Vorbei am Symbol für Fremdenhass

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Neben die Eingangstür zum Asylbewerberheim haben Unbekannte ein Hakenkreuz gemalt. (Foto: Michael Panzram)
Michael Panzram

Was es für ein Gefühl für die Asylbewerber in Isny sein muss, in diesen Tagen ihre Unterkunft im ehemaligen Rehabilitationszentrum des Stephanuswerks zu betreten, lässt sich nur erahnen. Gut kann es jedenfalls nicht sein – und dass muss noch nicht einmal an der Facebook-Seite „Nein zum Heim in Isny“ gelegen haben, die in der vergangenen Woche für große Aufregung sorgte.

Einerseits ist die Seite seit Freitagabend vom Netz – die Betreiber haben sie nach eigenen Angaben wegen der massiven Gegenreaktion freiwillig gelöscht –, andererseits ist fraglich, inwiefern die Flüchtlinge überhaupt von der Online-Aktion etwas mitbekommen haben.

Das was links neben der Eingangstür seit einigen Tagen zu sehen ist, haben die Asylbewerber aber sicherlich registriert: Auf die weiße Wand ist ein schwarzes Hakenkreuz gemalt; das unmissverständliche Symbol für Fremdenhass. Spätestens damit muss den mehr als 100 Bewohnern bewusst sein: Es gibt Menschen in dieser Stadt, in die sie aus einem Kriegs- und Krisengebiet geflohen sind und in der sie hofften, ein neues Leben in Sicherheit und in Zuversicht beginnen zu können, die nicht wollen, dass sie hier sind.

Auch aus diesem Grund und besonders wegen der Vorkommnisse im sozialen Netzwerk Facebook in der vergangenen Woche hat die Polizei kurzfristig ein Treffen für Montagmorgen angesetzt. Dazu eingeladen waren Bürgermeister Rainer Magenreuter, Ordnungsamtsleiterin Verena Evers, Stephanuswerk-Direktor Rolf Jehle und zwei Vertreter des Landkreises Ravensburg eingeladen. Bei dem informellen Treffen stand auch das Thema Sicherheit im Fokus. Es seien „einzelne Maßnahmen“ beschlossen worden, teilte Polizeisprecher Klaus Blaser am Montagnachmittag mit – ohne Details zu nennen. Er betonte, dass der Polizei bisher keine Zwischenfälle beziehungsweise „keine Anfeindungen“ bekannt seien.

„Das Schlimmste für mich ist die Naivität“

Das Hakenkreuz am Eingang sei bewusst bis zu dem Treffen am Montagmorgen nicht entfernt worden, um sich die Situation zu vergegenwärtigen, erklärte Bürgermeister Magenreuter. Denn die Gruppe habe bei einem Rundgang unter anderem den Eingangsbereich besichtigt. „Das Schlimmste für mich ist die Naivität“, blickte Magenreuter noch einmal auf die Art und Weise zurück, wie auf der Facebook-Seite „Nein zum Heim in Isny“ Stimmung gegen die Asylbewerber gemacht worden war. Er vermutet, dass die Betreiber auch aus „Unkenntnis“ heraus gehandelt hätten.

Überlegt wurde auf dem Rundgang unter anderem, wie es gelingen kann, das Image der Stadt Isny nach den Vorkommnissen der vergangenen Woche wieder aufzubessern, sagte Magenreuter. Diverse Aufgaben seien verteilt worden, wobei er aus städtischer Sicht auf den bereits bestehenden Helferkreis Asyl verwies. Möglich sei aber auch, zusätzliche Personen einzubinden, um sich „gemeinschaftlich“ um die Asylbewerber zu kümmern.

Auch die Bewegung, die die Facebook-Seite „Nein zum Rassismus im Allgäu und sonst wo“ am vergangenen Mittwoch ins Leben gerufen hatte, gibt sich mit der Tatsache, dass die Seite der Heimgegner vom Netz ist, noch längst nicht zufrieden. Zu einem Treffen am Samstagnachmittag im Jugendzentrum GoIn kamen neben einigen Isnyern um Initiator Adrian S. mehr als zwei Dutzend Interessierte, darunter auch Mitglieder politisch aktiver Gruppen aus Ulm, Kempten und Ravensburg.

Facebook-Seite pro Asylbewerber hat fast 2000 Befürworter

Um dem „allgemeinen rassistischen Normalzustand und der Hetze gegen das Asylbewerberheim in Isny etwas entgegenzusetzen“, seien unterschiedlichste Aktivitäten geplant, heißt es. In erster Linie sollen die Menschen, die im Asylbewerberheim leben unterstützt werden – „und das nicht nur temporär, sondern langfristig“. Diesem Vorhaben werde sich eine feste Gruppe widmen, die sich „über Unterstützung weiterer engagierter Menschen“ freue. Es soll Infostände, Vorträge und Workshops geben.

Um die Isolation der geflüchteten Menschen in Isny „zu durchbrechen“, solle außerdem die Kommunikation zwischen Bevölkerung und den Flüchtlingen angestoßen werden, erklärte die Gruppe. Auf Unterstützung darf die Bewegung wohl hoffen: Ihre Facebook-Seite hat inzwischen fast 2000 Befürworter.

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