„Vertrauenspulver“ für die Gemeinderäte

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Die sangesfreudige Narrenzunft „Urig“ Beuren mit bürgermeisterlicher Gitarrenbegleitung, unten an der Bühne die Isnyer Filmplak
Die sangesfreudige Narrenzunft „Urig“ Beuren mit bürgermeisterlicher Gitarrenbegleitung, unten an der Bühne die Isnyer Filmplakate für Leutkirch, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen. (Foto: Tobias Schumacher)
Schwäbische Zeitung

Ob sich Noch-Hauptamtsleiter Klaus Hägele einen Gefallen getan hat, den Zunftmeisterempfang gestern Morgen im Adlersaal zu schwänzen, wird vermutlich erst die Fasnet 2019 erweisen. Jedenfalls fehlte das „K“ von „Klaus und Claus“, dem vom Narrengericht während des Rathaussturms angeordneten Gesangsduo. Bauamtschef Claus Fehr dagegen zeigte sich willig, seine Strafe zu verbüßen, Auf der grünen Schürze, die er sich eigens gekauft hatte, war zumindest der Liedtitel vom „Eiermann“ zu lesen.

Die mangelnden Sangeskünste im Isnyer Rathaus stellte zudem „der Abgesägte“ (Zunftmeister Frank Müller) in Person von Bürgermeister Rainer Magenreuter noch einmal unter Beweis – und das räumte dieser unumwunden ein. Das Jubiläumslied für die „Lachende Kuh“ geriet noch schräger. Und obendrein die Gitarrenbegleitung für die Narrenzunft „Urig“ Beuren: Die trug ein 15-strophiges Lied vor, das spitzfindig vom Unterschied handelte, den es ausmacht, entweder in „Isna oder Beura dahoim“ zu sein. „Copyright Kindergarten Beuren“, war Zunftmeister Tobias Badent wichtig zu betonen.

Lokale Unterschiede wurden ebenfalls beim närrischen Schlagabtausch zwischen Magenreuter und Amtskollege OB Hans-Jörg Henle aus Leutkirch ausgetauscht. „Seinen“ Isnyern präsentierte das Stadtoberhaupt im Adlersaal die „Werbekampagne“ mit Filmplakaten, die das Isnyer Stadtmarketing den Leutkirchern geschenkt hat, „um überhaupt Center-Parcs-Gäste anzulocken“.

Was Henle mit drei Gegengeschenken erwiderte: Er krönte Magenreuter zum „Sonnenkönig“, da Isny die Länge der jährlichen Sonnenscheindauer „nicht verkraftet“, Leutkirch wolle „dieses Trauma beseitigen“. Zugleich bestätigte er aber mit einem Zertifikat, „dass in Isny die Sonne tatsächlich am längsten scheint – jedenfalls in Isny“. Zuletzt überreichte Henle für eine bessere Zusammenarbeit im Rathaus ein „Vertrauenspulver“ für die Isnyer Stadträte (von denen keiner im Saal war). Und Bianca Keybach, neue Geschäftsführerin der Isny Marketing, bekam einen blauen Rechtsabbieger-Pfeil, weil sie sinniert hatte, an der Center-Parcs-Abzweigung ein grünes Ampelmännchen mit Weisungsrichtung links gen Isny aufzustellen.

Eingangs hatte Henle boshaft gewürdigt, dass das Leutkircher Prinzenpaar, Lisa-Marie I und Mike I, „sogar freiwillig mit nach Isny“ gekommen sei – gar nicht so selbstverständlich, „wenn ich mir den Magenbitter und sei’ Stadt so anseh“, frotzelte Leutkirchs OB. Und er könne jetzt verstehen, dass in Asterix und Obelix der Barde Troubadix immer weggesperrt wird, wenn er Magenreuter singen höre.

Dieser löste immerhin einen Teil der Narrengerichtsstrafe ein: Für die Leiter auf den Rathausbalkon, die die Stadt 2019 der Lachenden Kuh laut Urteilsspruch eigentlich schenken müsste, gab es einen Besenstiel. Zunftmeister Frank Müller möge ihn „im Eigenbau“ für weitere Sprossen zersägen, scherzte Magenreuter. Auf die nächste Sprossen-Posse 2019.

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