Tagung begibt sich auf die Spuren des Nobelpreis-Romans „Die Blechtrommel“

 Einträge von Mitgliedern der legendären „Gruppe 47“ im Gästebuch des historischen Gasthofs Adler.
Einträge von Mitgliedern der legendären „Gruppe 47“ im Gästebuch des historischen Gasthofs Adler. (Foto: Städtische Museen Isny)
Schwäbische Zeitung

Im Nachgang der Isnyer Literaturtage kehrt „Die Blechtrommel“ von Günter Grass nach Isny und Großholzleute zurück: Der Roman, aus dem der spätere Literatur-Nobelpreisträger vor 63 Jahren im historischen Gasthof Adler den Mitgliedern der Schriftstellervereinigung „Gruppe 47“ erstmals vorlas, steht im Mittelpunkt einer zweitägigen Tagung am letzten Oktoberwochenende.

Im Herbst 1958 traf sich die „Gruppe 47“ im Gasthof Adler in Großholzleute. Grass las zwei Kapitel aus seinem noch unveröffentlichten Roman „Die Blechtrommel“ vor und erhielt spontan den Preis der Gruppe: Inzwischen millionenfach verkauft und in viele Sprachen übersetzt, widmet sich die literaturwissenschaftliche Tagung dem Thema: „Wo die Blechtrommel zum ersten Mal geschlagen wurde – Günter Grass und die Gruppe 47 in Großholzleute“.

Thematisch ein weiter Bogen

Die Vorträge spannen einen weiten Bogen: vom legendären Treffen im Adler bis zu Fragen der Gattungszugehörigkeit des Romans, von der deutschen „Vergangenheitsbewältigung“ im Buch bis zur Bedeutung der Bildenden Kunst für den Literaten Günter Grass. Gefragt wird auch nach aktuellen Bezügen und der anhaltenden Relevanz des Romans.

Den Eröffnungsvortrag, der unabhängig von der Tagung besucht werden kann, hält Heribert Tommek von der Universität Regensburg am Freitag, 29. Oktober, um 19 Uhr im Refektorium des Isnyer Schlosses. Am Samstag geht es ab 9 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Großholzleute weiter mit Cesare Giacobazzi, Professor an der Universität Modena und Reggio Emilia, der die Blechtrommel als „Schelmenroman“ beleuchtet.

Nachwirkungen von Grass’ Literatur und Kunst

Martin Oswald, Professor für Kunst und Kunstdidaktik an der PH Weingarten, widmet sich ab 10 Uhr Grass’ Gedanken beim Zeichnen, Franz Schwarzbauer, Vorstand der Goethe-Gesellschaft Ravensburg, stellt ab 11 Uhr vor, was er beim „punktuellen Lesen“ der Blechtrommel entdeckt hat, und Nikola Herweg, Literaturwissenschaftlerin am Deutschen Literaturarchiv Marbach, referiert ab 12 Uhr über „das Nachlassbewusstseinbei Günter Grass“.

Abschluss ist ein Mittagessen im Adler, die Kosten sind nicht im Tagungsbeitrag enthalten, und ab 14.30 Uhr die Schilderungen von Allgäu-Kenner und Autor Rudi Holzberger, der exklusive Einblicke in die Räumlichkeiten des historischen Gasthofs, in denen die „Gruppe 47“ einst tagte, kenntnisreich begleitet.

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