Tomicics aus Tomicic sind für immer in Isny verwurzelt

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 Das goldene Ehepaar Tomicic wurde von Dorothee Natalis (Mitte) an ihrem Ehrentag besucht.
Das goldene Ehepaar Tomicic wurde von Dorothee Natalis (Mitte) an ihrem Ehrentag besucht. (Foto: Walter Schmid)
Walter Schmid

Rüstig, gesund und immer noch glücklich miteinander haben Nikola und Ivka Tomicic in Isny das Fest ihrer goldenen Hochzeit begangen. Vor 50 Jahren haben die Tomicics in der gleichnamigen Ortschaft Tomicic im früheren Jugoslawien geheiratet und anschließend begonnen, als junges Gastarbeiterpaar in Isny Wurzeln zu schlagen. Es sei längst keine Frage mehr wohin sie gehören. Isny sei ihre Heimat, Kroatien ein Sommerurlaubs-Ziel.

Dorothee Natalis hat in Vertretung des Bürgermeisters Rainer Magenreuter Ehepaar Tomicic an ihrem Ehrentag besucht und sich viel Zeit genommen, in das Schicksal eines typischen Gastarbeiter-Ehepaares hineinzuhören. Und sie überbrachte auch die Glückwünsche der Stadt mit Blumen und Geschenk, sowie die Urkunde mit Segenswünschen des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.

Als Nachbarskinder aufgewachsen

Die Tomicics sind als Nachbarskinder in der Ortschaft Tomicic aufgewachsen, haben sich in jungen Jahren immer mehr angefreundet, verliebt und dann am 8. November 1969 auch geheiratet. Die Entscheidung habe sich als ausgesprochen gut erwiesen. So gut, dass es im Rückblick immer noch undenkbar sei, dass man irgendwann auseinander gegangen wäre. „Wir haben Verantwortung füreinander übernommen und das wird auch so bleiben“, sagen sie überzeugt.

Im damaligen Jugoslawien seien die standesamtliche und die kirchliche Hochzeit zwei Stufen der Eheschließung gewesen. Heute sei der Pfarrer in der Kirche in Kroatien auch mit der staatlichen Trauung beauftragt. Ehefrau Ivka sei zwei Tage nach der Hochzeit nach Isny aufgebrochen, weil sie die nötigen Papiere durch die bereits in Isny lebende Cousine früher bekommen hat. Sie habe schnell Arbeit gefunden, kurze Jahre im Stephanuswerk, bei Gardinia, bei Dethleffs und dann noch gut 40 Jahre in der Mensa der NTA.

Nikola, der junge Maurer, konnte im April 1970 nachreisen und habe auch gleich Arbeit in Baugeschäften gefunden: bei Steidele in Memmingen, bei Belli und bei König und zuletzt noch 16 Jahre bei der Firma Gardinia. Bei Josef Steidele hätte gleichzeitig vier Jugoslawen angefangen zu arbeiten. Eine Woche lang habe er allen Vieren auf die Finger geschaut, und dann zwei als Hilfsarbeiter zurückgestuft, weil sie wirklich keine Ahnung gehabt hätten. „Ich war glücklicherweise einer der beiden Facharbeiter.“

Zwei Söhne, vier Enkel

Ehepaar Tomicic hat „nebenher“ zwei Söhne großgezogen. Der Ältere betreibt in München ein kleines Baugeschäft, der Jüngere ist Service-Berater bei Steinhauser in Isny. Beide hätten Gastarbeitermädle geheiratet und je zwei Söhne, die zwischendurch auch gerne bei Oma und Opa in Obhut gegeben werden.

In den vergangenen 50 Jahren sei in Kroatien auch ein Haus gebaut worden, nur wenige Kilometer vom Adria-Meer entfernt. Es werde von allen Tomicics als Feriendomicil genutzt. Völlig undenkbar sei es, für immer zurückzukehren. Nikola ist Mitglied im FC Isny und bei Spielen als Platzkassierer tätig. Und an einem Tag in der Woche wird mit Landsleuten in der Bahnhofwirtschaft Karten gespielt und Kroatisch gesprochen.

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