Wer mit der TSG Rohrdorf feiert, feiert die Welt

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Jan Rieken

Mit einem Vereinsabend für die Mitglieder, einem Fußball-Turniertag und einem Festakt mit zahlreichen Ehrungen hat die TSG Rohrdorf ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Die beiden Vorstände Klaus Geromiller und Peter Rasch ernannten mit einem Festakt am Sonntag im Festzelt auf dem Sportgelände drei verdiente Vereins-Pioniere zu Ehrenmitgliedern: Waltraud Frick, die schon zwei Jahre vor Vereinsgründung eine Turngruppe für Frauen ins Leben rief und bis heute leitet, außerdem Hans Vogler, der stolze 26 Jahre als Kassierer oder Stellvertreter die Kasse hütete, sowie Fritz Frick, der als Trainer und Ausschuss-Mitglied mehr als 15 Jahre die sportlichen und organisatorischen Geschicke des Vereins mitlenkte.

Schon lange vor Vereinsgründung wurde am Fuße der Adelegg organisiert Sport getrieben: Bereits 1976 wird von einer Frauen-Turngruppe berichtet, während sich auf den gemähten Wiesen der Rohrdorfer Landwirte fußballbegeisterte Männer trafen. In unterschiedlichen Teams wie „Bauern gegen Fabrikler“ oder „Verheiratete gegen Ledige“ haben sie prestigeträchtige Partien ausgetragen, heißt es in der zum Jubiläum erschienenen 40-seitigen Chronik. Noch bevor es am 8. August 1969 im Gasthof „Löwen“ zur Vereinsgründung kam, war also für sportliche Ertüchtigung gesorgt – bei den Fußballern meist sonntags zwischen Kirchgang und Frühschoppen. Diese Tradition lebt die TSG auch 50 Jahre nach ihrer Gründung: Eröffnet wurde das Programm von einem Festgottesdienst, daran anschließend gab es einen Frühschoppen.

Den musikalischen Part hatte in beiden Fällen „Heanad & Deanad“, ein Zusammenschluss einiger Musiker aus den Kapellen Rohrdorf und Kreuzthal, der Name bedeutet also frei übersetzt etwa dies- und jenseits der Adelegg. Pfarrer Edgar Jans bezeichnete es in der heutigen Zeit als „nicht selbstverständlich, ein Fest mit einem Gottesdienst zu begehen“. Man müsse Gott dankbar sein für die vergangenen 50 Jahre, sagte Jans, und bat „um den Segen für die nächsten 50 Jahre“. Schon jetzt sei der Verein „ein Segen für die Gemeinschaft im Ort“, lobte er.

Tragende Säule für alle Aktivitäten

Die Gemeinschaft als tragende Säule für alle Aktivitäten stellte auch Vorstand Klaus Geromiller in seiner kurz gehaltenen Rede in den Mittelpunkt. Die TSG biete nicht nur dem Fußball eine sportliche Heimat, sondern auch den Bereichen Wintersport, Turnen und der „TSG 9“. Die TSG sei nicht nur „Sportgelände und Rot-Weiß“, sondern gelebte Kameradschaft, Ehrgeiz und Ehrenamt. Dass in der Vergangenheit der sportliche Erfolg – gelinde gesagt – durchwachsen gewesen sei, ändere nichts am großen Rückhalt, den die Sportler von den Rohrdorfern erfahren: Von etwa 700 Einwohnern sind 400 Mitglied in der TSG, etwa ein Fünftel davon Jugendliche.

Um den Nachwuchs muss sich der Verein also keine Sorgen machen. Dass dies so sei, liege auch am erfolgreichen Miteinander von Gründungs- und sonstigen Mitgliedern, den Sponsoren und den Aktiven aller Gruppen insgesamt. Nach einem gelungenen Fest dankte Geromiller allen Helfern und dem Verfasser der Chronik: Das Sichten und Zusammentragen von Anekdoten und Meilensteinen lag bei Johannes Kink, der außerhalb von Sportplatz und Vereinsgeschehen als Redakteur bei einem Archivdienst tätig ist, in den besten Händen. Der Pokalsieg 1972 in Friesenhofen gegen höherklassige Konkurrenten findet im Jubiläumswerk ebenso Erwähnung wie das „Wunder von Rohrdorf“ oder der erste Meistertitel in der Vereinsgeschichte (C-Jugend II im Jahr 1982), ebenso natürlich diverse Etappen in Sachen (Aus-)Bau von Sportplatz und Vereinsheim. Schon bald soll die Chronik auch auf der Vereins-Homepage abrufbar sein – dann mit noch mehr Bildern und einer internetgemäßen Aufmachung.

Sportliche Bilanz eher bescheiden

„Die sportliche Bilanz der ersten Jahre liest sich eher bescheiden“, heißt es in der Chronik. Kink spricht in der Gesamtbilanz gar von „zehn goldenen und 40 eher durchwachsenen bis mageren Jahren“. Dennoch eilt dem Verein mit großem Donner ein „Schlachtruf“ voraus, der es in sich hat: „Wer Rohrdorf schlägt, schlägt die Welt!“ Davon berichtet auch der als Vereins-Urgestein zum Ehrenmitglied ernannte Fritz Frick in seinem kurzen Rückblick und nennt als Urheber des Schlachtrufs Robert Hecht, der ebenfalls für 50-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet wurde. Auch Frick bilanziert sportlich gesehen über die Jahre eine eher magere Ausbeute – klar, dass Erfolge um so mehr gefeiert werden mussten. „Wenn Cabrios mit rot-weißen Fahnen hupend durch Isny fuhren, wussten die Städter: Rohrdorf hat gewonnen!“

In Vertretung für Isnys Bürgermeister Rainer Magenreuter und Ortsvorsteher Alexander Fürst von Quadt überbrachte dem größten Verein Rohrdorfs Berthold Eckart die Grüße und Glückwünsche der Verwaltung. Der OV-Stellvertreter zitierte aus Quadts Grußwort: „Vereine wie die TSG sind die besten Repräsentanten unseres Dorfes und ein guter Aufenthaltsort für Heranwachsende.“ Als Geschenk überreichte er einen Gutschein der örtlichen Brauerei, im Festzelt auf der Sponsorenbank ebenfalls vertreten, mit den Worten: „Ohne Namen zu nennen, aber: Ihr könnt voller Stolz nach Hause gehen!“

Und stolz ist Klaus Geromiller mit Recht. Auf das Erreichte, auf ein gelungenes Fest und ein freundschaftliches Miteinander – auch mit Flüchtlingen, Inklusionskindern und mit der gegenseitigen Unterstützung der Vereine untereinander –, das in leichter Abwandlung zum Schlachtruf eigentlich nur einen Schluss zulässt: Wer die TSG Rohrdorf feiert, feiert auch ein wenig die heile Welt.

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