näher ein“ appellieren wir seit Monaten an die Solidarität der Isnyer und schaffen gezielt Anreize lokal zu kaufen. Das wird grundsätzlich gut angenommen, der Zusammenhalt in Isny ist enorm und die lokalen Angebote werden genutzt. Aber es ist mittlerweile fraglich, ob das alles reicht. Deshalb stehen wir auch vermehrt im Austausch mit Fraktionsmitgliedern, mit Bürgermeister, Stadtverwaltung und Gemeinderat, um das Thema in Abstimmung mit Katrin Mechler als Geschäftsstellenleitung auf die politische Ebene zu bringen. Ich denke, dass neben der dringend nötigen Auszahlung der Hilfsgelder, auch Diskussionen über Alternativen zum Lockdown, über regionale Lösungen und vor allem über langfristige Strategien geführt werden müssen.

Welche Optionen sehen Sie diesbezüglich?

Im Kontext der angekündigten Teststrategie und in Bezug auf die Infrastruktur kleinerer Städte wie Isny gibt es sicherlich Handlungsmöglichkeiten. Durchdachte Öffnungskonzepten für Handel und Gastronomie können einen weiteren Lockdown verhindern. Und ganz konkret muss der Fokus auf die Innenstadtbelebung gelegt werden, sobald eine Wiedereröffnung absehbar ist. Dabei wird sich Isny Aktiv mit aller Energie einbringen.

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