Ursula Gebauer beging im Haus Sonnenhalde putzmunter ihren 100. Geburtstag

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 Schwiegersohn Hermann Diehm, Peter Manz, stellvertretender Bürgermeister, und Tochter Monika Diehm (von links) feiern mit der J
Schwiegersohn Hermann Diehm, Peter Manz, stellvertretender Bürgermeister, und Tochter Monika Diehm (von links) feiern mit der Jubilarin Ursula Gebauer. (Foto: Walter Schmid)
Walter Schmid

Aus 100 Jahren Leben zwischen Berlin, Kiel, Immenstadt und Isny gibt es viel zu erzählen. Die hochbetagte Jubilarin Ursula Gebauer weiß noch alles ganz genau, jedes Detail mit Datum, nur die Wochentage bringe sie gelegentlich durcheinander, räumt die Dame im Immenstädter Dirndl ein: „Mein PC im Kopf hat nur einen kleinen Riss.“

Als Peter Manz als stellvertretender Bürgermeister auftaucht und die Stühle in ihrem blumengeschmückten Zimmer zur Neige gehen, die Anwesenden bemüht sind, dem Geburtstagskind einen Stuhl freizumachen, ruft die Jubilarin zur Ordnung: „Hört mal alle her! Ob ich mich setzen will, das bestimme ich schon selbst!“ Nur zwischendurch kam Manz zu Wort und konnte sein Sprüchlein mit Grüßen und Segenswünschen vom Rathaus aufsagen und die Urkunde des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann loswerden.

Sie sei im dreckigsten Viertel von Berlin, im Wedding geboren und aufgewachsen und habe nach der Schule, noch vor dem Krieg, Verkäuferin im Schuhfachhandel gelernt, schildert die Jubilarin. 1941 heiratete sie den jungen Kaufmann und Luftwaffensoldaten Heinz Gebauer. Die Versorgungssituation gleich nach dem Krieg sei in Berlin so miserabel gewesen, dass die beiden bald nach Kiel in die Nähe von Verwandten gezogen seien, ihr Mann habe sich dort zum Steuerberater weitergebildet.

Ende der 1950er-Jahre bot sich in Immenstadt im Allgäu die Gelegenheit, ein Steuerbüro zu übernehmen. So seien sie zu Allgäuern „mit Berliner Schnauze“ geworden, gesteht die Jubilarin augenzwinkernd. Weil sie selber etwas leisten wollte, betrieb sie selber in Sonthofen einige Jahre ein Imbissstüble und später noch viele Jahre eine Pension in Hüttenberg bei Sonthofen. Weit über 80-jährig sei sie dann mit ihrem Mann ins Hochhaus in Immenstadt gezogen, und bald musste Ursula Gebauer dort leider allein bleiben, weil ihr lieber Mann verstarb.

Zwei Enkel, fünf Urenkel und vier Ururenkel

Erst vor drei Jahren holten Tochter und Schwiegersohn, Monika und Hermann Diehm, die Mutter in ihre Nähe in die Sonnenhalde, wo sie auch häufig besucht wird und sich an zwei Enkelkindern, fünf Urenkeln und vier Ururenkeln freuen darf, von denen die meisten ganz in der Nähe leben.

Wie geht es einer Berlinerin im Allgäu? Ich kann gut essen und gut schlafen, „ond i schwätz mei Sach“, sagt sie in edlem schwäbisch. „Essen top, Hausleitung top. Wenn jemand vom Personal nicht freundlich zu mir ist, dann sag ich derjenigen, dass sie besser hätte einem anderen Beruf nachgehen sollen, vielleicht als Kellnerin. In diesem Job ist das Trinkgeld von der Freundlichkeit abhängig. Dann werden sie sich ganz schön wundern.“

Weitere 100 Jahre wolle sie nicht mehr anhängen. „Es geht mir gut, aber es reicht! Wenn der liebe Gott mich ruft, dann sag ich ja und geh.“

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